Zu Besuch beim Kinderprojekt

Die Arche Hamburg: ein guter Ort für ein zweites Zuhause

Kinder aus armen und schwierigen Verhältnissen haben beim Kinderhilfsprojekt Arche einen Anlaufpunkt. Sie spielen, finden Freunde, bekommen Hausaufgabenhilfe – und ein warmes Mittagessen. Wir haben einen der 26 deutschen Standorte besucht.

Eine freundlich-fröhliche Atmosphäre

"Die Kinder kommen wegen der Menschen, die hier sind", sagt der leitende Sozialpädagoge Tobias Lucht. Das glaube ich gern. Im Haus herrscht eine freundlich-fröhliche Atmosphäre. Die Kinder kommen und gehen, wie sie (oder ihre Eltern) wollen, spielen, bekommen Hilfe bei den Hausaufgaben, ein warmes Mittagessen und zweimal in der Woche Abendessen.

Die Arche ist eine spendenfinanzierte, offene Einrichtung für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen mit 26 Standorten in Deutschland. Laut Statista war 2019 rund jedes fünfte Kind in Deutschland von Armut betroffen. Das zeigt, wie bedeutend die Arbeit der Arche ist. In der Arche in Hamburg-Jenfeld ist (zu Nicht-Corona-Zeiten) Platz für 80 bis 110 Kinder zwischen vier und zwölf Jahren.

Spenden sind in der Arche gern gesehen

75 Prozent der Kinder in der Arche Hamburg-Jenfeld sind in Hamburg geboren (die meisten mit Migrationshintergrund), 25 Prozent haben einen Fluchthintergrund. In anderen Arche-Einrichtungen stammen oft viele Kinder aus deutschen Familien. Geld- und Sachspenden werden jederzeit gern entgegengenommen. Mehr Infos und Spendenlink unter kinderprojekt-arche.de

Die Arche Hamburg und ihre Besucher

Ich darf mit einigen Kindern sprechen, darunter Soraya und Merat, die heute ihren ersten Schultag hatten. Juliana geht schon in die zweite Klasse. Soraya ist bildhübsch und ganz schön herausgeputzt. Sie trägt ein weißes Kleid und hat viele geflochtene Zöpfe mit Perlen. Sicher ist das nicht jeden Tag so, aber heute gab es sogar eine Schultüte. Was darin war, frage ich sie. "Bonbons!" Die Arche Hamburg-Jenfeld hat zum Schulstart 230 Pakete (Ranzen, Federtaschen etc.) organisiert.

Soraya wirkt ein wenig schüchtern und schaut während unseres Gesprächs immer den Sozialarbeiter an, den sie natürlich wesentlich besser kennt als mich. "Meinen Namen konnte ich schon in der Vorschule schreiben", erzählt sie stolz. Soraya hat drei große Halbbrüder, die Mutter ist alleinerziehend und arbeitet als Altenpflegerin. Die Familie kommt von der Elfenbeinküste, Soraya ist in Deutschland geboren. Seit etwa einem Jahr kommt sie regelmäßig in die Arche. Ihre großen Brüder waren früher auch schon hier, der 16-Jährige geht noch immer ins Jugendhaus der Arche. Seit vielen Jahren bittet Sorayas Mutter die Arche um Unterstützung bei Erziehungsfragen. Obwohl sie alles für ihre Kinder tut, sei sie emotional etwas unbeholfen, berichtet der Sozialpädagoge. Im Feriencamp, das die Arche organisiert und größtenteils finanziert, haben Soraya und ihre Mutter gelernt, gemeinsam zu lachen und sich auch mal in den Arm zu nehmen. Für viele Kinder ist das Feriencamp der einzige Urlaub im Jahr.

Merat ist ganz anders als Soraya. Mit ihm spreche ich auf dem Spielplatz, während er schaukelt. Er ist aufgeschlossen, widerspricht sich allerdings mehrmals selbst in seinen Erzählungen. Seinen neunjährigen Bruder hat er sich ausgedacht, wie ich später erfahre. Er kommt aus dem Iran, seine Mutter musste vor zwei Jahren von dort mit ihm fliehen. Die beiden leben jetzt von Hartz IV.

Unterschiedliche Herkunft – ein Wunsch: einfach Kind sein

Soraya (7)

  • Herkunft: Hamburg, Mutter stammt von der Elfenbeinküste, Vater ist Deutscher
  • Geschwister: drei große Halbbrüder (16, 21, 22)
  • Mutter: alleinerziehend, Altenpflegerin
  • Besuch in der Arche: regelmäßig seit etwa einem Jahr
  • Lieblingsbeschäftigungen in der Arche: Ticken spielen, Skateboard, Roller, Fahrrad fahren, Klavier spielen
  • Lieblingsbeschäftigung zu Hause: Fernsehen
     

Juliana (7)

  • Herkunft: Hamburg
  • Geschwister: eine Schwester (9), zwei Brüder (6 und 16)
  • Mutter: alleinerziehend, Hausfrau
  • Besuch in der Arche: regelmäßig seit drei Jahren
  • Lieblingsbeschäftigungen in der Arche: Tanzen, Sportraum, Turnen, ins Feriencamp fahren
  • Lieblingsbeschäftigung zu Hause: Basteln


Merat (7)

  • Herkunft: Iran, Flüchtlingshintergrund, seit zwei Jahren in Deutschland
  • Geschwister: keine
  • Mutter: alleinerziehend, lernt gerade Deutsch, im Iran war sie U-Bahn-Fahrerin
  • Besuch in der Arche: regelmäßig seit etwa einem Jahr
  • Lieblingsbeschäftigungen in der Arche: neue Freunde finden, selbst gepflückte Brombeeren essen, Trampolin springen
  • Lieblingsbeschäftigung zu Hause: Playstation spielen

Tolles Feedback für großartige Arbeit

"Obwohl wir eine christliche Einrichtung sind, sind wir für alle Religionen offen. Oft schicken gerade streng muslimische Familien ihre Kinder zu uns, da es hier eine klar definierte Wertegrundlage gibt", so Lucht. Die Kinder erleben in den Arche-Einrichtungen Nächstenliebe und bedingungslose Annahme. Das ist für sie ganz wichtig. Sie haben einen Ort, an dem sie sich aufgehoben und wohlfühlen. "Wir sprechen mit den Kindern auch übers Lügen und Stehlen", so Lucht. Regelmäßig gibt es Anti-Aggressions-Trainings. Konfliktpotenzial bestehe genug. Daher arbeiten die pädagogischen Fachkräfte der Einrichtung eng mit den Eltern, Schulen, aber auch Therapeuten und Jugendämtern zusammen. Für ihre Arbeit braucht die Arche verlässliche Partner. So unterstützt die Bepanthen-Kinderförderung (BKF, siehe Kasten) schon seit vielen Jahren die Arche regelmäßig mit Spenden, die sie für die Arbeit mit den Kindern zur Verfügung stellt. Auch bei den regelmäßigen BKF-Studien zur Situation von Kindern und Jugendlichen arbeiten die Initiativen eng zusammen.

Gerade für Jugendliche sei es wichtig, dass sie über Themen wie Glaube, Religion und Kultur sprechen können. Damit beuge man Extremismus vor, so Luck. "Wir vermitteln den Jugendlichen, dass jeder die Entscheidung hat, sich für oder gegen einen Glauben zu entscheiden." Und dass sie selbst etwas in die Hand nehmen können. Einige Jugendliche, die in der Arche waren, werden dort später selbst ehrenamtlich oder als Honorarkraft aktiv und wollen sich einbringen. Das ist doch das beste Feedback, das eine Einrichtung bekommen kann.

Kinder sprechen bei YouTube über die Arche

Gemeinsam stark

Die Zusammenarbeit zwischen der Arche und der Bepanthen-Kinderförderung ist langfristig angelegt. Die Arche bringt sich inhaltlich bei der Auswahl der jeweils nächsten Studienthemen ein und nutzt die Ergebnisse der Befragungen für die tägliche Arbeit. Und die Bepanthen-Kinderförderung unterstützt die wichtige Arbeit der Arche durch eine jährliche Spende und gibt durch die Ergebnisse der Studien auch Hilfestellungen (z. B. Förderprogramm) für den Umgang mit Kindern. Mehr dazu unter bepanthen.de/kinderfoerderung

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Contentmanagement.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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