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Bioträume werden wahr

Bio Bio

Zu teuer, zu umständlich und die Kinder mögen’s doch nicht? Obwohl die meisten Eltern sich Bio-Ernährung für ihre Kids wünschen, bringen sie die gesündesten Lebensmittel selten auf den Tisch. KiNDER-Autorin Angela Murr erklärt, wie man das öfters schafft.

Mittwochmorgen Viertel nach acht im Hamburger Bezirk St. Pauli: In der Küche der Kita Gerritstraße ist ganz schön was los. Fabian (3) kurbelt an der Flockenquetsche, Luisa (5) und Lars (4) schnippeln Äpfel. Heute gibt’s Müsli zum Frühstück und zusammen mit Köchin Alexa Bergerhoff füllen die Kids die frisch gequetschten Hirseflocken, Äpfel, Nüsse und Rosinen in Schüsseln.

Mit Luisa und den Jungs hat die Kita-Köchin routinierte Helfer im Schlepptau. „Die Kinder in der Küche mithelfen zu lassen, wenn sie mögen, gehört bei uns zum Konzept. So wird gesunde Ernährung und ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln ganz selbstverständlich.“

Vollwertig vom Frühstück bis zum Nachmittagssnack

Überhaupt wird in der Hamburger Kita Ernährung groß geschrieben:  Alle Mahlzeiten – vom Frühstück bis zum Nachmittagssnack – sind vollwertig, naturbelassen und 100 Prozent Bio. Ein Trend, der immer mehr Kitas und Schulen erfasst.
Wen wundert’s in Zeiten von  Lebensmittelskandalen, Zivilisationskrankheiten und mehr und mehr  übergewichtigen Kindern. „Meist sind es die Eltern, die mehr Bio in ihrer Kita fordern“, sagt Iris Lange, Ernährungswissenschaftlerin vom Hamburger Ökomarkt e. V. „Bei uns lassen sich die Kindertagesstätten dann beraten, wie man trotz knappem Budget mehr Bio in den  Speiseplan aufnehmen kann.“

Der Ökomarkt Verein gibt Tipps rund ums Thema Bio und organisiert Schnuppertage für Kita-Gruppen und Schulklassen auf Bio-Betrieben – mit steigender Nachfrage. Bio ist eben in – trotz Wirtschaftskrise. Laut Ökobarometer 2008 greift jeder zweite Deutsche ab und zu, und jeder fünfte sogar häufig zu Bio-Produkten.

Bio ist teurer, aber dafür auch gesünder 

Warum sind immer mehr von Bio überzeugt? Denn zugegeben, ein bisschen aufwändiger ist die Bio-Küche schon und sie kostet einiges mehr. Aber Bio-Obst und -Gemüse sind gesünder, weil sie wenig mit Schadstoffen belastet und außerdem nährstoffreicher sind. Die  Lebensmittel werden schonend verarbeitet, Zusatzstoffe wie künstliche Aromen und Geschmacksverstärker sind nach den Bio-Richtlinien verboten.

Davon profitieren besonders Kinder: Sie entwickeln seltener Lebensmittelunverträglichkeiten und Übergewicht, der Geschmackssinn bleibt feiner. Und: Der ökologische Landbau schont die Umwelt und leistet einen Beitrag zum Tierschutz. Daneben zählt für Alexa Bergerhoff vor allem: „Bio schmeckt besser. Probieren Sie mal eine Bio-Möhre oder einen -Apfel – kein Vergleich zu denen aus dem Supermarkt.“

Einstieg mit Pizza, Burger und gefälschten Pommes

Bio gab es in der Kita Gerritstraße nicht von Anfang an: „Wir haben vor zehn Jahren umgestellt. Das ging so nach und nach, angefangen mit  Eiern, Brot und Milch, bis hin zu ganzen Gerichten“, erklärt Köchin Alexa Bergerhoff. Denn die meisten Gerichte, die Kinder mögen, lassen sich zum Glück in der Bio-Vollwert-Variante zubereiten: Pizza, vegetarischer Burger, Lasagne, Nudeln in Tomatensoße oder Ofenkartoffeln, die wie Pommes aussehen.

Auch Iris Lange vom Ökomarkt e. V. hält es für sinnvoll, Bio-Ernährung Schritt für Schritt einzuführen – und bei den Lieblingsspeisen der Kleinen anzufangen: „Mit Grünkernbratling und Rosenkohl ködert Mama ihre Sprösslinge sicher nicht. Ist der Pizzaboden aber mal aus Dinkelmehl oder die Tomatensoße mit reingeriebenen Bio-Möhren, wird das bestimmt gegessen.“

Um den Kindern Lust auf Bio zu machen, ist das Vorbild der Eltern wichtig: „Kinder sind neugierig und wollen das machen, was die Großen tun. Kochen macht den meisten Kindern Spaß, und wenn Eltern in der Küche stehen und Leckeres zubereiten, dann werden sich die Kinder dafür auch begeistern. Also die Kinder ranlassen an den Herd, das bringt sie auf den Geschmack“, sagt die Ernährungsexpertin.

Clever kalkuliert wird’s finanzierbar

Weil in der Hamburger Kita clever kalkuliert wird, zahlen Eltern für einen Kita-Platz auch nicht mehr als anderswo. Denn trotz hochpreisiger Bio-Qualität kann man sparen – auch im Privathaushalt: „Bio-Einsteiger fangen am besten mit Obst, Gemüse, Getreide, Nudeln oder Kartoffeln an. Hier ist die Preisspanne nicht so groß. Wer saisonale und regionale Lebensmittel kauft, kommt noch günstiger weg“, erklärt Iris Lange. Bio-Erdbeeren beispielsweise sind im Juni billiger als die konventionell angebauten im März. Welche Obst- und Gemüsesorten gerade Saison haben, kann man in einem Saisonkalender im Internet nachschauen.

Bio-Fleisch ist fast doppelt so teuer wie konventionelles. Also entweder weniger Fleischgerichte kochen oder Fleischportionen verkleinern und den Rest mit Gemüse auffüllen. Außerdem rät Iris Lange „Es lohnt sich, direkt am Hof einzukaufen, da fällt der Zwischenhändler weg. Oder ein Abo Kistensystem zu nutzen.Hier werden Lebensmittel auf Bestellung direkt vom Hof geliefert, verkauft wird vor allem, was gerade Saison hat“.

Auch Großeinkäufe, zum Beispiel Gemeinschaftsbestellungen mit Freunden, kommen günstiger. Dann gibt es noch das preiswerte Bio-Angebot bei den Discountern. Das ist laut Iris Lange gar nicht mal schlecht und alles geprüfte Bio-Qualität. Und: „Wer als Discounter-Käufer auch mal zu Bio greift, hat schon den ersten Schritt gemacht“, freut sich Lange.

Vollwertige Naschereien für Schleckermäuler

Aber Achtung, nicht täuschen lassen: Ein Bio-Aufkleber macht Lebensmittel nicht automatisch gesund. Bio-Fertiggerichte, -Chips und -Süßigkeiten können trotzdem Kalorienbomben sein – wenn auch Bio. „Bio-Gummibärchen schmecken natürlicher, weil sie mit Fruchtsaft hergestellt werden, sind aber keine Alternative zu Obst“, sagt Ernährungsexpertin Lange.

Naschereien müssen nicht total verboten werden, aber auch hier gilt: Weniger ist mehr. Ein kleiner Schokoriegel oder eine Handvoll Gummibärchen am Tag sind völlig okay. Und: Kuchen, Kekse oder Nachspeisen gibt’s auch vollwertig – gesüßt mit Honig oder Agavendicksaft.

Auf diese Vollkornköstlichkeiten schwört Alexa Bergerhoff: „Kekse backen gehört bei uns zum Programm, die Nusstaler und Plätzchen sind bei den Kids heiß begehrt.“ Genauso wie ein freier Kita-Platz in der Gerritstraße – die Wartelisten sind lang.


 
Worauf sollte man beim Einkauf achten?
    •    Auf das Bio-Siegel der EU
    •    Auf Logos der acht ökologischen Anbauverbände
    •    Biokreis, Bioland, Biopark, Demeter, Ecovin, Gäa, Naturland, Ökosiegel
    •    Auf den vorgeschriebenen Kontrollstellencode für Bio-Produkte, zum Beispiel „DE-0XX-
         Öko-Kontrollstelle”
    •    Auf geschützte Begriffe wie „Bio”, „Öko”, „kontrolliert ökologisch”, „biologisch-dynamisch”,
         „biologisch-organisch”
    •    Achtung: Bezeichnungen wie „Naturnah”, „Umweltschonender Anbau“, „Aus Freilandhaltung”
         liefern keine Bio-Qualität


 
Experten-Tipps: So schmeckt Kindern Bio
    •    Wenn kleine Köche Mitspracherecht beim kulinarischen Wochenplan haben, schmeckt es ihnen
          besser
    •    Zusammen einkaufen; mit einem Ausflug auf den Bio-Bauernhof verbinden
    •    Zusammen kochen, probieren, Tisch decken
    •    Nicht den Gesundheitswert, sondern den leckeren Geschmack hervorheben
    •    Gemüsemuffeln leicht süß schmeckende Sorten wie Möhren, Erbsen oder Mais servieren
    •    Vorbild sein: keine Bio-Extrawurst für die Kids braten, alle bekommen das Gleiche
    •    Kräuter oder Gemüse im Garten oder auf dem Balkon gemeinsam anpflanzen und ernten
    •    das Kind entscheiden lassen, was und wie viel es essen möchte. Ruhig bleiben, keinen Druck
         ausüben – und auch keine Erpressungsversuche (wenn du jetzt das Vollkornbrot isst, gibt’s
         nachher ein Eis).

 

Buch-Tipp:Helma Danner, „Das Bio-Kochbuch für Kinder“, Ullstein, 9,95 Euro.


Mehr Bio gibt’s im Netz unter www.oekomarkt-hamburg.de, www.oekolandbau.de/kinder, www.naturkost.de

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