Geschenkebox

Geschenkekisten im Spielzeugladen: Fluch oder Segen?

Geschenkekisten und Online-Wunschzettel liegen im Trend. Das Geschenk wird selbst ausgesucht, kein Fehlgriff ist möglich. Doch wo bleibt die Überraschung? Unsere Autorin hat ihre eigene Erfahrung gemacht ...

"Dann weiß Leonie doch schon, was sie bekommt, das finde ich doof!"

"Ich möchte meine Geschenke selbst aussuchen – wie Leonie", tönte meine Tochter Ana kurz vor ihrem sechsten Geburtstag. Oh nein, bitte nicht – die Vorstellung ist gruselig.

Ich hatte noch das Bild meiner weinenden Tochter im riesigen Spielzeug-Geschäft vor Augen. Völlig überfordert und wütend darüber, dass sie für Leonie ein "Geschenk" aus deren Box aussuchen sollte. Ein "Geschenk", das ja keine Überraschung ist. "Dann weiß Leonie doch schon, was sie bekommt, das finde ich doof", weinte Ana. Außerdem seien nur noch richtig "blöde" Geschenke drin. Ich bin natürlich schuld daran, weil ich gestern keine Zeit hatte, mit ihr zum Laden zu fahren. Die schönsten Geschenke hätten die anderen Kinder jetzt alle schon ausgesucht. Das Drama, das sich in diesem Geschäft abspielte, war groß. Ana konnte ich nur damit beruhigen, dass wir einen Kompromiss fanden. Sie musste ein kleines Geschenk aus der Geschenkebox nehmen und durfte dazu noch ein kleines Geschenk selbst aussuchen. Am Ende habe ich mehr bezahlt als geplant, dafür durfte ich mit einer mittlerweile zufriedenen Tochter nach Hause fahren. Aber: Ich selbst war gestresster denn je.

Zweieinhalb stressige Stunden im Spielzeugladen

Und jetzt wollte Ana auch noch so eine Box haben, sich selbst die Geschenke aussuchen? Das Drama um Leonies Geschenk war offenbar vergessen. Ich setzte alles daran, das zu verhindern. Leider scheiterte ich sowohl mit meinen Überredungskünsten als auch mit meinen Bestechungsversuchen. Dann sollte sie ihre Geschenkebox eben haben. Aber nicht im übergroßen Spielzeugtempel, immerhin bin ich bei der Wahl des Ladens hart geblieben, sondern im etwas kleineren Geschäft, von dem ich mir erhoffte, dass es weniger stressig wird. Ich redete mir ein, dass ich jetzt immerhin den anderen Mamis keine Tipps mehr geben müsste, was sie Ana besorgen könnten.

Im Nachhinein hätte ich lieber zehn Müttern Tipps gegeben, als zweieinhalb Stunden durch eine Spielzeugabteilung zu laufen, um Anas Geschenkekiste zu befüllen – und die überteuerten Spielzeuge wie das Lego-Schloss für über 100 Euro wieder rauszuschmuggeln. Zweieinhalb Stunden für sieben Geschenke, in denen auch meine Tochter merkte, es ist nicht so einfach, sich für das ein oder andere zu entscheiden. Und: Ein Geschenk darf auch nur maximal zehn Euro kosten. Wieder ein frustrierendes Erlebnis für Ana.

Kein Jubelgeschrei beim Auspacken

Als sie die Geschenke an ihrem Geburtstag schließlich überreicht bekam, packte sie sie aus und legte sie mit einem kleinen Danke neben sich. Kein Jubelgeschrei, nichts. Wie auch? Sie wusste ja schon, was sie bekommt. Sieben Jahre ist das Ganze her. Ana hat nie wieder nach einer Geschenkekiste gefragt. Zum Glück. Wir wissen jetzt beide: Persönliche Geschenke, die jemand für einen aussucht, sind besser. Der Trend geht zwar hin zum Wunschtisch bei der Hochzeit, den ich noch verstehen kann, zur Geschenkebox im Spieleladen und zum Online-Wunschzettel, wie ihn mein Mann hat. Aber wir zwei machen diesen Trend nicht mehr mit. Den Online-Wunschzettel meines Mannes ignorieren wir übrigens. Er bekommt immer eine Überraschung, ein Geschenk mit persönlicher Note. Denn das ist das Schönste am Schenken und beschenkt werden – finden wir.

Unsere Autorin

Svjetlana Pulkowski hat zwei heranwachsende Töchter, mit denen die Leiterin unseres Content Managements seit Jahren so ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht hat – in Sachen Geburtstagspräsent hat sie hier eine der prägendsten aufgeschrieben.

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