Schoki, Gummibärchen, Kekse...

Kinder und Süßigkeiten – dürfen unsere Kleinen jeden Tag naschen?

Bei den Großeltern, bei Freunden, in der Kita – vor allem jetzt in der Vorweihnachtszeit gibt’s überall Süßigkeiten. Klar wissen wir, dass die nicht gerade gesund sind. Aber wie viel ist noch okay? Wir haben Eltern gefragt, wie sie den Zuckerkonsum ihrer Kids managen und bei einer Ernährungsexpertin nachgehakt.

Lebkuchen, gebrannte Mandeln oder Schokoweihnachtsmänner. In der Adventszeit sind all diese Leckereien in rauen Mengen und überall zu haben. Und auch im restlichen Jahr addieren sich Geburtstagskuchen, Omas Naschereien und das bisschen Süß zwischendurch ganz rasant. Doch wie viel davon darf im Magen unserer Kinder landen? Diese Frage sorgt bei den meisten Eltern für Kopfzerbrechen. Zu viel Zucker macht doch süchtig und dick, verursacht Karies und fördert Krankheiten wie Diabetes. Deshalb strengen wir uns an, den eigenen Nachwuchs möglichst lange zuckerfrei zu ernähren.

Kinder spüren Hunger und Sättigung sehr genau

Doch spätestens in der ersten, bewussten Weihnachtszeit der Minis ist mit dem "Zuckerverbot" Schluss. Denn: Im Supermarkt, im Kindergarten, bei Opa und Oma – überall lauern die klebrigen Verlockungen. Und das ist gar nicht so schlimm. Denn die Buchautorin Julia Litschko rät dazu, dem Bauchgefühl des Nachwuchses zu vertrauen. "Kinder kommen mit einem intakten inneren Ernährungskompass zur Welt. Sie spüren Hunger und Sättigung sehr genau", sagt die Mutter eines Sohnes im Grundschulalter. Je älter sie werden, umso mehr entwickeln sie ein Gefühl dafür, was ihnen schmeckt, wann sie satt sind und wie viel Zucker ihnen guttut. Die Expertin rät: "Wichtig ist dabei, dass Kinder vielfältige Lebensmittel kennenlernen, und wir als Eltern unseren Fokus auf das Körpergefühl lenken." Eltern sollten deshalb Lebensmittel möglichst neutral ansehen und Kindern gegenüber weder besonders aufwerten ("Das ist gesund!") oder abwerten ("Das macht dick!").

Leben & erziehen Abo + Geschenk

Dein Begleiter für den Alltag mit Kindern. Heute mit 25% Rabatt testen! Jetzt bestellen und Geschenk sichern!

Selbstständigkeit statt Süßigkeiten-Verbot

Total-Verbote steigern den Reiz von Süßigkeiten und führen häufig zu einem unkontrollierten Essverhalten. Besser sind feste Naschregeln – auch und gerade in der Weihnachtszeit. Eltern dürfen, ja sollen "Nein" sagen, wenn zum Beispiel der reflexhafte Griff in den Süßigkeitenschrank zur Gewohnheit wird, weil gerade Langeweile oder matschiges Winterwetter herrscht. Auch das Naschen zwischen Tür und Angel sollte die Ausnahme sein. Gleiches gilt auch bei Naschen gegen Traurigkeit oder Frust. "Süßes sollte Energie liefern, wenn der Hunger sich meldet und die Kinder darauf Appetit verspüren, aber keine Probleme lösen", sagt Julia Litschko.

Süßes von Oma ruhig mal bunkern

Noch eine kleine Übung für die süße Adventszeit, falls das Bauchgefühl doch etwas abhanden gekommen ist: Lasst euer Kind ruhig mal etwas über die Stränge schlagen und es dabei ins Spüren kommen: "Wie fühlt sich dein Bauch an?" oder "War die Portion zu groß?"

Auch das Sammeln von Süßigkeiten für Tages- oder Wochenrationen (in einer Süßigkeiten-Box) ist eine denkbare Variante. Positiver Nebeneffekt: So muss man selbst keine Süßigkeiten kaufen, der Besuch bei den Großeltern füllt locker den Naschvorrat bis ins neue Jahr hinein.

Experten-Bild

Unsere Ernährungsexpertin

Julia Litschko ist Co-Autorin des Buches "Dein Kind isst besser, als du denkst"*. Außerdem hat die Mutter eines Sohnes die Confidimus GmbH gegründet, eine Ernährungsberatung für Kinder und Eltern. Mehr Infos: confidimus.de

 

"Der Süßigkeitenschrank steht bei uns offen"

Als ich Mutter wurde, war meine Haltung klar: Kein Zucker für mein Kind. Es gab nur Dinkelkekse, selbstgemachtes Eis und schon bei Bananen hatte ich wegen des Fruchtzuckers ein schlechtes Gewissen. Mit der Zeit und mit weiteren Kindern bin ich beim Thema Süßigkeiten entspannter geworden. Meine Kinder bekommen – neben der täglichen Portion Rohkost – auch Schokolade, Gummibärchen oder Kekse. Alles in altersgerechten Mengen. Bei uns steht der Süßigkeitenschrank grundsätzlich offen. Das Verhalten meiner Kinder zeigt mir, dass sich mein Umdenken gelohnt hat. Meine Kinder gehen sehr maßvoll und bewusst mit Süßigkeiten um – und haben einen eigenen Geschmack entwickelt. Meine älteste Tochter mag zum Beispiel keine Schokolade, nicht mal als Weihnachtsmann und entscheidet sich im Zweifel eher für Äpfel und Mandarinen.

Yasmin (33), Online- Marketing-Managerin aus Remagen, drei Töchter (2, 4 und 8)

"Ich habe Nasch-Kisten für die Kinder"

Meine beiden Älteren besitzen seit einigen Monaten Süßigkeiten-Kisten. Sie werden am Sonntag von uns allen gemeinsam bestückt. Und zwar aus gekauften Süßigkeiten, aber auch aus Geschenken von Verwandten oder Freunden. Davon gibt es gerade jetzt ja mehr als genug. Die Kinder dürfen selber entscheiden, was und wann sie essen möchten. Einzige Vorgabe: Nicht vor dem Frühstück, nicht nach dem Zähneputzen und nicht direkt vor den Mahlzeiten. Mit dieser Freiheit sollen sie bewussten Konsum lernen. Wenn sie auf einen Schlag alles verputzen, haben sie für den Rest der Woche nichts mehr. Jetzt zur Adventszeit sind die Kisten etwas voller. Auch getauscht wird immer mal wieder gerne. Ich selbst war übrigens als Kind sehr wählerisch in Sachen Essen und mochte gar keine Süßigkeiten.

Caroline (29), Hausfrau aus Greifswald, zwei Töchter (1 und 6), ein Sohn (4)

"Meine Tochter isst lieber Käse"

Ich mache mir selbst wenig aus Süßigkeiten, Kekse oder Schokolade kaufe ich selten ein. Wenn wir etwas zu Hause haben, bekommt meine Tochter aber auch etwas ab. Eingefordert werden Süßigkeiten von ihr aber nicht. Am liebsten isst sie ohnehin Käse. Verbieten möchte ich ihr das Naschen nicht – schon gar nicht in der Kita oder auf Kindergeburtstagen. Mich ärgert es aber, wenn auf dem Spielplatz Süßes verteilt wird oder wir als Eltern nicht gefragt werden. In vielen Familien sind Süßigkeiten alltäglich, vor allem in der Weihnachtszeit. Ich verurteile das nicht, halte es aber aus gesundheitlichen Gründen für unvernünftig. Bei uns gab es früher einen Süßigkeiten-Schrank. Da war immer etwas drin und ich bin heimlich dran gegangen. Ein gesundes Essverhalten kann so nicht entstehen: Süßigkeiten werden zu etwas erstrebenswertem, wenn sie verfügbar sind – aber verboten.

Isabell (35), Journalistin aus Berlin, eine Tochter (2 1/2)

"Ich kaufe meinen Kindern keine Süßigkeiten"

Kuchen oder Kekse backen wir im Winter öfter, aber ich kaufe keine Süßigkeiten. Meine Töchter bekommen auch so genug Naschereien geschenkt – gerade jetzt in der Adventszeit. Darüber können sie frei verfügen, mit ein paar Regeln versteht sich. Zum Beispiel wird vor dem Essen nicht genascht. Wirklich zuckerfrei wurden meine Kinder eigentlich nur im ersten Lebensjahr ernährt. Bei meiner ältesten Tochter haben wir noch am längsten durchgehalten. Aber mit jedem Kind wurde es schwieriger, das durchzuhalten. Ich halte Verbote ohnehin für den falschen Weg. Als Kind durfte ich nur wenig Süßigkeiten essen. Als ich mir dann endlich selbst welche kaufen konnte, folgte die Maßlosigkeit. Erst mit der Zeit entstand wieder ein normales Verhältnis zu Süßigkeiten. Meine eigenen Kinder nehme ich dagegen als sehr kontrolliert war. Sie haben klare Vorlieben und naschen auch keine Unmengen – selbst in der Weihnachtszeit nicht.

Antonia (41), Architektin aus München, drei Töchter (2, 5 und 7)

(*  Die mit Sternchen gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Wir erhalten ggf. eine Provision, wenn du über diesen Link ein Produkt bei diesem Händler kaufen solltest.)

Teile diesen Artikel: