Kolumne @erziehungmitherz

Erziehen ohne Strafen: Auch verbale Gewalt tut weh

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Heute schreibt Kyra, was sie von Strafen in der Erziehung hält ...

Jedes Kind hat ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Klare Kiste sollte man meinen, oder? Nicht-körperliche Strafen jeglicher Art sind noch immer die Normalität, aber genau das: Gewalt. Sie sind seelische Verletzungen und entwürdigende Maßnahmen. Der Gedanke, Kinder könnten nur durch Konsequenzen und Strafen lernen, hält sich hartnäckig in vielen Köpfen. Verbale Strafen haben die gleichen Auswirkungen wie körperliche: Sie können zu Verhaltensstörungen und Depressionen führen. Das zeigte eine Studie der Universität Pittsburgh.

Ich bin der Meinung, es geht auch ohne Strafen. Strafen sind zwar kurzfristig effektiv, aber in der Regel nur solange die Bezugsperson anwesend ist. Das Kind lernt daraus leider rein gar nichts, außer zu gehorchen. Bestrafungen führen nicht zu Empathie, sie verursachen lediglich Wut und Groll.

Kinder kommen mit einem enormen Bindungs- und Kooperationswillen auf die Welt, denn sie wollen zur Gemeinschaft dazugehören. Auffälliges Verhalten seitens des Kindes ist ein Hilferuf nach Wertschätzung oder Aufmerksamkeit – einhergehend mit fehlender Impulskontrolle oder dem fehlenden Perspektivenwechsel. Bestrafen wir unsere Kinder, geht der angeborene Kooperationswille verloren, denn sie lernen: Der Stärkere gewinnt ja sowieso. Dagegen kämpfen sie an.

Dies zeigt sich in Situationen, die das Kind selbst mit beeinflussen kann. Wickeln, Essen, Schlafen werden zum Kampf. Es entstehen "Machtkämpfe". Eltern ist dabei meist gar nicht bewusst, dass das Verhalten darauf zurückzuführen ist, dass Kinder sich durch Bestrafungen in ihrer Selbstwirksamkeit eingeschränkt und nicht wertgeschätzt fühlen. Strafen schädigen die Beziehung zu unserem Kind, denn das Kind fühlt sich als Person abgelehnt. Wie fühlen wir uns, wenn uns die Person, die wir am meisten lieben und von der wir abhängig sind, kritisiert und bestraft?

Strafen führen dazu, dass Kinder häufiger lügen, um diesen zu entgehen, und sie fördern Verlustängste. Kinder, denen als Strafe häufig Spielzeug weggenommen wird, fangen eher an, sich über Materielles zu definieren. Strafen lehren das Kind nur, dass es okay ist, seine Macht einzusetzen und die Wünsche des anderen zu ignorieren. Man demonstriert so, dass einem die Bedirfnisse des anderen egal sind und genau das wird das Kind für die Zukunft übernehmen.

Sollen unsere Kinder lernen, dass sie tun sollen, was andere sagen, weil ihnen sonst Leid zugefügt wird? Wollen wir, dass sie lernen, dass immer der Stärkere, Mächtigere gewinnt? Sollen sie lernen, dass Drohnungen ein adäquates Mittel sind, um Wünsche durchzusetzen? Oder wollen wir nicht vielmehr, dass sie respektvolle Menschen werden, die bei zwischenmenschlichen Problemen ihr Gegenüber mit durchdachten Argumenten überzeugen und empathisch auf dieses eingehen, um zu einer gemeinsamen akzeptablen Lösung zu kommen?

 

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Unsere Gastautorin

Kyra ist Erzieherin und Mama eines Sohnes, der aktuell 19 Monate alt ist. Es liegt ihr sehr am Herzen, dass ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet: hin zu bedürfnisorientierten Ansätzen und mehr Verständnis für die Entwicklung eines Kindes.

Mehr von Kyra lest ihr auf Instagram: instagram.com/erziehungmitherz/

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