Eine Mama berichtet

Corona sei Dank!

Unsere Autorin erzählt, warum sie der Coronakrise als Mama viele positive Dinge abgewinnen kann und diese Zeit zum Teil sogar richtig genießt ...

Das Coronavirus hält uns alle in Atem. Unser Alltag ist ganz anders geworden, unsere sozialen Kontakte auf die medialen Möglichkeiten beschränkt, unsere Arbeit müssen die meisten von uns komplett umstellen.

Und dann auch noch die Kinder! Um mich herum stöhnen ausnahmslos alle Eltern von Kindern aller Altersklassen "Puh, wie anstrengend!" Im Internet kursieren angeblich witzige Bilder von Eltern, die im Homeoffice neben gefesselten und geknebelten Kindern arbeiten. Warum?

Sind wir nicht Eltern geworden, weil WIR das unbedingt wollten? Oder haben wir einfach Kinder, weil wir unbedingt die Jobs von Erziehern und Lehrern sichern wollten? Meine Kinder sind auch zu Hause. Auch ich muss plötzlich meinen 35-Stunden-Job, der normalerweise komplett anders aussieht, hauptsächlich am Computer verbringen. Diese Tatsache ist für mich eine unglaubliche Herausforderung.

Ich bin von Herzen gerne Mutter

Nebenbei wartet auch mein Haushalt und mein Garten. Und ja auch ich bin inzwischen nebenbei noch Lehrerin. Übrigens keine besonders gute, wie ich täglich immer wieder zu hören bekomme. So pingelig wären Lehrer nun auch nicht! Sport ist wichtig und soll täglich mindestens eine, besser zwei Stunden in Anspruch nehmen, das tut schließlich allen gut und macht den Kopf frei: "Planen Sie die Stunde sinnvoll und abwechslungsreich". Mache ich.

Mein Gefühl ist, der Tag könnte noch mehr Stunden haben, als ich es manchmal im "normalen" Leben schon denke. Aber das alles ist jetzt Nebensache. Denn meine Kinder sind zu Hause. Ich bin Mutter und das von ganzem Herzen gerne. Von zwei Kindern, einem Jungen und einem Mädchen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Allein das bietet schon genug Konflikt-Potential. 

Die Pubertät ruft

Meine beiden stehen inzwischen mit einem Bein fest auf der Seite Pubertät. Auch das für sich allein genommen ist schon bei EINEM Kind nicht immer Grund zur reinen Freude. Und dennoch empfinde ich diese Zeit als ein unglaubliches Geschenk. Zeit mit meinen Kindern, so lange und so viel! Das ist wunderbar. Wann werde ich jemals wieder die Möglichkeit haben, so viel Zeit mit meinen Kindern verbringen zu dürfen?

Meine Arbeit lässt einen Urlaubszeitraum über mindestens fünf Wochen am Stück jedenfalls nicht zu, mein Urlaubskonto wohl auch nicht. Vielleicht noch, wenn ich meine zahlreichen Mehrstunden mit in den Pott werfen würde. Und fünf Wochen am Stück macht ja auch gar keinen Sinn, schafft man es ja sowieso nicht, zwölf Wochen Schulferien ansatzweise abzudecken. Dann lieber aufteilen, überall ein bisschen über das Jahr verteilt. Das ist ja auch für die eigene Energiewirtschaft sinnvoller.

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Vom Lebensmittelpunkt zur Beraterin

Aber jetzt gibt es diese Zeit und ich werde sie nutzen. Die Familie wird sich bei uns bald ändern, meine Kinder sind vom Erwachsenwerden nicht mehr allzu weit entfernt. Auch meine Rolle als Mutter verändert sich: Ich werde vom Mittelpunkt zur Beraterin – wenn ich Glück habe. Das beginnt mit der Pubertät der Kinder, quasi auch eine Mutterpubertät ... Aber jetzt gibt es Intensivzeit – geschenkt!

Natürlich bekommen wir uns in die Haare, durchaus täglich. Es ist um Gotteswillen nicht alles easy bei uns. Aber die Zeit zusammen birgt auch Chancen. Chancen auf Gespräche, die wir sonst wohl nicht miteinander geführt hätten. Lachen über Dinge, die wir alle verstehen, weil wir alle dabei waren. Jeder kann mal wieder so sein, wie er ist, weil das hier ja sowieso jeder weiß und niemand von außen beeindruckt werden muss.

Corona bringt nicht nur Nachteile

Spiele, die wir sonst nicht mit so viel Spaß gespielt hätten. Kuschelstunden, die sonst so nicht stattgefunden hätten. Einander vorlesen, oder gemeinsam Hörbücher hören. Spaziergänge, für die sonst kaum die Zeit oder gar die Lust gefunden worden wäre. Die gute, alte Strickliesel ist mal wieder im Dauereinsatz, genauso wie der Tuschkasten und überhaupt die Lust an der eigenen Kreativität. Philosophieren, lang und breit, während ich versuche am Computer zu arbeiten ... Lerninhalte, die so sicherlich nicht vorgesehen sind. Echte Lust und Eigeninitiative, einander zu unterstützen, über die eigenen Aufgaben hinaus. Weil plötzlich hautnah erfahren wird, dass nicht alles mal eben erledigt ist. Und das Spannendste: Je länger wir zusammen sind, desto weniger wird nach Fernsehen oder Computerzeit gefragt.

Ruhe und Gelassenheit dringen jeden Tag ein Stückchen mehr in unsere Familie ein. Und unser Fazit ist schon jetzt einstimmig: Wir alle genießen die Zeit zusammen und machen es uns so nett wie nur möglich. Und genau dafür sage ich: Corona sei Dank!

Autorin: Christine v.K.

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