Kleine Teamplayer

Soziale Kompetenz bei Kindern fördern

Wer mit anderen gut klar kommt, hat mehr vom Leben. Eltern, Erzieher, Lehrer und Trainer können alle dem Nachwuchs helfen, sich vom kleinen Egoisten zum Teamplayer zu entwickeln und erfolgreiche Beziehungen einzugehen.

Es ist ein schönes Bild: Johann und Emma hocken nebeneinander im Sandkasten und buddeln eifrig mit Förmchen und Eimern. "Wie süß – die beiden verstehen sich", stellen die stolzen Mütter der Zweijährigen zufrieden fest. Doch plötzlich gibt's Geschrei. Emma will Johanns Schaufel und reißt sie ihm einfach aus der Hand. "Gemein", sagt Johanns Mama. "Gib die sofort zurück", verlangt Emmas Mutter. Offensichtlich ist sie enttäuscht, dass ihre Tochter sich als kleine Freundin und Teamplayerin nicht bewährt hat.

Doch das ist kein Grund zur Sorge. Kinder werden als kleine Egoisten geboren und müssen erst noch erfahren, warum es sich lohnt, ein Teamworker zu werden. Eltern, Erzieher, Lehrer, Vereins-Trainer und andere Kinder spielen dabei im Laufe der Kindheit die entscheidenden Rollen. Alles beginnt mit den Eltern, der ersten und wichtigsten kleinen Gemeinschaft des Lebens. Von Anfang an braucht ein Baby mindestens eine verlässliche Bezugsperson, um Selbstbewusstsein zu entwickeln. Nur wenn es bedingungslose Liebe erfährt, kann es später Vertrauen zu anderen gewinnen. Eine sichere Familienbindung hat also Einfluss auf die Sozialkompetenz.

Die wichtigste Person am Anfang des Lebens muss nicht rund um die Uhr nur die Mutter sein. Auch Väter, Großeltern, ältere Geschwister, Tagesmütter oder zuverlässige Babysitter können dem Kleinen das sichere Gefühl geben: "Du bist nicht allein. Wenn du ein Bedürfnis hast, kümmern wir uns um dich."

Mama und Papa – das Dreamteam als Vorbild fürs Baby

Die erste Ablösung bleibt nämlich keinem Baby erspart. Wenn beispielsweise tagsüber Mama da ist und abends Papa das Kind ins Bett bringt, leben die Eltern ihrem Nachwuchs schon früh vor, dass partnerschaftliches Handeln die Grundbedingung für Gemeinsamkeit ist. Auch Rituale wie Essen in der Gemeinschaft prägen bereits in jungen Jahren.

Wenn die Kleinen etwas größer werden, übernehmen sie gerne die Rolle des Helfers – auch das ist eine Basis fürs Teamworken. Mama und Papa dürfen also ruhig mal zeigen, dass sie nicht alles alleine schaffen. Fleißige Knirpse schieben gerne kleine Einkaufswagen, tragen die Becher auf den Esstisch oder fegen mit ihrem Kinderbesen die Blätter weg.

Auch bei der Spielzeugauswahl kann man das Miteinander fördern: Klar, spielen Kinder gerne mit Lego und Bauklötzen. Aber es sollte auch viel Spielzeug angeschafft werden, das sich zum gemeinsamen, fantasievollen Beschäftigen eignet, zum Sprechen anreget, zu zweit oder zu mehreren gespielt werden kann.

Wer möglichst viele Familienmitglieder ins Erziehungsteam holt, bietet dem eigenen Sprössling ein gutes Übungsfeld. Oma, Opa, Tanten und Onkel – je vielfältiger ein Kind schon früh mit verschiedenen Leuten umgeht, desto intensiver trainiert es die eigene Kommunikationsfähigkeit. Auch Besucher können diese Aufgabe übrigens prima erfüllen. Kommt eine Familie zu Gast, lernt das Kind auf andere zuzugehen, sich um sie zu kümmern. Die Erwachsenen dürfen die Kinder dabei ruhig sich selbst überlassen und sollten nur im Konfliktfall einschreiten. Besuche sind eine wichtige Vorstufe für spätere Verabredungen mit anderen Kids. Hier können Kinder – schon bevor sie in den Kindergarten kommen – auf sicherem Terrain das Aufeinander-Zugehen üben. 

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Im Kindergarten wird Kommunikation trainiert – auch das hilft Kindern, soziale Kompetenz zu entwickeln

Etwa mit drei Jahren reicht den meisten Kindern die Kleinfamilie zu Hause nicht mehr aus. Jetzt müssen Kinder her – und zwar möglichst viele. Der Kindergarten wird zum idealen Trainingsfeld. Denn diese Gemeinschaft hat große Vorteile.

Was der eine schon kann, muss der andere noch lernen. Vielleicht hilft ein älteres Kind einem Jüngeren; vielleicht ergänzen sich zwei Gleichaltrige. Der eine ist im Umgang mit Pinsel oder Stift schon sehr sicher, der andere ein Meister im Ausschneiden. Da lässt sich viel zusammen machen.

Die Erzieher unterstützen die Kindergarten-Neulinge in der ersten Team-Phase auf vielfältige Weise, indem sie möglich häufig Situationen schaffen, in denen Teamwork von Vorteil ist: Ob im Kanon singen, Vater-Mutter-Kind-Spiele, Basteln oder Ball spielen – das wäre allein gar nicht möglich. In Rollenspielen erkennen die Kinder selbst: Das macht zusammen richtig Spaß. Hier müssen Erwachsene gar nicht eingreifen.

Je weniger Erwachsene sich ins kindliche Spiel einmischen, desto besser lernen die Kindergartenkinder ihre Konflikte selbst zu lösen. Nur wenn sie gar nicht miteinander klarkommen oder einzelne Kinder gegen die Regeln verstoßen, sollten Erzieher eingreifen. Regeln erleichtern das Zusammenspiel, denn sie zeigen, dass solidarisches Verhalten und kooperatives Bewusstsein schneller zum Ziel führen als Alleingänge. Außerdem lernen die Kinder, dass Absprachen das gemeinsame Spiel vereinfachen und die eigenen Wünsche manchmal zugunsten der Gruppe zurück gestellt werden müssen.

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