Auch Eltern müssen was aushalten können

Die Sache mit der Frustrationstoleranz

Kinder lernen von selbst, mit Niederlagen umzugehen. Aber nur, wenn die Eltern sie nicht ständig wie Flugobjekte umkreisen. Was manchmal ganz schön schwer sein kann, wie Bloggerin Martina im Urlaub erfahren hat.

Immer wieder ist davon die Rede, dass es Jugendlichen an der sogenannten Frustrationstoleranz fehlt - also der Fähigkeit, Frust auszuhalten und mit einer Niederlage oder etwa Liebeskummer fertig zu werden.
 
Von Natur aus ist vorgesehen, dass Kinder begreifen: Wenn ich es immer wieder versuche, erreiche ich den Ball irgendwann - nicht sofort, vielleicht auch nicht in zwei Tagen, aber irgendwann. Und bis dahin kann ich es aushalten, dass es heute nicht geklappt hat. Die Welt geht davon nicht unter. Solche Erlebnisse ziehen sich durch die ganze Kindheit und Erziehung - und Kinder wachsen daran. An der Erfahrung, dass Ausdauer und Geduld sich auszahlen können. Und daran, dass sie auch ein Scheitern aushalten, wenn sie von ihrer Familie danach liebevoll aufgefangen werden.
Aber auch, wenn wir als Eltern voller guter Vorsätze sind und unser Kind zu einem möglichst starken und selbstbewussten Menschen erziehen wollen - es ist nicht einfach auszuhalten,
  • wenn das Kleine auch mit 15 Monaten noch nicht laufen will,
  • wenn es jeden Morgen im KiGa Abschiedsgeschrei gibt,
  • wenn die Noten in der Schule unter den Erwartungen bleiben,
  • dass es tatsächlich Kinder (und Eltern) gibt, die den eigenen Sproß nicht für den tollsten aller Spielkameraden halten.

Wenn niemand Muscheln kaufen will

Im Urlaub hat mir ein Erlebnis zu denken gegeben: Benjamin wollte einiger seiner selbst gesammelten Muscheln verkaufen. Er suchte besonders schöne Exemplare aus, baute aus unseren Sitzbänken einen kleinen Verkaufsstand, schrieb Preis-Schildchen und organisierte sich Wechselgeld. Er war voller Begeisterung bei der Sache... aber niemand wollte seine Muscheln kaufen, obwohl er an zwei Tagen über zwei Stunden an der Ecke saß.

Natürlich hatten wir Eltern das von Anfang an befürchtet und es fiel uns schwer, einfach zuzuschauen, wie sich seine Hoffnungen nicht erfüllten. Und unter uns: Ich habe tatsächlich kurz überlegt, einigen Kindern an der Ecke heimlich Geld in die Hand zu drücken und sie zu ihm zu schicken. Der Helikopter war schon startklar. Aber ich habe es mir verkniffen. Zum Glück.
Denn unser Sohn hatte mit seinem Misserfolg weniger Probleme als befürchtet. "Wäre cool, wenn jemand was kaufen würde, aber wenn nicht, nehme ich die Muscheln mit heim!", sagte er, als wieder ein Passant ohne zu schauen an seinem kleinen Stand vorbeigegangen war und Benni eine Trinkpause einlegte. Da war ich wirklich stolz auf unseren Großen.

Zumindest bei ihm scheinen wir in puncto Frustrationstoleranz schon etwas richtig gemacht zu haben. Die Mama muss halt noch etwas daran arbeiten ;-)

Autorin: Martina Dankof

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