Dein Leben-und-erziehen.de-Newsletter

Alles über die Themen Schwangerschaft, Erziehung & Gesundheit

Geschlechterkampf

Warum es super ist, dass Jungs Mädchen doof finden (und umgekehrt)

Im Kindergarten waren Max und Marie noch ein Herz und eine Seele, haben zusammen gespielt, getobt und gebastelt. Und in der Schule? Finden sie sich auf einmal gegenseitig doof und liefern sich Machtkämpfe. So anstrengend die auch für alle Beteiligen sein mögen: Der plötzliche Sinneswandel hat einen verblüffenden Grund.

 

Im Kindergarten galten sie als beste Kumpel. Ob im Sandkasten oder in der Kuschelecke - Max und Marie waren unzertrennlich. Erst als die beiden in die Schule kamen, gingen sie getrennte Wege. Marie verkündete, dass sie jetzt nichts mehr mit Max zu tun haben wolle - weil der ein Junge sei („Jungens sind blöd und hauen“). Max litt keineswegs darunter. Er war inzwischen überzeugt: „Alle Mädchen sind Zicken. Die heulen nur und petzen.“ Zu Maries Geburtstagen kamen von da an ausschließlich Mädchen; Max lud nur noch seine Geschlechtsgenossen ein.

Was ist los mit Kindern wie Marie und Max, die am Ende der Kindergartenzeiten und am  Anfang der Schulzeit plötzlich Feindschaften kultivieren, die ihren Eltern völlig unverständlich sind? Schließlich wurden Kinder wie die beiden keineswegs nach alten Rollenklischees erzogen.

 

Kinder identifizieren sich mit dem eigenen Geschlecht

Die Antwort mag Eltern trösten: Die Kinder entwickeln sich. Psychologen wissen, dass sie sich in diesem Alter mit dem eigenen Geschlecht identifizieren und sich entsprechende Vorbilder suchen. Da liegen Welten zwischen denen der Mädchen und denen der Jungen. Deshalb spielen sie unterschiedlich: Jungen lieben „Spaßkämpfe“, sie rangeln und konkurrieren um Macht und Stärke, während die Mädchen bei Rollenspielen glücklicher sind. Den einen langweilen die Spiele des anderen. Da hilft nur Distanz.

Sich vom anderen Geschlecht abzugrenzen, ist für die Kinder jetzt sehr wichtig, weil diese Kategorisierung Sicherheit gibt. Kinder suchen - genauso wie Erwachsene - nach Unterschieden und Regelmäßigkeiten, um ihren eigenen Platz zu finden. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe Gleichgesinnter macht stark. Beim Geschlecht ist die Zuordnung eindeutig.

Das erklärt auch ein anderes Phänomen, das Verhaltensforscher beobachteten: Je größer eine Gruppe von Kindern ist, desto härter sind die Kämpfe zwischen den Geschlechtern. Wenn Mädchen und Jungen im kritischen Alter doch noch miteinander spielen, dann meist im Privaten zu Hause, während sie sich vor der Klasse keineswegs als Freunde „outen“ dürfen, um nicht ausgelacht zu werden. Zwischen sechs und neun Jahren entstehen erste Schamgefühle.

 

Der Sohn wird seine Meinung bald von alleine ändern

Möglicherweise hat der erste Kampf der Geschlechter auch biologische Ursachen. Wenn Mädchen und Jungen bis in die Pubertät getrennte Wege gehen, ist ihr sexuelles Interesse später größer und somit die Fortpflanzung der Gattung Mensch besser gewährleistet, sagen Wissenschaftler wie die amerikanische Psychologin Eleanor Maccoby. Wäre das nicht der Fall, würden die Kinder - wie Bruder und Schwester - das Interesse aneinander verlieren. Ein Beweis dafür: In China, wo schon Kleinkinder verheiratet werden und zusammen aufwachsen, bleiben die früh geschlossenen Ehen später oft kinderlos. Vielleicht weil Mann und Frau sich so vertraut sind, dass sie kein sexuelles Interesse mehr an ihrem Partner haben.

Eltern brauchen sich deshalb keine Sorge zu machen, dass ihr Sohn später keine Frau findet, wenn er mit seinen acht Jahren verkündet: „Alle Mädchen sind bescheuert.“ Das gehört zur normalen Entwicklung und muss - zwar nicht unbedingt gefördert -, aber ihm auch nicht ausgeredet werden. Es wird nicht mehr lange dauern, bis er seine Meinung von alleine ändert.

 

Teile diesen Artikel: