5. Oktober 2018

Personalmangel an Geburtskliniken

Mit Wehen vor dem geschlossenen Kreißsaal?

Personalmangel an Geburtskliniken
© Antonio Guillem/Shutterstock.com

In immer mehr Geburtskliniken werden Kreißsäle ganz oder vorübergehend geschlossen, einige Krankenhäuser führen in nächster Zeit nur geplante Kaiserschnitte durch. Der Grund: Personalmangel. Fünf Fragen zur Situation an Astrid Giesen, 1. Vorsitzende des Bayerischen Hebammenverbandes.

Stehe ich als Schwangere demnächst vor einem geschlossenen Kreißsaal?

Ich gehe davon aus, dass Frauen, die in einer betroffenen Klinik entbinden wollen, rechtzeitig über die Schließung informiert werden. Entsprechende Infos gibt es außerdem über die Presse, auf der Homepage der Klinik und sicher auch in Frauenarzt-Praxen. Aber die anderen Häuser in Reichweite haben natürlich mit ähnlichen personellen Problemen zu kämpfen und eventuell auch wenig Personal.

Was raten Sie Schwangeren, bei denen die Wehen einsetzen?

So früh wie möglich in der Wunschklinik anrufen und nachfragen, ob in den nächsten Stunden genügend Personal da ist. Dann ist noch Zeit, um auf eine andere Klinik auszuweichen.

Schwangere sollten also alle Geburtskliniken in ihrer Gegend besichtigen?

Ja, auch dazu würde ich raten. Es gibt keine Garantie mehr, dass die Wunschklinik die Frau auch aufnehmen kann, wenn die Geburt losgeht.

Entscheide ich mich dann lieber für ein kleines Krankenhaus?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Von der aktuellen Situation sind sowohl kleinere Häuser als auch große Kliniken betroffen. Wichtig bei der Klinikwahl: die notwendige medizinische Versorung muss gewährleistet sein. Eine werdende Mutter mit vorzeitigen Wehen in der 32. Woche wird man ohnehin in eine große Geburtsklinik überweisen. Aber gesunde Schwangere, bei denen keine Komplikationen zu erwarten sind, können sich überlegen, ihr Baby in einem Geburtshaus oder zu Hause zur Welt zu bringen. Aber auch da heißt es, sich rechtzeitig um einen Platz oder eine Hebamme zu kümmern.

Verleitet die Situation Schwangere dazu, sich für einen Kaiserschnitt zu entscheiden, um auf Nummer sicher zu gehen?

Ja, leider ist das so. Und da verstehe ich die Frauen sogar. Denn Gebären heißt auch, sich geborgen, sich gut aufgehoben zu fühlen. Wenn ich aber wie Maria und Josef durch die Gegend ziehen muss auf der Suche nach einem Gebärplatz – wie soll da noch eine gute Geburt noch möglich sein? Aber ein geplanter Kaiserschnitt ist ein sehr hoher Preis, den die Frau zahlt.

Personalmangel an Geburtskliniken – die Ursachen

Der aktuelle Engpass hat nicht nur mit den hohen Haftpflichtprämien zu tun, die Hebammen zahlen müssen. Diese Problematik wurde etwas entschärft und Hebammen können rund ⅔ der Prämie erstattet bekommen. Auch das deutsche Haftungsrecht, in dem die Klärung der Schuldfrage im Mittelpunkt steht, setzt Hebammen unter Druck und trägt damit nicht zu einer verbesserten Versorgung bei.
„Dazu kommt, dass Menschen in den so gennanten Care-Berufen heute deutlich weniger verdienen als etwa in der freien Wirtschaft – dieser Unterschied war vor 20 Jahren noch wesentlich geringer“, sagt Astrid Giesen: „Die große Verwantwortung, aber auch der enorme zeitlich Einsatz werden nicht ausreichend honoriert. Geld sollte nicht nur in die Ausstattung der Krankenhäuser investiert werden, sondern auch in die Menschen, die die medizinische Versorung sichern!“

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