Schulfähigkeit einschätzen

Schulreife: So erkennt ihr, ob euer Kind bereit für die Schule ist

Ob ein Kind bereit für die Schule ist und vielleicht sogar schon mit fünf Jahren eingeschult werden kann, lässt sich anhand verschiedener Punkte gut einschätzen. Pädagogin Laura erklärt, worauf es ankommt.

Wenn es Zeit für die Anmeldungen zur Schule wird, kommen jedes Jahr viele Eltern auf mich zu und fragen: "Kann mein Kind nicht schon im September eingeschult werden?" Und wie immer muss man ganz individuell entscheiden, ob ein Kind eingeschult werden kann oder nicht. Am Ende liegt die Entscheidung bei den Eltern, denn wir als Kita-Personal haben bisher kein Recht dazu, zu entscheiden, ob ein Kind bereit ist für die Schule.

Schulreife mit 5?

Viele Eltern denken, sie würden ihren Kindern einen Vorsprung verschaffen, wenn sie früher eingeschult werden. Schließlich erreichen sie dann auch früher einen Abschluss. Doch ist das wirklich so?

Es gibt verschiedene Studien zu diesem Thema: Einige kommen zu der Erkenntnis, dass es besser ist und die Kinder sich im Kindergarten langweilen und ihr Wissen nicht effizient genutzt wird. Andere hingegen haben ermittelt, dass jüngere (und damit meist kleinere Kinder) mehr Druck aushalten müssen und öfter aufgrund der Körpergröße Ausgrenzung durch andere Kinder erfahren.

Die Entscheidung, ob ein Kind mit fünf oder sechs (oder gar sieben) Jahren eingeschult wird, muss also stets individuell getroffen werden. Das Kita-Personal kann dabei beratend zur Seite stehen, viele Bundesländer haben dies ohnehin fest geregelt: In Hamburg gibt es beispielweise für jedes Kind die Viereinhalbjährigen-Gespräche.

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Woran ihr die Schulfähigkeit eurer Kinder beurteilen könnt

Darüber hinaus gibt es einige Anhaltspunkte, anhand derer ihr als Eltern die Schulreife eures Kindes besser einschätzen könnt. Folgende Fähigkeiten sollte es zum Eintritt in die erste Klasse beherrschen.

Wichtig: Auch hier gilt, jedes Kind ist individuell. Es handelt sich um Richtwerte, Kinder beherrschen zur Einschulung andere Fähigkeiten besser oder schlechter und hegen unterschiedliche Interessen.

Motorische Fähigkeiten für die Schulreife

  • Gleichgewicht halten (z.B. auf dem Bordstein balancieren)
  • Werfen und Fangen eines Balles auf Distanz von zwei bis drei Metern (Größe eines Handballs)
  • Hüpfen auf einem Bein (fünf bis sechs Hüpfer)
  • Selbstständiges An- und Ausziehen
  • Sicherer Umgang mit Papier und Bleistift
  • Einhalten der Umrisse beim Ausmalen
  • Ausschneiden und Nachzeichnen von einfachen Figuren
  • Perlen auf Fäden auffädeln
  • Fahrrad fahren (ohne Stützräder)

Kognitive Voraussetzungen für die Schulreife

Sprachliche Fähigkeiten

  • Sprache bzw. Sprachverhalten
  • Gesprächsbereitschaft des Kindes
  • Gegenstände richtig benennen, z.B. Bilder in einem Bilderbuch
  • Spiel- und Handlungsanweisungen richtig verstehen
  • Sachverhalte erklären und darstellen
  • Fragen beantworten (Vor-/Nachname, Geschwister, Adresse, etc.)
  • Grammatikalisch richtig sprechen (z.B. Artikel und Satzbau)
  • Laute und Lautverbindungen richtig sprechen (z.B. Zungenbrecher nachsprechen)
  • Flüssiger Sprachrhythmus und angenehmes Sprechtempo

Mathematische Fähigkeiten

  • Zählen bis zehn
  • Simultane Mengenerfassung bis fünf
  • Mengenvergleiche bis zehn
  • Begriffe "mehr", "weniger", "die meisten" oder "gleich viele" bis zehn sicher anwenden
  • Ordnen von Mengen (z.B. nach Größe)

Aufmerksamkeit und Konzentration

  • Beschäftigung für mindestens zehn Minuten mit einer Sache, z.B. zuhören oder zusehen
  • Zielstrebiges Arbeiten bis zur Beendigung einer Aufgabe ohne Ablenkung von anderen Reizen

Psychischer Zustand

  • Ertragen von kleinen Misserfolgen
  • Psychische Stabilität
  • Angemessenes Selbstwertgefühl
  • Das Kind hat eine angemessene Frustrationstoleranz
  • Das Kind zeigt sichtlich Vorfreude auf die Schule und freut sich auf die neuen Erfahrungen

Wahrnehmung

  • Gute Seh- und Hörfähigkeit
  • Erkennen und Zuordnen von identischen Figuren (z.B. Memory)
  • Ordnen von Figuren/Gebilden nach Größe
  • Zusammenlegen von passenden Bildern/Teilen (z.B. Puzzle)
  • Abzeichnen/Nachlegen einer Figur nach Form und Lage
  • Unterscheiden und Benennen/Zuordnen von Geräuschen

Denkfähigkeit und Kenntnisse

  • Ergänzen von Mustern
  • Ordnen von Gegenständen (z.B. nach Form und Farbe)
  • altersgemäßer aktiver und passiver Wortschatz
  • Erkennen und Benennen der Grundfarben und -Formen
  • Freies Erzählen einer Bildergeschichte

Gedächtnis und Merkfähigkeit

  • Widererkennen von Bildern/Figuren (z.B. Memory)
  • Lieder, Reime, Gedichte merken
  • Nachsprechen von zweizeiligen Versen, vier Begriffen oder Zahlen
  • Merken von kleineren Arbeitsaufträgen und Anweisungen

Leistungs- und Arbeitsverhalten

  • Sorgfältiges Arbeiten (z.B. beim Ausmalen)
  • Interesse für Spiel- und Lernangebote
  • Abschließen von Arbeiten
  • Zielstrebiges Vorgehen beim Malen und Basteln
  • Ausgeglichenheit auch nach längerer Konzentrationszeit
  • Durchhaltevermögen und Ausdauer bei Spiel und Arbeit
  • Kann sich selbst für Dinge motivieren, die es nicht gerne macht

Dass Pädagogik alles andere als langweilig ist, zeigt Laura (26, aus Baden-Würtemberg) als @elterntrickkiste auf Instagram. Hier gibt sie hilfreiche Tipps rund um die Themen Kinder und Erziehung.

Laura auf Instagram: instagram.com/elterntrickkiste/

Lauras Website: elterntrickkiste.de

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