Pandemie-Podcast für Kleinkinder

Diese Ratte tröstet Kinder in der Corona-Zeit

Sie ist selbst genervt von Corona – und begleitet gerade Tausende Kinder durch die Zeit der Pandemie: Ratte Manfred. In ihrem Podcast unterhält sie sich mit ihrem besten Freund Tilly (Diplom-Psychologe Michael Thiel) über das Virus. Jetzt interviewten die Kinder unserer Autorin das freundliche Tierchen.

Wir lagen im Bett und wollten eigentlich wie jeden Abend unser Bullerbü-Buch weiterlesen, als eine kleine Ratte meine große Konkurrentin in Sachen Abend-Entertainment wurde: Ich erzählte meinen fünfjährigen Zwillingen Elli und Theo, dass es da einen Kinder-Podcast gibt, in der Ratte Manfred das Coronavirus erklärt.

Wir wollten nur kurz reinhören – und wurden große Fans. Denn das, was "Manni" mit seinem besten Freund Tilly bespricht, beantwortete nicht nur viele der Fragen, die Elli und Theo durch den Kopf gingen, sondern machte auch mir selbst großen Spaß, ließ mich immer wieder schmunzeln. 

Tilly ist in Wahrheit Diplom-Psychologe Michael Thiel (ausgebildet in Kinder- und Familienpsychologie), und die Ratte wird von Annika Lohstroh gesprochen, die nicht nur Journalistin und Thiels Kollegin, sondern auch mit ihm verheiratet ist. Als ich die beiden am Tag nach unserer Kinder-Podcast-Premiere anrief, waren meine Zwillinge hier im Homeoffice mit dabei – und einigermaßen beeindruckt von der Tatsache, dass ihre Mama offenbar dazu in der Lage war, mit einer Ratte zu telefonieren.

Also nahmen sie mir ein bisschen Arbeit ab, und führten für mich dieses Interview.

Mann Manfred. Wann dürfen wir endlich wieder andere Kinder zum Spielen treffen?

Hallo Elli, hallo Theo, wisst ihr was? Mir geht das genauso wie euch: Ich darf meine Freunde auch nicht treffen! Und das ist totaler Mist und mega langweilig. Mein bester Freund Tilly, der Psychologe, ihr wisst schon, hat mir das so erklärt: Dieses blöde Coronavirus kann von einem Menschen auf den anderen hüpfen, wenn man zu dicht nebeneinander spielt oder arbeitet. Aber die Ärzte und Politiker beobachten Corona ganz genau, sagt Tilly. Und wenn das Virus so langsam weggeht, sagen sie uns Bescheid und wir können dann auch wieder auf den Spielplatz, Freunde treffen, in die Kita oder in die Schule. Wann das ganz genau ist, kann auch Tilly nicht sagen – obwohl er superschlau ist ...

Wenn wir Oma und Opa ganz doll vermissen und traurig sind, dass wir sie nicht sehen dürfen: Wie können wir dann ganz schnell wieder fröhlich werden?

Ich bin auch ganz doll traurig, weil ich ja meine Oma Renate auch nicht treffen darf. Aber Tilly sagt, wenn wir wollen, dass wir alle gesund bleiben, müssen wir jetzt eine Zeit lang auf Besuche verzichten. Damit wir nicht aus Versehen ein paar Viren zu Oma und Opa bringen. Daran denke ich immer, wenn ich traurig bin: Ich will meine Oma Renate auf keinen Fall anstecken – und ich weiß ja nicht, ob ich vielleicht ein paar Viren mit mir herumtrage. Das kann man nämlich nicht sehen.

Ich telefoniere jeden Tag mit meiner Oma Renate und wir skypen ganz oft. Sie liest mir dann auch kleine Geschichten vor und ich habe für meine Oma Renate ein Bildchen gemalt und ein Lied gesungen. Tilly hat das mit dem Handy aufgenommen und wir schicken es meiner Oma. Dann weiß sie, dass ich an sie denke und es mir gut geht. Das könnt doch ihr auch machen!

Ihr könnt auch etwas basteln und ein kleines Paket an Oma und Opa schicken. Alles zusammen macht nicht nur euch fröhlich, sondern eure Großeltern auch!

Mama arbeitet hier zu Hause gerade so viel. Hast du einen Tipp für uns, wie wir sie vom Schreibtisch weglocken können, ohne dass sie stinkig wird?

Klar, kein Problem, ich bin ja Eure Superratte! Ich war auch so genervt, weil Annika immer gearbeitet hat und Tilly immerzu telefoniert hat. Ich habe nur Mist gebaut. Aber dann hat Tilly mit mir gesprochen und wir haben ein paar Regeln aufgestellt. Und das könnt ihr auch!

Ihr setzt euch mit eurer Mama zusammen und besprecht, wann sie ungestört am Schreibtisch arbeiten muss und wann Kuschel- und Spielzeit mit euch ist. Dann stellt Mama einen Wecker, der dann klingelt, wenn Spielzeit ist und ihr sie vom Schreibtisch weglocken könnt. Okay? Da hat auch Mama was davon, weil sie dann mal wieder aufstehen und sich mit euch bewegen kann. Aber ihr müsst euch auch an Mamas Arbeitszeit halten und dann alleine spielen. Ihr könnt euch ja noch die alten Folgen mit mir anhören, malen, basteln oder ein Schläfchen machen? Ich leg mich jetzt auch noch ein bisschen hin. Ratten brauchen nämlich ganz viel Schlaf ...

Wenn wir unser ganzes Kinderzimmer einmal durchgespielt haben: Was können wir denn dann noch machen (außer dir zuhören)?

Mir könnt ihr doch immer wieder zuhören, hihihi ... Also: Tilly macht ja mit mir immer Gedankenspiele und Traumreisen. Und er hat noch andere gute Ideen! Zum Beispiel: Einer sagt "Ich sehe was, was Du nicht siehst!" und der andere muss raten, was das sein kann. Oder einer sagt eine Farbe, zum Beispiel "Rot" und ihr müsst alle Gegenstände im Zimmer finden, die rot sind.  Oder "Ich packe einen Koffer": Einer fängt an und erzählt, was er wohl in seinen Koffer packen würde: "Ich packe meinen Koffer und packe einen Ball rein!" und der andere muss das wiederholen und darf noch eine zusätzliche Sache dazutun: "Ich packe meinen Koffer und packe einen Ball und Manfred rein!" Dann ist wieder der andere dran. "Wattepusten" ist auch toll, oder ihr messt mal eure Kräfte im Armdrücken. Das könnt ihr so lange spielen, bis euch nichts mehr einfällt ...

Kannst du, können andere Haustiere eigentlich auch dieses Corinavorus (so nennen wir es aus Versehen immer) kriegen? 

Corinavorus finde ich total lustig! Aber ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob ich oder Pauls Hund Wuschel Corinavorus bekommen können. Tilly meint, ich als Stoffratte bekomme kein Corona, hihihi! Und er sagt auch, wenn du und deine Familie gesund seid, wird auch dein Haustier gesund sein und kein Coronavirus bekommen. Das sagen die Tierärzte, die sich damit auskennen. Also ist spielen und Gassi gehen kein Problem. Nur wenn ein Mensch krank ist, oder auch ein Haustier, solltet ihr genauso Abstand halten und nicht kuscheln, wie ihr es bei anderen Menschen auch nicht tun solltet. Alles klar?

Leben & erziehen Abo + Geschenk

Dein Begleiter von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zum Alltag mit Kindern. Jetzt mit 25% Rabatt testen!

Was macht dir denn eigentlich in dieser komischen Zeit gute Laune? 

Also ich habe total gute Laune und bin total gut drauf. Ich kuschel viel mit Annika und Tilly, meinen allerbesten Freunden, und ich nehme meinen Podcast auf, was mir total viel Spaß macht! Ich singe viel und laut, tanze dazu durch die Wohnung, telefoniere viel mit meiner Oma Renate und meinen Freunden Paul, Max, Mario und Fritz. Ich habe ein Foto von mir und meinen Freunden, meiner Fünfer-Clique, das hat Tilly in einen Bilderrahmen gepackt und das gucke ich öfter an. Und schon bekomme ich wieder gute Laune, weil ich mich an all den Quatsch erinnere, den wir zusammen gemacht haben.

Bitte bleibt gesund, habt trotz Corina (hihihi) viel Spaß und ich verspreche euch: Dieser miese, fiese Virus wird uns bald nicht mehr so ärgern und dann können wir wieder zusammen spielen. Bis dahin heißt es aber: Hände waschen, in die Armbeuge niesen und husten – und draußen schön viel Abstand zu anderen Menschen halten.

Wir hören uns dann ja nächsten Mittwoch wieder, wenn es heißt: "Hallo, ich bin Manfred!".

Manfred ist ja Podcast-Profi. Deshalb hat er seine Antworten an Elli und Theo natürlich auch aufgenommen. Wenn ihr mögt, könnt ihr hier also auch noch einmal reinhören. Wir wünschen euch ganz viel Spaß!

Profilbild

Unsere Autorin

Claudia Weingärtner

Jahrelang reiste sie als Reporterin um die Welt. 2014 aber begann ihr größtes Abenteuer: Sie wurde Mama von Zwillingen.

Seitdem übt sie täglich den Spagat zwischen Jobdingen und Kinderkram – und verarbeitet den Muskelkater und andere Konsequenzen u.a. in Briefen, die sie an ihre beiden Kinder schreibt und auf zwillimuddi.com veröffentlicht. Seit April 2020 ist sie Chefredakteurin von "Leben & erziehen".

Teile diesen Artikel: