Abnehmtipps für Kinder

Hilfe, mein Kind ist übergewichtig!

Zwei Millionen Kinder in Deutschland sind übergewichtig. Und es werden immer mehr. Unsere Autorin Jasmine hat Abnehmtipps für die Kleinen zusammengestellt, die ganz ohne (!) Diät und Druck helfen.

Immer mehr Kinder leiden in Deutschland unter Übergewicht – auch durch Corona!

"Zwei Millionen Kinder in Deutschland sind übergewichtig, davon 800.000 adipös. Adipositas unter den Jüngsten nimmt in den letzten Monaten unter der Corona-Pandemie schleichend, aber stetig zu ..." heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) und der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG). Das bedeutet: Von insgesamt knapp 14 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland haben rund 15 Prozent Übergewicht.

Was aber tun, wenn das eigene Kind unter dem Zuviel an Kilos leidet? So viel vorab: eine gesunde Ernährung und etwas Sport helfen, die Fettverbrennung anzukurbeln und Pfunde purzeln zu lassen. Aber vor allem auch viel Einfühlungsvermögen und so wenig Druck wie möglich. 

Ab wann spricht man bei Kindern von Übergewicht?

Ob dein Kind unter Übergewicht oder sogar Adipositas leidet, solltest du zusammen mit eurem Kinderarzt klären. Er wird mit Hilfe der BMI-Berechnungen (Körpergewicht durch KörpergrößexKörpergröße) ermitteln, ob für dein Kind Handlungsbedarf besteht. Ein erster Hinweis könnte der BMI-Rechner der DAG liefern. Hier kannst du die Daten selbst eintragen.

Ursachen für Übergewicht bei Kindern

Eine Hauptursache für Übergewicht bei Kindern ist zu wenig Bewegung und gleichzeitige Aufnahme sehr energiereicher Nahrung. (Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens eine Stunde Bewegung pro Tag für Kinder Jugendliche. Schaffen deine Kleinen das?) Begünstigt wird diese Lebensweise von elektronischen Geräten, mit denen sich Kinder heutzutage beschäftigen: sei es das Smartphone, der Computer oder die Konsole. Sie halten das Kind zu Hause und verhindern eine ausreichende Bewegung. Nicht zuletzt hat auch die Corona-Pandemie durch geschlossene Schulen, Kitas und Sportstätten diese Entwicklung verstärkt. 

In einigen Fällen spielt auch die genetische Veranlagung eine Rolle – doch selbst dann lassen sich schwerwiegende Folgen von Übergewicht im Kindesalter durch einen gesunden Lebenswandel abwenden. 

Fakt: Nimmt dein Kind zu viel Energie auf, sei es durch einseitige und ungesunde Nahrung oder durch zu große Essensportionen, und bewegt es sich im Alltag zu wenig, kann der Körper die Energie nicht abbauen – und verwandelt sie in Fett.

Folgen von kindlichem Übergewicht

Natürlich gibt es ihn: den Babyspeck. Bei vielen Kindern verschwindet er von selbst, durch Wachstum und durch mehr Bewegung. Hat dein Baby also etwas mehr auf den Rippen, bedeutet es nicht gleich, dass es auch als älteres Kind oder als Jugendlicher dick sein wird.

Hat dein Kind aber auch im Grundschulalter noch mit Übergewicht zu kämpfen, ist es sinnvoll, Essgewohnheiten und Lebensweise zu hinterfragen. Übergewicht kann bei Kindern schwerwiegende Folgen haben und für langfristige gesundheitliche Probleme sorgen:

  • So werden die bei Kindern noch weichen Knochen und Gelenke durch zu viel Körpermasse sehr strapaziert und können sich dauerhaft verformen.
  • Hinzu kommen Haltungsschäden...
  • ... Kreislaufprobleme ...
  • ... Stoffwechselstörungen ...
  • ... unter Umständen sogar kindliche Depressionen.
  • Auch schwerwiegende Erkrankungen wie Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck können Folgen von kindlichem Übergewicht sein.
  • Im Erwachsenenalter kommen das höhere Risiko von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Krebs bei übergewichtigeren Personen hinzu. 

Wie können Eltern ihre Kinder beim Abnehmen unterstützen?

Auch wenn du bemerkt hast, dass dein Kind zu viele Kilos am Körper trägt, setze bitte deine Tochter oder deinen Sohn auf keinen Fall auf eine plötzliche Diät. Kinder befinden sich noch im Wachstum und benötigen genügend Vitamine und Mineralstoffe für ihre Entwicklung. Eine einschneidende, extreme Essensrationierung wäre also nur kontraproduktiv.

Stattdessen solltest du deinem Kind abwechslungsreiche und vollwertige Nahrung zu essen geben: viel Obst und Gemüse, Vollkorn, eiweißreiche Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Fisch und helles Fleisch, weniger Süßigkeiten. Du kannst auch darauf achten, die Zufuhr von Kohlenhydraten etwas zu verringern – vor allem in Form von Weißmehl und zuckerhaltigen Speisen.

Dein Kind sollte außerdem einen Sport betreiben, der ihm Spaß macht und der den Stoffwechsel ankurbelt. Frei nach dem Motto "Zusammen ist man weniger allein" könnt ihr doch mal wieder zusammen Fahrrad oder Fußball auf der Wiese spielen. Eltern sind immer DAS Vorbild für Kinder. 

Auch neue Hobbys bewegen Kinder dazu, ihr Leben aktiver zu gestalten. Wenn sie rausgehen, die Welt entdecken und neue Menschen kennenlernen, wird dem Thema "Essen" bald gar keine so große Bedeutung mehr zugemessen.

Natürlich solltest du auch stets darauf achten, dass deine Tochter oder dein Sohn genügend Flüssigkeit zu sich nimmt. Achte allerdings auf möglichst zuckerfreie Getränke, wie beispielsweise Wasser und ungesüßten Tee, anstatt deinem Kind Zuckerbomben wie Limonaden und Eistee zu geben.

Motiviere dein Kind zum gesunden Abnehmen. Erkläre ihm die Folgen von Übergewicht und wie ihr gemeinsam dagegen angehen könnt. Versuche allerdings, keinen Druck aufzubauen, da es sich sonst zurückziehen könnte oder aus Trotz noch mehr isst. Mach ihm bewusst, dass es beim Abnehmen nicht um seine Person geht, sondern nur um seine Gesundheit.

Vor allem sollten Eltern im Fall eines übergewichtigen Kindes am selben Strang ziehen und sich selbst ein Beispiel an ihren Ratschlägen nehmen.

Weitere Abnehmtipps für Kinder

  1. Die Eltern gehen mit gutem Beispiel voran. Vermeide, mit zweierlei Maß zu messen. Es ist unglaubwürdig, deinem Kind Süßigkeiten zu verbieten, selbst aber heimlich zu naschen.
  2. Versuche Mahlzeiten so oft wie möglich gemeinsam einzunehmen. An einem liebevoll gedeckten Tisch sitzen, über das Erlebte sprechen, das wirkt wie ein Anker in der Hektik des Alltags.
  3. Kleine Teller = kleine Portionen. Bei Tisch kommt nur eine kleine Portion auf den Teller. Haben die Kleinen dann noch Hunger, dürfen sie sich einen Nachschlag nehmen.
  4. Auf dein Kind hören. Kleinkinder spüren genau, wann sie genug gegessen haben. Werden sie gedrängt, den Teller leer zu essen, obwohl sie satt sind, verlieren sie ihr natürliches Gefühl für Hunger und Sättigung und werden übergewichtig.
  5. Vor dem Essen trinken. Ein Glas Mineralwasser vor dem Essen bremst den Hunger und füllt den Magen. Und auch während der Mahlzeit gehören Wasser oder stark verdünnte Saftschorlen selbstverständlich dazu.
  6. Keine Ablenkung am Esstisch. Langsam und ungestört essen: Ablenkungen durch Fernseher, Smartphone oder ein Spielzeug vermeiden. Und die Mahlzeit ruhig mal in die Länge ziehen, denn erst nach 15 bis 20 Minuten signalisiert der Magen, dass er voll ist.
  7. Snacks zwischendurch sollten nicht sein. Hat dein Kind mal keinen Hunger, darf es ausnahmsweise eine Mahlzeit ausfallen lassen. Aber: Dann muss es die nächste reguläre Mahlzeit abwarten und darf sich zwischendurch nicht einfach am Kühlschrank bedienen.
  8. Essen ist kein Tröster. Streit mit der Kita-Freundin, ein aufgeschlagenes Knie? Süßigkeiten sind zwar gute Trostpflaster, bahnen aber auch den Weg zu Kummerspeck. Und können dann später als Erwachsene ein gelerntes Muster bei Stress oder Kummer sein.
  9. Süßigkeiten genau zuteilen. Bringen die Großeltern oder Freunde Süßes für die Kleinen mit, wandern die in die Naschdose. Das Kind darf dann eine vorher vereinbarte Portion herausnehmen. Wichtig: Süßes darf nicht verboten werden, sonst wird es zu wichtig.
  10. Erstmal ist alles erlaubt. Dein Kind darf alles essen – es kommt nur auf die Menge und die Kombination an. Ausnahme: wenn der Arzt ein Lebensmittel untersagt hat.

Aufgepasst: Fettfallen vermeiden

Fischstäbchen: Paniertes wie in Fett-Ausgebackenes steht oben auf der Wunschliste bei den Kleinen. Ein paniertes 150 g-Schnitzel bringt es auf satte 12 g Fett, ohne Panade, also naturgebraten, nur 3 g.

Pommes: Sie sind das Lieblingsgericht der meisten Kinder schlechthin. Vielleicht liegt es daran, dass sie so gut mit Fingern gegessen werden können. Die Kartoffelstäbchen sollten trotzdem möglichst selten auf den Tisch kommen – und dann statt in der Fritteuse alternativ im Backofen zubereiten.

Autorin: Jasmine Barendt

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