Selbermachen und Nachahmen

So lernen kleine Kinder richtig essen

Richtige Kinderernährung ist gar nicht so einfach: Darf ein Kleinkind bei Tisch seinen Kopf durchsetzen? Oder wissen die Eltern besser, was gut ist? Ein paar Tipps, damit Mahlzeiten nicht zu Qualzeiten werden.

Aller Anfang ist schwer. Für genussvolles und gesundes Essen ist eine entspannte, harmonische Atmosphäre Voraussetzung. Schließlich soll Essen gut schmecken und Spaß machen. Mit etwa einem Jahr sollte euer Kind mit am Tisch sitzen. Denn schon jetzt entdecken die Kleinen die angebotene Vielfalt der Lebensmittel und schauen sich Tischregeln für später ab. Früh übt sich: Lasst euer Kind auch schon ab der Beikostzeit alleine essen. Bis es richtig mit Besteck umgehen kann, dauert es. Jetzt helfen gekochte Nudeln, Möhren oder Brotstücke zum Aufpicken.

Kinder auf keinen Fall zum Essen zwingen

"Komm, noch einen Löffel für Mama!" Kinder reagieren oft mit Zurückweisung darauf, wenn ihnen etwas aufgezwungen wird. Das beste Mittel, Kinder im Beikostalter an gesundes Essen heranzuführen, ist, es ihnen gut vorzuleben. Wenn Mama und Papa selbst ausgewogen und vielseitig essen und aufhören, wenn sie satt sind, übernehmen kleine Kinder das als Normalität. Allerdings ist es wichtig, die Kleinen immer wieder dazu zu motivieren, etwas Neues zu probieren. 

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Wenn Kleinkinder nicht essen wollen ...

... sollten Eltern geduldig sein. Euer Kind entscheidet instinktiv selber, wie viel und wovon es isst. So wie euer Kind lernt, den Eltern zu vertrauen, müssen Mama und Papa es umgekehrt auch. Keine Sorge also, wenn euer Kind mal isst wie ein Spatz. Hilfreich sind Mahlzeiten zu festen Zeiten. Und wenn der Teller schön angerichtet ist, macht Essen gleich viel mehr Spaß: Ein lustiges Clownsgesicht aus rohen Möhren-, Paprika- und Kohlrabistücken regt Appetit und gute Laune an! 

Die beste Zutat: Gelassenheit

"Auch einfache Gerichte können gesundheitsfördernd sein und schmecken. Als wichtigste Zutat für alle Rezepte empfehle ich Gelassenheit. Für eine ausgewogene Ernährung ist nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit notwendig", rät Dr. Kiran Virmani, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Gerade in einer Krisenzeit wie durch die Corona-Pandemie gilt es, mit dem zu kochen, was Laden und Vorräte hergeben. Da ist auch mal ein Gläschen oder eine Milchersatznahrung richtig.

Essen muss positiv besetzt sein

Essprobleme fußen oft auf einer unangenehmen Erfahrung. Vermeidet, bei eurem Kind Essen als Belohnung oder Strafe einzusetzen. Und ein Dessert darf auch mal sein, selbst wenn das Gemüse nicht aufgegessen wurde. Damit es bei Tisch von Anfang an klappt, braucht es Regeln und Rituale, die für alle gelten. Motivieren und bestärken ist ebenso wichtig wie mithelfen und ausprobieren, Vorbild zu sein und Spaß zu haben. Schließlich macht auch beim Essen Übung den Meister! 

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Unsere Expertin:

Elke Grimpe, seit 20 Jahren Ökotrophologin, Fachberaterin für Vollwert-Ernährung (UGB), vegane Ernährung (UGB) und Coach. Mehr Infos: gourmetrea.de

Interview mit Ökotrophologin Elke Grimpe: So lernen Kleinkinder richtig essen

Darf mein Kleinkind selbst bestimmen, was es isst? 

Als Eltern gibt man mit einer Lebensmittelauswahl auf dem Tisch den Rahmen vor. Daraus darf das Kind auswählen. Ist nichts "Essbares" dabei, darf es gern auf Gemüsestücke zurückgreifen und bis zur nächsten Mahlzeit warten. Bitte keine Extrawürste für Kinder, das ist sehr stressvoll für Eltern und kann dazu beitragen, dass es bei Tisch kleine Diktatoren gibt.

Pommes und Zucker – wie viel ist noch okay?

Nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist eine Handvoll Pommes oder Süßigkeiten pro Tag okay. Hilfreich sind kleine Rituale, in denen Süßigkeiten gemeinsam verzehrt werden. Solange in Streifen geschnittene rohe Gemüse Steckrüben-, Kohlrabi- und Möhrenpommes heißen, werden sie gern verzehrt.

Wie bringe ich meinem Kind bei, Gesundes zu mögen?

Indem Eltern es mit Genuss vorleben und eine ausgewogene Lebensmittelauswahl einkaufen. Kleinkinder mögen rohes Gemüse häufig lieber als gekochtes. Statt Mischgemüse: Kinder brauchen zum Kennenlernen noch den reinen Geschmack eines Gemüses. Das Mundgefühl jeder Möhrenzubereitung ist jedes Mal anders, und es braucht etwa zehn bis 15 Kontakte zu etwas Neuem, bis wir es mögen.

Wie motiviere ich mein Kind, Neues zu probieren?

Ich schaffe eine Atmosphäre, die die Kinder neugierig macht und in der sie mit Begeisterung Lebensmittel mit den Sinnen kennenlernen können. Eltern, die gerne essen, sprechen viel und positiv darüber. Bei Verwandten oder Freunden fällt es oft viel leichter, Neues zu probieren, da die Mahlzeiten in anderen Räumen und entspannter Atmosphäre stattfinden. 

Wie sieht die richtige "Mischung" aus, die mein Kind auch mag?

Grundsätzlich sollten mehr gesundheitsförderliche Lebensmittel wie Gemüse und Proteine im Angebot sein. So lernen die Kinder sie früh kennen und wachsen selbstverständlich damit auf. Mögen kann je nach Entwicklungsstadium auch mal in Nichtmögen umschlagen. Dann einfach mal längere Zeit aussetzen und wieder in den Speiseplan aufnehmen.

Muss mein Kind aufessen?

Nein. Kleinkinder haben einen angeborenen Hunger-Sättigungs-Mechanismus. Sie essen immer genau so viel, wie der Körper es gerade braucht. Daraus können sich erhebliche Schwankungen in der Menge ergeben. Vor einem Entwicklungsschub werden große Mengen verzehrt, danach reichen dem Kind manchmal auch zwei Bissen Brot. Also nicht mit Druck versuchen, das Kind zum Aufessen zu bewegen.

Wie wichtig ist zu Hause das gemeinsame Essen am Tisch?

Das ist elementar. Kinder brauchen die Erwachsenen zum Abgucken der Lebensmittelauswahl und der Esstechniken. Wichtige Regeln für die Tischgemeinschaft: keinerlei Medien, ausreichend Zeit zum Essen, eine entspannte Atmosphäre, Gespräche über oder zum Essen. Und: Kleinkinder helfen gern in der Küche und beim Decken. Sie einzubeziehen hebt die Stimmung und lässt sie "groß" sein.

Was ist Ihrer Meinung nach noch wichtig für Kinder bei Tisch zu lernen?

Die Kompetenzen der Kleinkinder bei Tisch sind ihr Hunger-/Sättigungsgefühl und eine sehr feine Geschmackswahrnehmung. Daher mild würzen und für Eltern extra Salzstreuer auf den Tisch stellen zum individuellen Abschmecken. In Schüsseln servieren zeigt den Kindern, dass alle am Tisch die gleichen Speisen verzehren.

Welche Tipps haben Sie sonst noch für ausgewogene, einfach umzusetzende Gerichte in der Beikostzeit?

Die Zutaten immer sauber getrennt und gut sichtbar auf dem Teller platzieren. Auflauf mit maximal einem Gemüse zubereiten. Gemüsemischungen einfach pürieren und als Suppe oder Soße zu Nudeln anbieten. Darin kann dann alles versteckt werden, was nicht schmeckt!

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Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

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