Schwindeln oder ehrlich sein?

"Mami, gibt es den Weihnachtsmann?"

Na – wurde euch diese Frage auch schon gestellt? Erziehungsexpertin Nora Imlau hält es für legitim, kleine Kinder mit Weihnachtsgeschichten zu verzaubern. Doch sie findet auch, dass Kids ehrliche Antworten verdient haben, wenn sie explizit nachfragen, wer denn jetzt die Geschenke unter den Baum legt. Uns hat sie ein paar Grundregeln mit auf den Weg gegeben, die Mamas und Papas in der Vorweihnachtszeit beachten sollten.

Ganz egal wie verrückt die Welt gerade spielt: Es gibt hierzulande wohl kaum ein Kind, das sich nicht auf Weihnachten freut. Und auch wir Großen sehnen uns nach Frieden, Freude und Familienfest – in diesem Jahr noch mehr als sonst.
Es ist ja auch zu schön in diesen Wochen, die ja irgendwie immer früher und gefühlt spätestens Mitte November beginnen: Da werden Adventskalender von winzigen Wichteln aufgehängt; da backt das Christkind im Himmel Kekse, wenn die Sonne untergeht; da kommt der Weihnachtsmann vorbei, um den Wunschzettel abzuholen. Kurz: Im Grunde erzählen wir unseren Kindern zum Ende des Jahres sehr viel Quatsch. Aber ist das wirklich schon "lügen"?

Weihnachtszauber macht glücklich und dankbar

Lügen sei ein hartes Wort, das mit Gemeinheiten und Verletzungen assoziiert wird, sagt Elternratgeber-Autorin Nora Imlau. Sie beruhigt: "Die meisten Menschen denken an die Geschichten vom Weihnachtsmann oder vom Christkind mit ganz anderen Gefühlen zurück: glücklich und dankbar, dass sie in den Genuss dieses kindlichen Weihnachtszaubers kommen durften." Deshalb würde sie nie pauschal davon abraten, Kindern von Wunderwesen der Weihnachtszeit zu erzählen. Einige Grundregeln gebe es dabei jedoch zu beachten.

Knecht Ruprecht und Rute sind Schnee von gestern

Regel Nummer 1: Weihnachtsgeschichten sollen Freude machen – und keine Angst. Der gruselige Knecht Ruprecht mit Rute ist zum Glück so gut wie ausgestorben. Und hat im Weihnachtszauber tatsächlich nichts zu suchen. "Vorfreude und Geborgenheit: Darum geht es bei den Weihnachtsgeschichten", sagt Nora Imlau.

Regel Nummer 2: Weihnachtswesen sollten nicht zu Erziehungszwecken missbraucht werden. "Wenn du dein Zimmer nicht aufräumst, bringt der Weihnachtsmann dir keine Geschenke" – solche Drohungen sind laut Nora Imlau nicht nur fies, sondern auch feige, weil wir damit einem Fabelwesen unsere eigenen Strafen in die Schuhe schieben.

Wenn die "magische Phase" endet

Der Glaube an den Weihnachtsmann und das Christkind fällt bei Kindern in die sogenannte "magische Phase", in der das Kind alles, was es nicht richtig erklären kann, mit Magie erklärt. Aber irgendwann kommt jedes Kind dahinter, dass es die Eltern sind, die die bunten Päckchen unter den Baum legen. Sei es, weil sie das Geschenkpapier wiedererkennen, das doch gerade erst im Einkaufswagen lag, oder weil ein Kind oder eine Erzieherin im Kindergarten mit der Wahrheit herausplatzt.

Wenn sie dann kommt, die Frage, ob es Weihnachtsmann oder Christkind wirklich gibt, sind viele in Versuchung, den Zauber noch ein wenig zu verlängern. Aber ist das eine gute Idee? Nein, sagt Nora Imlau: "Besser: ehrlich und offen erzählen, dass die Weihnachtsbegleiter Fabelwesen sind, von denen die Großen den Kleinen erzählen, um ihre Weihnacht zu verschönern. Und das nun dafür zu groß gewordene Kind dazu einladen, von nun an gemeinsam die Geschichte für die Jüngeren zu bewahren." So fühlten Kinder sich nicht hintergangen, sondern verstanden und groß: "Sie können selbst nun von der anderen Seite erleben, dass eine schöne Geschichte nicht gleich eine Lüge sein muss."

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Unsere Expertin

Nora Imlau hat diverse Elternratgeber geschrieben und veröffentlichte kürzlich den Titel "Mein Familienkompass – was brauch ich und was brauchst du?" (Ullstein Buchverlage, 22,99 Euro). Im Sommer zog die 37-Jährige mit Ehemann Malte und den vier gemeinsamen Kindern von Leipzig nach Süddeutschland.

Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?

Für viele von uns ist es ganz selbstverständlich: Wir erzählen den Kindern, dass der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke liefert. Andererseits bringen wir ihnen bei, nicht zu lügen. Wie viel Schwindel ist also in der Weihnachtszeit erlaubt? Auf der nächsten Seite berichten vier Familien, wie sie mit diesen Fragen umgehen. 

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