Freude am Schreiben

Handlettering für Kinder: Jeder Buchstabe ein kleines Kunstwerk

Ein Trend verschönert unsere Welt: Handgezeichnete Buchstaben begegnen uns derzeit überall. Das sogenannte Handlettering bereitet auch Kindern neue Freude am Schreiben.

Alles kommt irgendwann wieder. Unsere Liebe für Nostalgisches holt nicht nur Opas Polaroidkamera und seine Plattensammlung runter vom Dachboden. Sie sorgt auch dafür, dass eine sehr persönliche Angelegenheit angesagter denn je ist: die eigene Handschrift. Ob auf Postkarten, Einladungen, Namensschildern oder gerahmt an der Kinderzimmerwand: Von Hand geschriebene Worte und Sprüche begegnen uns überall – obwohl es natürlich zahlreiche digitale Alternativen gibt.

Handlettering: Worte voller Wertschätzung

Genau das ist es, was die selbst geschriebenen Buchstaben so besonders macht: Wer seinen Geburtstagsgästen handschriftliche Einladungen überreicht, hat viel Zeit in jede einzelne Karte investiert. Das verleiht den Worten einen zusätzlichen Wert – und signalisiert dem Empfänger besondere Wertschätzung. Das sogenannte Handlettering geht noch einen Schritt weiter: Es macht aus jedem einzelnen Buchstaben ein kleines Kunstwerk. Dabei muss man es sowohl vom Schönschreiben als auch von der Kalligrafie unterscheiden: "Bei unserer alltäglichen Handschrift, mit der wir Gedanken festhalten oder Einkaufslisten schreiben, geht es häufig nicht um Schönheit – sondern im besten Fall um Lesbarkeit", sagt Martina Janssen, Handlettering-Dozentin aus Bremen. "Als Kunst des schönen Schreibens kennen viele den Begriff der Kalligrafie", erklärt sie weiter. "Dabei werden häufig Feder und Tinte genutzt", eine künstlerisch anspruchsvolle Sache. Das Handlettering hingegen kann man mit jedem Stift starten. "Mein Tipp: einfach die Schublade mit Stiften und Farben auskippen und alles ausprobieren", empfiehlt die Expertin. "Das Schöne ist, dass wahrscheinlich die meisten das Werkzeug schon zu Hause haben: Bleistift, Radiergummi, Fineliner und ein Stück Papier reichen absolut aus, um die ersten Lettering-Versuche zu wagen."

Anders als bei der Handschrift oder der Kalligrafie werden beim Handlettering die Buchstaben nicht geschrieben, sondern gezeichnet. "Häufig beginnt ein Lettering mit einer Bleistiftskizze, die man nach und nach entwickelt und in ein schönes Werk verwandelt", erklärt Janssen. Das macht das Handlettering zum wunderbaren Einstieg, mal wieder zu malen und zu zeichnen – auch gemeinsam mit den Kindern. Künstlerisches Talent ist dabei keine Grundvoraussetzung, im Gegenteil: "Die meisten trauen sich viel eher, Buchstaben zu zeichnen, als komplexe Illustrationen, denn Buchstaben kennen wir alle aus der Schule", weiß die Expertin. Genau deshalb können auch jüngere Kinder bereits große Freude am Handlettering entwickeln: "Wer ein erstes Gefühl für Buchstaben hat, Worte bilden und den eigenen Namen oder ‚Mama‘ schreiben kann, der kann sich auch am Handlettering ausprobieren", so Janssen. Das Schöne dabei: "Die Kinder kommen weg vom strengen Charakter des Buchstabenlernens und können das Alphabet auf eine ganz neue Art kennenlernen."

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Die Kunst beginnt mit kurzen Worten

Wenn Kinder oder Erwachsene mit dem Lettering anfangen, sollten sich auch erfahrene Schreiber zunächst an kurzen Wörtern oder Sätzen ausprobieren. So bleibt genug Zeit und Ruhe, sich auf jeden einzelnen Buchstaben zu konzentrieren. "Lange Wörter wie 'Papperlapapp' können am Anfang eine echte Herausforderung sein, aber mit ein bisschen Übung macht es umso mehr Spaß, auch solche Herausforderungen zu meistern", erinnert sich Martina Janssen an ihre eigenen Anfänge. Am einfachsten sind zu Beginn normale Druckschrift-Alphabete, da diese aus einzelnen Strichen bestehen, die nicht verbunden werden. "Ein einfacher Trick, um der Druckschrift einen besonderen Look zu verpassen, ist es, einige Striche breiter zu gestalten, sodass ein schöner Strichstärkenkontrast entsteht", weiß die Expertin. 

Ein schöner Trick: die "falsche Kalligrafie" bzw. "faux calligraphy"

Und wenn es ein bisschen schwungvoller werden soll? "Dann darf man sich direkt an die Schreibschrift trauen. Auch die kann mit wenigen Strichen zu einem echten Highlight werden, wenn man die Technik der sogenannten 'falschen Kalligrafie' anwendet", erklärt die Bremerin Janssen. Ihr Tipp für alle Einsteiger: "Gestalte den Schriftzug in der Schreibschrift ruhig größer, als du es in der Handschrift gewohnt bist. So hast du genug Platz, um die Buchstaben schön auszuarbeiten." Das Gute daran: "Im Handlettering ist man völlig frei. Es können verschiedene Schriften miteinander kombiniert werden, und das Lettering kann wunderbar mit kleinen Schmuckelementen ergänzt werden."

An die Stifte, fertig – los!

Habt ihr beim Lesen Lust bekommen, mit euren Kindern loszulegen? Auf den Seiten, die ihr euch unten herunterladen könnt, erklärt unsere Expertin Martina Janssen die wichtigsten Schritte fürs erste eigene Handlettering-Kunstwerk. Dann fehlen eigentlich nur noch Stift und Papier. Für die allerersten Versuche empfiehlt die Dozentin, Stifte zu verwenden, die eine feste Spitze haben, zum Beispiel einen Bleistift oder Filzschreiber. "Beim Bleistift hat man natürlich noch den Vorteil, dass man radieren kann, wenn etwas nicht direkt beim ersten Versuch klappt", rät sie. Eine Sache kommt selbst bei den Profis vor: "Bei mir landen locker drei bis fünf Versuche im Müll, bevor ich zufrieden bin. Die Zauberformel lautet also: Üben, Ausprobieren und Weitermachen! Und wenn mal ein Ergebnis missglückt ist, macht man es beim nächsten Versuch einfach besser." Wir wünschen viel Freude beim Ausprobieren, ob allein oder gemeinsam mit den Kindern.

Einfach anfangen - erste Worte:

Martina Janssens Wort-Ideen für einen einfachen Einstieg:

Ahoi • Moin • Be Happy!

Und wenn es etwas anspruchsvoller werden darf? Die Expertin empfiehlt zum Üben Panagramme. Das sind Sätze, die alle Buchstaben des Alphabets enthalten. Eines der bekanntesten lautet:

"The quick brown fox jumps over the lazy dog"

Experten-Bild

Unsere Expertin

Martina Johanna Janssen

... hat schon als kleines Mädchen gern gezeichnet. Im Studium begeisterte sie sich für das Thema Typografie. 2014 lebte die gebürtige Bremerin in Amsterdam und entdeckte dort das Handlettering – welches das Zeichnen mit der Typografie zusammenbringt. Sie war so fasziniert, dass sie es umgehend ausprobierte und fortan jede freie Minute übte. Seit 2017 bietet sie Handlettering-Workshops in ganz Deutschland an. 2018 erschien ihr Buch "Handlettering Alphabete Watercolor".

Mehr Informationen unter: lettering-by-mj.com

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei leben-und-erziehen.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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