6. November 2016

Wochenbett-Depression

Wenn mit dem Baby die Traurigkeit kommt

Schritte aus der Traurigkeit
© Courtney Keating/iStockphoto.com

Statt des großen Glücks viel Traurigkeit, statt der Freude am Baby nur Unsicherheit: Was Müttern hilft, die nach der Geburt unter Depressionen leiden.

Die Frauen fühlen sich niedergeschlagen, antriebslos, sie schlafen schlecht und haben das Gefühl, sich nicht an dem Baby freuen zu können. Manche Mütter denken auch daran, nicht mehr leben zu wollen.
Oder sie haben Angst, die Kontrolle zu verlieren und dem Kind etwas anzutun. Das alles sind typische Symptome einer Wochenbett-Depression. Rund fünf bis zehn Prozent der Mütter sind davon betroffen. Andere Schätzungen gehen sogar von bis zu 20 Prozent aus. Kaum eine Frau spricht über ihre Ängste. Sie passen nicht zu dem Bild einer guten Mutter: Sie soll fröhlich, zufrieden und ausgeglichen sein und ihr Baby über alles lieben.

Die Ursachen für den „Baby-Blues“

Ursachen für Wochenbett-Depressionen gibt es viele. Durch das Baby stehen Frauen vor einer völlig neuen Lebenssituation: Viele geben für das Baby zunächst ihren Beruf auf und verlieren damit soziale Kontakte. Auch finanzielle Probleme, zu hohe Ansprüche an sich selbst, ein Schreibaby oder das Gefühl, vom Partner zu wenig unterstützt zu werden, belasten. Dr. Corinna Reck, Psychologin an der Psychiatrischen Uniklinik Heidelberg rät Betroffenen, möglichst bald fachliche Hilfe zu suchen, am besten bei einem Psychiater. Der kann die Situation oft besser einschätzen als der Hausarzt, notfalls auch Medikamente verschreiben. Die Behandlungserfolge sind bei postpartalen Depressionen sehr, sehr gut, sagt Dr. Corinna Reck.

Schritte aus der Traurigkeit

Nehmen Sie sich und Ihre Gefühle ernst. Nur dann können Sie an Ihrer Situation etwas ändern. Ein Experte, am besten ein Psychiater, ist für Sie jetzt der richtige Ansprechpartner. Es tut auch gut, mit dem Partner, der Familie und guten Freunden über die Probleme zu reden. Schaffen Sie sich Freiräume. Bitten Sie Familie und Freunde um Unterstützung im Alltag. Engagieren Sie zum Beispiel einen Babysitter, verlängern Sie die Hebammennachsorge oder beantragen Sie bei der Krankenkasse eine Haushaltshilfe.
Perfektionismus hemmt Sie nur: Chaos und Schwierigkeiten sind in der jetzigen Situation völlig normal. Selbsthilfegruppen bieten Kontakt zu Frauen, die Ähnliches durchgemacht haben. Vielleicht kann Ihnen auch ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik helfen, gesund zu werden.

Hier bekommen Sie Unterstützung

Der Verein „Schatten & Licht e.V.“ (Tel. 0 82 93/96 58 64) hilft Frauen, die rund um die Geburt ihres Kindes in eine seelische Krise geraten. Auf der Webseite finden Betroffene eine Liste von Selbsthilfegruppen und Beraterinnen.

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