Expertenrat

Sind Quetschies wirklich so ungesund?

Der Ruf von Quetschies ist nicht der Beste. Aber sind die süßen Fruchtbreis wirklich so ungesund? Wir haben bei einer Ernährungsberaterin nachgefragt.

Quetschies sind praktisch, keine Frage. Und sie suggererieren Eltern, dass ihr Kind auch unterwegs etwas Gesundes zu Essen bekommt. Schließlich stecken die Beutel doch voller Früchte und Obst ... 

Quetschies sind kleine Zuckerbomben

Das Problem an Quetschies: Sie stecken voller Zucker. So mancher Obstbrei aus dem Beutel enthält so viel Zucker wie ein Stück Schokolade – bis zu 18 Gramm pro 100 Gramm, umgerechnet sechs Stück Würfelzucker. Durch Zugabe von Saftkonzentraten oder Fruchtzucker wird die "natürliche" Süße gesteigert. Daher sind die bunten Quetschbeutel für die tägliche Schul- oder Kindergartenpause nicht zu empfehlen. Ein Quetschie sollte eher Ersatz für eine Süßigkeit als für ein Stück frisches Obst sein. 

Obwohl auf vielen Quetschies "ohne Zuckerzusatz" steht, sollte man sich von diesen Werbeaussagen nicht täuschen lassen. Nur ein Blick auf die Zutatenliste und Nährwertangabe verrät, wie viel Zucker tatsächlich in dem Produkt steckt. Im Zutatenverzeichnis deuten Begriffe, die auf 'ose' enden, auf zugesetzten (Frucht-) Zucker hin.

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Welche Kritik gibt es noch an Quetschies?

Obstbrei aus dem Gläschen schneidet im Nährwertvergleich nicht besser ab als das Fruchtpüree im Quetschie. Aber: Beim Obst-Gläschen lernen die Kleinen, mit dem Löffel zu essen, trainieren Kaumuskulatur und Mundmotorik. Mama oder Papa sind da und schenken ihm Aufmerksamkeit, Quetschies werden häufig gerne mal nebenbei genuckelt. Wenn Kinder sehen, was sie auf dem Löffel haben, erfahren sie, wie Farbe
 und Geschmack zusammenhängen.

Quetschies sind ungesund für die Zähne

Zumindest, wenn Kinder sie ständig im Mund haben und darauf rumlutschen. Auf einigen Produkten ist daher auch der Hinweis zu finden, dass sie zum Schutz vor Karies nicht zum Dauernuckeln verwendet werden dürfen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin rät vom ständigen Nuckeln an Quetschies ab. Besser ist es, das Fruchtmus aus dem Quetschie mit einem Löffel zu füttern und mit den 
Kleinen zu essen. 

Wiederverwendbare Quetschies schonen die Umwelt

Quetschies sind kleine Snacks, die aber leider viel Müll produzieren. Bedenkt man zudem den verhältnismäßig hohen Preis, dann sind Quetschies einem Stück frischen Obst oder einem selbstgemachten Fruchtpüree deutlich unterlegen. Wer nicht auf die Quetschbeutel to go verzichten möchte, für den können wiederverwendbare Quetschies eine gute Alternative sein. Die Beutel lassen sich mit selbstgemachten Obst-, Frucht- oder Gemüsebreis befüllen – so weiß man nicht nur ganz genau, was das Kind da isst – sie lassen sich nach Gebrauch auch ganz einfach mit Wasser und Spüli reinigen und sind dann wieder fit für den nächsten Einsatz. Zudem kann man sich beim Zubereiten der Pürees an den Vorlieben des eigenen Kindes orientieren. Einfach Obst, Früchte oder auch gekochtes Gemüse pürieren: Fertig ist der frische, gesunde Quetschie. 

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Unsere Expertin

Dr. Barbara Köttl, Ernährungsberaterin beim VerbraucherService Bayern im KDFB, www.verbraucherservice-bayern.de

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