Minimonster-Alarm

Hilfe, mein Kind wird immer frecher

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Heute erzählt Yvonne, dass sie ihren Sohn manchmal nicht wiedererkennt.

Großartig. Quasi über Nacht hat sich unser kleiner Sonnenschein in ein – immer noch kleines, aber dafür umso frecheres – Minimonster verwandelt. Von vorlaut, über rüpelhaft bis hin zu respektlos fährt unser gerade mal Sechsjähriger seit Neuestem die Ellenbogen aus. Und ich bin fassungslos. Nicht nur einmal frage ich mich, wann genau ich mit meiner Erziehung eigentlich falsch abgebogen bin.

Doch von vorne: Seit Ben vor Kurzem als Jüngster seiner Klasse eingeschult wurde, versucht er offenbar, den Altersunterschied zu seinen Freunden durch Frechheit wettzumachen. Ein Beispiel: Als ihm die Mutter seines Freundes neulich nach der Schule zum sechsten Geburtstag gratulieren will, er aber schon halb im Auto sitzt, sage ich zu ihm: "Kommst du noch mal raus? Finns Mama möchte dir gratulieren." Daraufhin er: "Och nööö – muss das sein? Ich hab’s ja gehört", und schlägt die Autotür hinter sich zu. 

Ich schäme mich und entschuldige mich für sein Verhalten. Im Auto sage ich ihm, dass das gerade ziemlich daneben war, lasse es dann aber gut sein. Schließlich hat er Geburtstag. Doch die kleineren und größeren Frechheiten reißen nicht ab und ich stoße mitten in einer schlaflosen Nacht auf die Langzeitstudie einiger Forscher aus Luxemburg, Illinois und Berlin. Tenor: Widerspenstigere Kinder werden im Berufsleben erfolgreicher und verdienen mehr.

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Aha. Glückwunsch, denke ich. Und was mache ich bis dahin gegen die vielen grauen Haare, die mir – manchmal aus Ärger, manchmal aus Sorge – wachsen? Dazu sagen die Wissenschaftler nämlich leider nichts.

Also stricke ich mir meinen eigenen kleinen Maßnahmenkatalog: Überschreitet mein Sohnemann mal wieder eine "Das-geht-gar-nicht-Grenze", sage ich sofort, was mich stört. Dann erkläre ich ihm, warum ich nicht möchte, dass er sich so verhält und wie er es besser machen kann. Hilft alles nichts, zeige ich ihm Konsequenzen auf. An dieser Stelle kommt dann auch gerne mal Bens Vater ins Spiel, der augenzwinkernd zu mir sagt: "Beruhigen Sie sich erst selbst, dann ihr Kind." Zugegeben: In solchen Momenten bin ich nicht gerade die Ruhe selbst. Bleiben mir zum Trost wenigstens die Forschungsergebnisse: Mein Sechsjähriger macht sich schon heute fit für den Verhandlungstisch von morgen. 

Autorin: Yvonne Dast-Kunadt

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