Kolumne @elterntrickkiste

So erkennt ihr, ob euer Kind bereit für die Schule ist

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Heute erklärt Laura, woran ihr erkennt, ob euer Kind bereit für die Schule ist ...

Im Februar gibt es bei uns die Möglichkeit, die Kinder für die Einschulung im September anzumelden. Wie jedes Jahr kommen Eltern auf mich zu und sagen: "Kann der Jonas nicht schon im September eingeschult werden?" und wie immer muss man ganz individuell entscheiden, ob ein Kind eingeschult werden kann oder nicht.

Am Ende bleibt die Entscheidung bei den Eltern, denn wir ErzieherInnen haben bisher kein Recht dazu, zu entscheiden, ob ein Kind früher als "normal" bereit ist, für die Schule.

Viele Eltern denken, sie würden ihren Kindern einen Vorsprung verschaffen, denn wer früher in die Schule geht, macht auch früher den Abschluss ...

Aber ob das wirklich so ist?

Es gibt verschiedene Studien zu diesem Thema: Einige kommen zu der Erkenntnis, dass es besser ist und die Kinder sich im Kindergarten langweilen und ihr Wissen nicht effizient genutzt wird. Aber andere kommen zu der Erkenntnis, dass jüngere (und damit meist kleinere Kinder) mehr Druck aushalten müssen und öfter Ausgrenzung aufgrund der Körpergröße erfahren.

Ich war immer einer der Älteren in der Klasse, weil ich dank meinem Geburtstag im Dezember erst mit über sechs Jahren eingeschult wurde. Mein Schulkamerad aus der Grundschule war zum Beispiel immer einer der Kleinsten und der Jüngste in der Klasse, weil er im Juni Geburtstag hat. ⠀

Wie er sich in der Schule gefühlt hat? Weiß ich leider nicht. Aber was sicher ist: Joti hat was aus seinem Leben gemacht und ist der disziplinierteste Mensch, den ich in der Schule kannte. Während ich mit dem Stoff teilweise überfordert war, ist er mittags noch in die griechische Schule gegangen.

Was ich damit sagen möchte? Die Entscheidung muss komplett individuell getroffen werden und wie man sieht: Bei Joti wurde die Entscheidung komplett richtig getroffen. :)

Woran ihr die Schulfähigkeit eurer Kinder beurteilen könnt

Motorische Fähigkeiten

  • Gleichgewicht halten (z.B. auf dem Bordstein balancieren)
  • Werfen und Fangen eines Balles auf Distanz von zwei bis drei Metern (Größe eines Handballs)
  • Hüpfen auf einem Bein (fünf bis sechs Hüpfer)
  • Selbstständiges An- und Ausziehen
  • Sicherer Umgang mit Papier und Bleistift
  • Einhalten der Umrisse beim Ausmalen
  • Ausschneiden und Nachzeichnen von einfachen Figuren
  • Perlen auf Fäden auffädeln
  • Fahrrad fahren (ohne Stützräder)

Warum ist die Motorik so wichtig?

Bewegung und lernen werden als wichtiger und untrennbarer Baustein gesehen: Sind wir mal ehrlich, was hätten wir alle bisher gelernt, wenn wir immer noch in Bauchalge auf dem Boden liegen würden?

Kognitive Voraussetzungen: Sprache

  • Sprache bzw. Sprachverhalten
  • Gesprächsbereitschaft des Kindes
  • Gegenstände richtig benennen, z.B. Bilder in einem Bilderbuch
  • Spiel- und Handlungsanweisungen richtig verstehen
  • Sachverhalte erklären und darstellen
  • Fragen beantworten (Vor-/Nachname, Geschwister, Adresse, etc.)
  • Grammatikalisch richtig sprechen (z.B. Artikel und Satzbau)
  • Laute und Lautverbindungen richtig sprechen (z.B. Zungenbrecher nachsprechen)
  • Flüssiger Sprachrhythmus und angenehmes Sprechtempo

Kognitive Voraussetzungen: Mathematik

  • Zählen bis zehn
  • Simultane Mengenerfassung bis fünf
  • Mengenvergleiche bis zehn
  • Begriffe "mehr", "weniger", "die meisten" oder "gleich viele" bis zehn sicher anwenden
  • Ordnen von Mengen (z.B. nach Größe)

Aufmerksamkeit und Konzentration

  • Beschäftigung für mindestens zehn Minuten mit einer Sache, z.B. zuhören oder zusehen
  • Zielstrebiges Arbeiten bis zur Beendigung einer Aufgabe ohne Ablenkung von anderen Reizen

Psychischer Zustand

  • Ertragen von kleinen Misserfolgen
  • Psychische Stabilität
  • Angemessenes Selbstwertgefühl
  • Das Kind hat eine angemessene Frustrationstoleranz
  • Das Kind zeigt sichtlich Vorfreude auf die Schule und freut sich auf die neuen Erfahrungen

Wahrnehmung

  • Gute Seh- und Hörfähigkeit
  • Erkennen/Zuordnen von identischen Figuren (z.B. Memory)
  • Ordnen von Figuren/Gebilden nach Größe
  • Zusammenlegen von passenden Bildern/Teilen (z.B. Puzzle)
  • Abzeichnen/Nachlegen einer Figur nach Form und Lage
  • Unterscheiden und Benennen/Zuordnen von Geräuschen

Denkfähigkeit und Kenntnisse

  • Ergänzen von Mustern
  • Ordnen von Gegenständen (z.B. nach Form und Farbe)
  • altersgemäßer aktiver/passiver Wortschatz
  • Erkennen und Benennen der Grundfarben/Formen
  • Freies Erzählen einer Bildergeschichte

Gedächtnis und Merkfähigkeit

  • Widererkennen von Bildern/Figuren (z.B. Memory)
  • Lieder, Reime, Gedichte merken
  • Nachsprechen von zweizeiligen Versehn, vier Begriffen oder Zahlen
  • Merken von kleineren Arbeitsaufträgen und Anweisungen

Leistungs- und Arbeitsverhalten

  • Sorgfältiges Arbeiten (z.B. beim Ausmalen)
  • Interesse für Spiel- und Lernangebote
  • Abschließen von Arbeiten
  • Zielstrebiges Vorgehen beim Malen/Basteln
  • Ausgeglichenheit auch nach längerer Konzentrationszeit
  • Durchhaltevermögen und Ausdauer bei Spiel und Arbeit
  • Kann sich selbst für Dinge motivieren, die es nicht gerne macht

Warum ist Kognition so wichtig?

Informationen wahrzunehmen, zu verarbeiten und anschließend zu lernen, ist eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Mensch hat. Nur dadurch ist es möglich, durch intrinsische Motivation Wissen zu erwerben. Deshalb ist Kognition einer der wichtigsten (wenn nicht sogar der wichtigste) Baustein für den Schulstart.

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Dass Pädagogik alles andere als langweilig ist, zeigt Laura (26, aus Baden-Würtemberg) als @elterntrickkiste auf Instagram. Hier gibt sie hilfreiche Tipps rund um die Themen Kinder und Erziehung.

Laura auf Instagram: instagram.com/elterntrickkiste/

Lauras Website: elterntrickkiste.de

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