18. August 2018

Geburt

Wie weh tun Wehen?

Geburt
© nd3000/iStockphoto.com

Viele Schwangere haben Angst vor den Schmerzen im Kreißsaal und fragen sich, ob sie die Wehen auch aushalten. Wie sich echte Wehen anfühlen und wie Hebamme oder Arzt helfen können.

Wehen sind schmerzhaft. Das bestreitet keiner. Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, erklärt: „Wehen gehören zu den stärkeren Schmerzen. Allerdings ist Schmerz subjektiv.“

„Jede Frau erlebt und verarbeitet Wehen anders“, weiß auch Beate Giesing, Bezirksvorsitzende München im Bayerischen Hebammenlandesverband und zweifache Mutter. Es kommt darauf an, wie und wie schnell die Geburt verläuft, wie die Schwangere gebaut ist, wie gut sie betreut wird. Manche Frauen bringen die Wehen an den Rand ihrer körperlichen und seelischen Kräfte. Andere dagegen spüren sie kaum stärker als Bauchschmerzen während der Menstruation. Selbst Frauen, die sich sonst als eher schmerzempfindlich bezeichnen, kommen mit den Wehen oft erstaunlich gut zurecht.

Wer loslassen kann, tut sich leichter

„Wichtig ist die Einstellung der Frau“, sagt Dr. Babett Ramsauer, leitende Oberärztin am Vivantes Klinikum Berlin-Neukölln. Je offener, umso besser, denn ein Kind zur Welt bringen heißt „loslassen“. Wer seinen Kopf dabei ein Stück weit ausschalten kann und seinem Körper und den Geburtshelfern vertraut, ist entspannter, kann sich auf das, was mit ihm passiert, einlassen, seine Kraft-Reserven mobilisieren und über sich hinauswachsen. Gut gelingt das oft ganz jungen Müttern, so die Ärztin. Denn sie haben selten einen festen Fahrplan im Kopf, sondern gehen eher unvoreingenommen an die Sache heran.

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Hormone helfen bei der Geburt

Dass Frauen ihrem Körper vertrauen können, haben Studien belegt. „Der Körper selbst produziert eines der stärksten Schmerzmittel: Endorphine, sogenannte Glückshormone, helfen, mit den Schmerzen gut zurechtzukommen“, erklärt Schmerztherapeut Dr. Müller-Schwefe. So viele Endorphine schüttet der Körper einer Frau nur während der Entbindung und kurz danach aus. Botenstoffe in dieser hohen Dosis wirken ähnlich stark wie Opiate. Deshalb erleben Frauen die Geburt oft „wie in Trance“, ganz auf sich selbst konzentriert, Stimmen und Gesichter der Menschen um sich herum ausgeblendet. Und wenn sie ihr Baby endlich im Arm halten, fühlen sie sich, als schwebten sie „auf Wolke sieben“.

Das Baby lässt den Schmerz vergessen

Wo der Wehenschmerz entsteht in erster Linie durch die Dehnung des Gebärmutterhalses und des angrenzenden Gewebes. Durch die Eröffnungswehen wird der Muttermund auf zehn bis elf Zentimeter geweitet. Auch die Bänder, an denen die Gebärmutter aufgehängt ist, schmerzen, wenn sie sich regelmäßig zusammenzieht. Das Gefühl, bei der Geburt etwas Besonderes geleistet zu haben, lässt viele Mütter die Schmerzen aber bald danach vergessen.
Leider hat die Zahl der Schwangeren, die sich vor den Schmerzen fürchten, in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, meinen Dr. Babett Ramsauer und Beate Giesing. Die Hebamme sieht den Grund darin, dass wir Schmerzen immer weniger akzeptieren: „Heute geht man schnell zum Arzt, wenn etwas wehtut, und lässt sich Tabletten verschreiben, statt es erst mal ohne Chemie oder mit einer kalten Kompresse zu versuchen.“

Sowohl Hebamme als auch Ärztin nehmen sich viel Zeit für ein Gespräch, wenn Schwangere mit großen Ängsten zu ihnen kommen. Ziel ist es, herauszufinden, was genau dahintersteckt, und die werdende Mutter zu beruhigen. „Wer Angst hat, ist angespannt und verkrampft und stemmt sich eher gegen die Wehen, statt mit ihnen zu arbeiten. Gerät die Frau gar in Panik, können das Ungeborene stark gestresst und die Herztöne schlechter werden“, erklärt Dr. Ramsauer. Tipps gegen Angst vor der Geburt finden Sie außerdem HIER!

Lesen Sie auf der nächste Seite, was gegen Wehenschmerzen helfen kann.

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