Aus Scheitern lernen

Warum ihr euren Kindern Enttäuschungen nicht ersparen dürft

Als Vater von drei Kindern weiß Autor Jan Wickmann, dass wir unsere Kinder nicht vor jeder Enttäuschung bewahren können. Hier spricht er über eigene Erfahrungen und darüber, wie wichtig der Umgang mit Niederlagen ist.

Lernen Kinder mit Enttäuschungen umzugehen, kann sie das stärken.
© Foto: Getty Images/Lordn
Lernen Kinder mit Enttäuschungen umzugehen, kann sie das stärken.

Das Leben ist die beste Schule. Warum Enttäuschungen so wichtig sind...

Wir lieben unsere Schätze. So sehr. Wir schützen sie vor größeren und oft auch vor den kleinsten Gefahren. Wir geben ihnen von Anfang an das Gefühl, dass sie sich auf uns verlassen können. Immer. Dass wir alles tun werden, um sie glücklich zu machen. Wirklich alles. Wir nehmen sie auf den Arm, sobald sie weinen. Antizipieren jeden Stolperstein. Sie lernen von der ersten Stunde, dass sie sich unserer Aufmerksamkeit und Fürsorge gewiss sein können. 

So geht es weiter, denken die Kinder... Wir hoffen das auch. Doch dann, vermutlich im Kindergarten, spätestens in der Schule, kommen sie – die ersten kleineren Enttäuschungen, die wir nicht abwenden können, die uns genauso treffen wie die Kinder. Vielleicht der Geburtstag, bei dem ALLE eingeladen sind, nur dein Kind nicht. Die erste Niederlage im Sport oder Spiel, weil andere dein Kind eben nicht gewinnen lassen. Tränen, die man trocknen kann. Aber Enttäuschungen bleiben es. Die jedoch wichtig sind, weil ein Kind lernen muss, in seinem Leben damit umzugehen. 

Eine der schlimmsten Enttäuschungen für Kinder ist es wohl, wenn die Eltern sich trennen. Denn da gesellt sich zur Erkenntnis, dass Mama und Papa eben doch nicht alles tun, um ihre Kinder glücklich zu machen, auch das Gefühl der Machtlosigkeit, denn die Kinder werden vor vollendete Tatsachen gestellt – da helfen selbst die sonst so erfolgreichen Tränen nicht. Die Entscheidung steht. Eine Situation, die wohl niemand so geplant hat. Die aber sehr oft Realität wird. Leider.

Vor wenigen Tagen im Urlaub: Wir fahren mit einer größeren Gruppe Kindern und Erwachsenen zum Wasserskilaufen. Für fast alle eine Premiere. Und ALLE schaffen das. Selbst das sehr kleine Mädchen – nur mein zwölfjähriger Sohn nicht. Tränen der Enttäuschung. Ich überrede ihn am nächsten Tag zu einem weiteren Versuch – nur er und ich. Und... erneut ein Reinfall. 

Der Mut, die Dinge zu tun, bei denen man bewusst das Risiko zum Scheitern eingeht, verdient mehr Respekt als der Erfolg – versuche ich zu erklären... Ob es ankommt? Ich weiß es nicht. Aber mein Sohn schmeißt die Flinte tatsächlich nicht ins Korn, und am dritten Tag schafft er es! Ist unglaublich stolz. Ich auch, aber nicht, weil der Start auf Wasserskiern geglückt ist, sondern, weil er weitergemacht hat. Weil er die Misserfolge irgendwie weggesteckt und verarbeitet hat. 

Gönnt den Kindern ihre Enttäuschungen! Bewahrt sie nicht davor, denn sie gehören zu unserem Leben. Sind wichtigere Lektionen als die, die in der Schule erteilt werden. 

Wenn Kinder an unserer Seite lernen dürfen, mit kleinen und mittleren Rückschlägen umzugehen, haben sie eine gute Chance, auch größere wegzustecken. Und daraus gestärkt und selbstbewusster hervorzugehen – und so ein glückliches Leben zu führen. 

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