Wütendes Kind nicht ablenken
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Bei einem Trotz- oder Wutanfall sollten wir unsere Kinder nicht einfach ablenken.

Manchmal könnte man sich direkt fragen, für wen ein Wutanfall eigentlich anstrengender ist – für uns Eltern, oder für das Kind selbst. Fakt ist: Ein Wutanfall steht immer stellvertretend für ein Bedürfnis. Auch wenn das im ersten Moment oft schwer zu erkennen ist ...

Euer Kleinkind hat einen Wutanfall? Bitte lenkt es nicht einfach ab!

Kinder haben immer einen Grund für ihr Verhalten. Es kann sein, dass sie sich einfach nicht verstanden fühlen. Oder dass sie sich etwas wünschen, was sie gerade nicht haben können. Oder dass sie gerne schon selbstständiger sein würden, das aber noch nicht schaffen. Oder einfach nur überfordert sind. Warum wir Kinder bei einem Wutanfall nicht einfach ablenken sollten, beschreibt Eltern-Coach Marcela Collier eindrücklich in ihrem folgenden Tiktok-Clip: 

"Mama rannte um die Kücheninsel, um ihr Kind abzulenken"

Marcela erzählt von einem Video, in dem eine Mutter immer und immer wieder um eine Kücheninsel rannte, um ihr Kleinkind von dessen Wutanfall abzulenken. Das sei etwas ganz anderes, als ein Kind bei einem Wutanfall zu beruhigen, stellt Marcela im oben gezeigten Video fest. Ja, der "Erfolg" stellte sich zwar ein, und das Kind musste sogar etwas anfangen zu lachen, aber was tatsächlich passierte, war Folgendes: Die Mutter zeigte ihrem Kind, dass es nicht auf seine Gefühle hören müsse, sondern sich einfach ablenken könne. Der Fokus lag dabei darauf, dass die Mutter ihre Runden drehte, nicht auf den tatsächlichen Gefühlen und Bedürfnissen des Kindes.

Gefühle müssen gefühlt werden

Dem Kind wird also gezeigt, dass es seine Gefühle nicht fühlen muss, sondern sich einfach ablenken kann. Natürlich ist dies aber keine adäquate Lösung, um mit Problemen umzugehen. Sicher werde es nicht zwangsläufig und in jedem Fall dazu kommen, doch ein solches elterliches Verhalten könne Kindern zeigen, dass sie sich auch als Erwachsene bei Problemen einfach ablenken sollten. Das könne dazu führen, dass sie sich aus Frust beispielsweise in Arbeit stürzen oder sich anderweitig (ungesund) ablenken bzw. ihre Gefühle zu betäuben versuchen. Und das ist sicher nicht das, was wir unseren Kindern vermitteln wollen.

Der einfache Weg ist nicht immer der beste

Denn auch, wenn es im ersten Moment der schwierigere Weg ist, ist es wichtig, dass Kinder lernen, ihre Gefühle auszuhalten. Tatsächlich sind sie darin oft gar nicht schlecht – vielmehr fällt es uns als Eltern oft unheimlich schwer, mit den ausgeprägten (und schnell wechselnden) Gefühlen unserer Kinder klarzukommen. Doch wenn wir sie liebe- und verständnisvoll begleiten und sie dadurch lernen, dass alle Gefühle in Ordnung sind, ausgehalten werden können und auch wieder vergehen, geben wir ihnen ein großes Geschenk fürs Leben mit. 

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