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Können vegan, vegetarisch & Co. unserem Nachwuchs schaden?

Moderne Ernährungsweisen für Baby und Kind?

Sich einer bestimmten Ernährungsweise zu verschreiben, ist heutzutage gang und gäbe. Wir haben die Wahl, was wir essen möchten. Doch wie sieht es im Hinblick auf die Ernährung unserer Kinder aus? Wir haben für Sie mithilfe unserer Expertin und Diplom-Ökotrophologin Pamela Koch alles Wissenswerte zu vier der gängigsten aktuellen Ernährungsweisen und den damit verbundenen Vor- und Nachteilen für Baby und Kind zusammengefasst.

1. Vegetarische Ernährung

In diesem Zusammenhang hört und liest man immer wieder von einem erhöhten Eisenbedarf werdender Mütter während der Schwangerschaft. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass das Ungeborene von den Speichern der Mutter zehrt und diese stets wieder gefüllt werden müssen, um beider Gesundheit zu gewährleisten. So wird beispielsweise einer möglichen Anämie (Blutarmut) vorgebeugt. "Eine eisenreiche Ernährung ist daher für Schwangere sehr ratsam", so Koch. Der erhöhte Bedarf kann jedoch auch über eine vegetarische Ernährung abgedeckt werden. Koch: "Hirse und Hafer sind dabei gute Alternativen.“

In der anschließenden Stillzeit erreicht der Eisenlevel im Körper der Mutter wieder Normalwert. "In der Folgezeit sollte mit hochwertigen Breien und weiterer nährstoffreicher Kost ergänzt werden", empfiehlt Pamela Koch. Um alle essentiellen Makro- und Mikronährstoffe abzudecken, welche für die Entwicklung des Babys unabdingbar sind, wird eine variantenreiche Ernährung empfohlen. Mit Blick auf das Eiweiß ist bei einer vegetarischen Ernährung für Baby und Kind in der Zufuhr von Milch- und Ei- in Kombination mit Vollkornprodukten eine geeignete Alternative zu Fleisch gegeben.

Vegetarische Ernährung im Überblick:

Für Babys (0-2 Jahre): Unter Berücksichtigung wichtiger Aspekte wie einer variantenreichen Ernährung, der Abdeckung essentieller Nährstoffe und Vitamine ist eine vegetarische Ernährung für Babys Entwicklung nicht hinderlich. Während der Schwangerschaft ist auf eine eisenreiche Lebensmittelwahl zu achten, da die Speicher des ungeborenen Kindes stets über die Ernährung der werdenden Mutter abzudecken sind.

Für Kinder: Es ist durchaus möglich, sein Kind vegetarisch zu ernähren. Wichtig ist dabei, die Eiweißversorgung des Heranwachsenden über eine Bandbreite an geeigneten Produkten wie Milcherzeugnissen und proteinreichen pflanzlichen Lebensmitteln zu gewährleisten.

2. Vegane Ernährung

Oft wird von Ärzten und Ernährungswissenschaftlern in diesem Zusammenhang auf eine drohende Mangelernährung aufmerksam gemacht. Besonders für Babys, deren körperliche und kognitive Entwicklung in den ersten Lebensjahren enorme Schübe erleben sollte, könnte dies deutliche Defizite und damit zusammenhängend Wachstumsstörungen bedeuten. Frau Koch hat dazu eine klare Meinung: "Von vegan für Baby und Kind wird absolut abgeraten. Wichtige Bausteine wie Proteine, Vitamin B12 oder auch Zink können bei einer ausschließlich pflanzlichen Ernährung in viel zu geringen Mengen aufgenommen werden. Es ist schlichtweg gefährlich."

Vegane Ernährung im Überblick:

Für Babys (0-2 Jahre): Eine rein pflanzliche Ernährung sollte keinem Baby "aufgezwungen" werden. Es besteht ein hohes Risiko, dem sich gerade erst entwickelnden Lebewesen essentielle Bausteine vorzuenthalten. Es wird also vehement von einer veganen Ernährungsweise für Babys abgeraten.

Für Kinder: Bei einer Umstellung auf eine vegane Ernährung muss ein jeglicher möglicher Mangel berücksichtigt und entsprechend in die Umsetzung und Praktizierung miteinbezogen werden. Gerade ein Mangel am wichtigen Vitamin B12, welcher mit einer veganen Ernährung einhergeht, könnte schwerwiegende Folgen haben.

3. Laktosefreie Ernährung

Handelt es sich bei den zuvor erläuterten Ernährungsweisen um bewusst getroffene Lebenseinstellungen, so ist der Umstieg auf eine laktosefreie Ernährung oft zusammenhängend mit einer entsprechenden Intoleranz. Menschen mit einer solchen produzieren das laktosespaltende Enzym Laktase eingeschränkt oder gar nicht. So ist eine Verdauung des in Milchprodukten enthaltenen Milchzuckers nicht vollständig möglich. Babys weisen früh Anzeichen einer Intoleranz auf. Anhaltender Durchfall nach dem Verzehr milchhaltiger Lebensmittel ist ein klares Indiz für eine entsprechende Unverträglichkeit. "Dies geschieht jedoch nicht oft. Häufig ist eine Angst vor Laktose unbegründet", sagt Koch.

Laktosefreie Ernährung im Überblick:

Für Babys (0-2 Jahre): Wer nicht möchte, dass sein Baby milchzuckerhaltige Produkte konsumiert, hat eine große Auswahl an passenden Alternativen. Sollte keine Intoleranz vorliegen, besteht jedoch aus medizinischer Sicht grundsätzlich kein Grund zur Sorge.

Für Kinder: Aufgrund guter Alternativen ist ein laktosefreies Leben für Kinder absolut möglich. Auch hier spielt eine große Bandbreite sonstiger Lebensmittel als Grundlage für eine gesunde Ernährung selbstverständlich eine wichtige Rolle. Wird darauf geachtet, den Bedarf an essentiellen Nährstoffen zu decken, ist ein Verzicht auf Laktose definitiv zu kompensieren.

4. Glutenfreie Ernährung

Bei einer Glutenunverträglichkeit kann das in Weizenprodukten enthaltene Eiweiß Gluten nicht richtig oder gar nicht verwertet werden. Die Folge: Es droht eine sogenannte "Zöliakie". Diese wird als Autoimmunkrankheit eingestuft und fällt daher nicht in die Kategorie einer typischen Unverträglichkeit. Es kommt zu allerlei Reaktionen, die wiederum gefährliche Entzündungen im Darmtrakt hervorrufen können.

Gut zu wissen: Gluten an sich hat keinen nachgewiesenen Vorteil in der Ernährung. Gluten-Kritiker sehen das Weizenprotein ihrerseits als Ursache für verschiedene Erkrankungen und Übergewicht. Die Studienlage spricht dort jedoch eine andere Sprache: Wer keine Unverträglichkeit aufweist, hat vom Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel nichts zu befürchten.

Dies gilt selbstverständlich auch für Babys und Kinder. "Werden Symptome erkannt, die mit einer derartigen Unverträglichkeit in Verbindung gebracht werden können, sollte ein Arzt konsultiert werden, um diesen nachzugehen", meint Frau Koch. Gibt es keinerlei Probleme bei der Verdauung glutenhaltiger Nahrungsmittel, so könne man davon ausgehen, dass auch keine entsprechende Erkrankung vorliegt.

Glutenfreie Ernährung im Überblick:

Für Babys (0-2 Jahre): Eine Unverträglichkeit stellt sich relativ schnell und deutlich heraus. Ist eine solche diagnostiziert, wird selbstverständlich von Produkten, die Gluten beinhalten, abgeraten. Liegt keine Erkrankung dieser Art vor, so steht dem Konsum dieser Lebensmittelgruppe - der aktuell vorherrschenden Meinung von Ärzten und Experten - nichts Handfestes im Wege.

Für Kinder: Hier gelten dieselben Voraussetzungen. Sendet der Körper nach dem Verzehr glutenhaltiger Nahrung keine Zeichen für eine mögliche Unverträglichkeit, dürfen diese konsumiert werden. Eine glutenfreie Ernährung aus Überzeugung wird auf der anderen Seite jedoch ebenso keine negativen gesundheitlichen Folgen haben.

Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass gegen eine laktose- und glutenfreie Ernährung für Kleinkinder, laut aktueller Forschung, nichts einzuwenden ist. Nahrhafte Ausweichprodukte schaffen in diesem Fall geeignete Abhilfe und bieten einen guten Ersatz. Wichtig ist dabei zu wissen, dass es, sollte keine nachgewiesene Unverträglichkeit oder Intoleranz bestehen, keinen medizinischen Grund für den Verzicht auf Gluten- oder Laktoseprodukte gibt.

Ernst wird es, sobald Eltern ihr Baby oder Kleinkind vegan ernähren möchten. Hier spricht die Studienlage eindeutig gegen eine solche Ernährungsform. "Enthält man Neugeborenen tierische Produkte und deren Inhaltsstoffe vor, so kann es zu krassen folgeschweren Mangelerscheinungen kommen, die sich stark negativ auf die körperliche und kognitive Entwicklung des Kindes auswirken könnte", sagt unsere Expertin Pamela Koch. In diesem Fall sollte, trotz persönlicher Überzeugung und ethischer Gründe, auf eine frühzeitige Umstellung auf eine vegane Ernährung definitiv verzichtet werden.

Unsere Expertin

Pamela Koch, Dipl. Oec. troph. Ernährungsberaterin und -therapeutin. Ihr persönlicher Tipp an Eltern, die sich mit der Ernährung ihres Kindes intensiver auseinandersetzen möchten: "Orientieren Sie sich an der Ernährungs-Pyramide. Ganz wichtig: Ordnen Sie dabei Getränke und Süßigkeiten richtig ein. Schokohaltige Müslis sollte so beispielsweise als Süßigkeit zählen – Milch nicht als Getränk. Seien Sie nicht dogmatisch, aber ernähren Sie sich und ihr Kind bewusst."

Weitere Informationen oder Terminabsprachen mit der Hamburgerin können unter folgender Nummer / Adresse eingeholt werden: 

Tel: 040 / 85 41 89 72 
Mailkoch.ernaehrung(@web.de 

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Unser Autor

Martin Piecha

Content Manager bei Junior Medien

"Man kann immer dazu lernen"

Martin stammt als studierter Sportjournalist und -manager sowie ehemaliger Redakteur für Fitness- und Gesundheitsthemen aus einem eher anderen Fachbereich. Er liebt jedoch die redaktionelle Herausforderung und stellt sich voller Freude und Enthusiasmus dem weiten Feld rund um das Elternwerden und Elternsein.

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