Kolumne @erziehungmitherz

Lasst eure Kinder Fehler machen!

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Heute schreibt Kyra über die Balance zwischen Loslassen und Beschützen ...

Ich erlebte schon oft Eltern, die Angst haben, dass ihr Kind stürzt, klettert, alleine Dinge übernimmt. Eltern, die Konflikte für ihr Kind lösen oder die eingreifen, bevor das Kind überhaupt einen Fehler machen kann. Dabei ist es für Kinder wirklich wichtig, immer neue Dinge auszuprobieren und dabei sogar Fehler oder Fehlversuche zu erleben – und zu ertragen.

Fehler bringen auch bei Kindern Prozesse in Gang, aus denen heraus sich das Kind für die nächste Situation eine andere Strategie zurechtlegen muss. Das Problem ist, dass Kinder von überfürsorglichen Eltern keine Chance haben zu lernen, wie sie mit Frustrationen umgehen können. Sie haben nie die Erfahrung gemacht, dass ein Scheitern nicht gleich ein Versagen auf ganzer Linie bedeutet. Sie haben auch nicht gelernt, dass es sich lohnt, beim nächsten Mal ein bisschen härter zu arbeiten, um ein Ziel zu erreichen. Für immer mehr Kinder heute ist ein Scheitern gleich ein großes Drama. Gleichzeitig sind sie nicht in der Lage, sich selbstständig aus der unangenehmen Situation zu befreien.

Das kindliche Gehirn ist darauf ausgelegt, jeden kleinen Erfolg zu speichern. Fehlversuche werden zwar verarbeitet, aber zurück bleibt nur der Gedanke, was in der Situation gut geklappt hat. So speichert ein Kind nicht, wenn es beim Laufen üben hinfällt. Es besinnt sich darauf, dass, wenn es mit dem ersten Bein vorangegangen ist, das zweite schnell folgen muss, um nicht umzufallen. Gespeichert wird also nur die positive Erfahrung. Und durch diese sehr pragmatische Einstellung zur Handlung, will ein Kind immerzu neu anfangen! Wir zerstören, indem wir ihnen jede Möglichkeit nehmen, Fehler zu machen, die intrinsische Motivation. Diese ist der Motor, der alles antreibt und das Kind voran bringt.

Eine 2018 veröffentlichte Studie der Universität Zürich kam zu dem Ergebnis, dass Kinder von überfürsorglichen Eltern größere Probleme in der Schule haben. Außerdem fällt es ihnen schwerer, Freunde zu finden. Insgesamt haben sie den Wissenschaftlern zufolge Schwierigkeiten damit, die Anforderungen des Erwachsenenwerdens zu bewältigen!

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Unsere Gastautorin

Kyra - @erziehungmitherz

Kyra ist Erzieherin und Mama eines Sohnes, der aktuell 19 Monate alt ist. Es liegt ihr sehr am Herzen, dass ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet: hin zu bedürfnisorientierten Ansätzen und mehr Verständnis für die Entwicklung eines Kindes.

Mehr von Kyra lest ihr auf Instagram: instagram.com/erziehungmitherz/

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