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Spielzeugwaffen

Jungen verstehen: Warum mein Sohn mit Wasserpistole & Co. spielen soll

Ein neues Buch räumt auf mit Geschlechterklischees im Kindesalter und hilft uns dabei, unsere Jungs besser zu verstehen und sie dadurch angemessener und mitfühlend zu erziehen. Unserer Autorin wird nun klar, dass Spielzeugwaffen ihrem Sohn in seiner Entwicklung keineswegs schaden.

Spielzeug-Pistolen, -Gewehre etc. sind bei uns tabu. Zumindest war das bis jetzt so. Doch dann las ich das Buch "Jungen verstehen" von Hans Hopf. Eine große Angst, die viele von uns Eltern und auch Erzieher plagt, kann der Autor uns nehmen: "Jungen werden nicht automatisch gewalttätig, wenn sie mit Spielzeugwaffen spielen!" Vielmehr begeben sie sich in eine Fantasiewelt, um im Spiel die Welt zu erobern.

"Noch nie wurde ein Krieg darum begonnen, weil Diktatoren als Kinder zu viel mit Wasserpistolen gespielt haben." Spielen helfe sogar, Aggressionen zu verstehen und besser zu bewältigen. Zudem sei es wichtig, dass Jungen zeigen dürfen, dass sie Jungen sind – und dazu gehört auch, dass sie mit einer Spielzeugwaffe als Symbol verdeutlichen, dass sie wichtig sind. Da überdenke ich wohl unser Spielzeugwaffen-Verbot besser noch mal.

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Ohnehin schüren Verbote oft eher noch den Reiz, als dass sie irgendetwas bringen. Warum also nicht lieber gleich auf einer verständnisvollen Ebene erziehen. Wenn das nur immer so einfach wäre ...

Wir als Eltern müssen nicht per se Angst vor Aggressionen bei unseren Kindern haben. Aggression ist ein Stück weit normal, wichtig und sogar lebenserhaltend, solange sie nicht in Destruktivität (die negative Form der Aggression) abrutscht.

"Ängstliche Kinder sind so gut wie immer aggressionsgehemmt und wenden Aggressionen gegen sich selbst", so Hans Hopf in seinem Buch. Dies zeigt also nochmals, dass wir positive Aggressionen bei unseren Kindern nicht ausbremsen, sondern sogar fördern sollten.

Wichtig für die Entwicklung von Jungen sei dabei, "dass sie einen Vater erleben, der ihre aggressiven Tendenzen und Fantasien begrenzt". Eine gewaltfreie Erziehung ist die wichtigste Grundlage und minimiert die Gefahr, dass der Sprössling später gewalttätig wird, enorm.

Jungen verstehen

Schwierig oder nachteilig für unsere Jungen ist, dass in der Öffentlichkeit häufig männliche Vorbilder fehlen. Ob Kita oder Schule (vor allem in der Grundschule) – in den meisten Fällen sind diese Einrichtungen von weiblichen Erziehern und Lehrern dominiert. Und dann bilden die Jungen automatisch einen Gegenpol zum weiblich-ruhigen Verhalten.

Wären hier mehr Männer präsent, könnten sie die Jungs unterstützen, ihr teils unruhiges, unbeherrschtes und unaufmerksames Wesen in die richtigen Bahnen zu lenken. Doch in vielen Fällen sieht das Schulsystem keine Förderung der einzelnen Geschlechter vor. Und das trägt wiederum dazu bei, dass vor allem Jungs keine angemessenen Möglichkeiten bekommen, sich zu entwickeln und dadurch im Prinzip benachteiligt sind.

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Vorsicht bei der Diagnose ADHS

Leider geht die Entwicklung der letzten Jahre zunehmend in die Richtung, dass gerade bei aktiven, wilden Jungs immer häufiger die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) diagnositiziert wird und Ärzte überschnell Medikamente verordnen.

Während die Eltern froh sind zu hören, dass es sich um eine biologische Ursache handelt und das störende Verhalten nicht etwa an ihrer Erziehung liegt, und Kinder- und Jugendpsychiater sich freuen, dass ein Medikament zur Verfügung steht, das schnelle Besserung verspricht, fallen Temperamentsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen komplett hintenüber. Da Jungen im Allgemeinen bewegungsfreudiger als Mädchen sind, erhalten sie öfter die Diagnose ADHS.

Dabei liegt das viel zu häufig daran, dass Bezugspersonen eine unterschiedliche und sehr subjektive Toleranzgrenze haben, was störendes Verhalten angeht. So besteht die Gefahr, dass Kinder und vor allem Jungen fälschlicherweise die ADHS-Diagnose erhalten und unnötigerweise medikamentös eingestellt werden. Hier sollten Lehrer, aber auch wir als Eltern wachsam sein und eine solche Diagnose durchaus kritisch hinterfragen.

Oftmals gibt es ganz andere Wege, wie wir unseren Nachwuchs optimal fördern können – zum Beispiel mit einer großen Portion Verständnis, Liebe und emotionaler Unterstützung. Und auch dadurch, dass wir unsere Söhne einfach Jungs sein und durchaus mit Spielzeugwaffen hantieren lassen, damit sie sich spielerisch in ihrer Männlichkeit beweisen können.

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Unser Buch-Tipp

Hans Hopf: "Jungen verstehen", 20 Euro, klett-cotta.de/fachbuch

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Content Management.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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