"Strullerlisel", "Piller" und "Mumu"

Geschlechtsteile lieber richtig benennen: Wieso bringen wir Kindern diese Begriffe bei?

Wenn es nach dem Vokabular unserer Kinder geht, dann haben wir alle keine Vulven und Penisse zwischen den Beinen. Stattdessen regieren "Pieschis", "Pillermänner" und "Mumus" den Sprachgebrauch. Wir präsentieren: die verrücktesten Namensgebungen für die Geschlechtsteile! Und den wichtigen Grund dafür, Penis und Vulva vor unseren Kindern einfach beim Namen zu nennen.

Es gibt unzählige Worte, die ich meinen Kindern aus Bilderbüchern vorgelesen habe. Worte, die sie für ihren Alltag brauchen und die sie täglich nutzen, wie "Haus" oder "Ball"oder "Teller" und "Löffel". Und Worte, die sie ohne die Bücher vermutlich von mir niemals gelernt hätten, wie "Betonmischmaschine" und "Mini-Bagger mit Raupenketten" oder "Diplodocus" und "Archaeopteryx".

Wieso gibt es in Bilderbüchern keine Penisse?

Doch es gibt Worte, die tauchen in keinem unserer zahlreichen Bilderbücher auf. Interessanterweise nicht einmal in denen, die sich mit dem menschlichen Körper befassen. Ähnlich wie Schimpfworte werden sie – zumindest in meiner persönlichen Wahrnehmung – einfach aus dem Vokabular gestrichen, solange die Zielgruppe im Kita- oder Grundschulalter ist. Ich rede von den Bezeichnungen für die menschlichen Geschlechtsteile: Wieso tauchen die Worte "Penis" und "Vulva" in kaum einem Kinderbuch auf? Es muss ja nicht gleich eine ganzseitige, anatomisch korrekte Abbildung sein. Aber warum verweigern die meisten Kinderbuchverlage unseren Kindern das Erlernen dieser so wichtigen Vokabeln?

Was genau ist eigentlich eine Vulva?

Ich habe eine Theorie. Der Hauptgrund für das Fehlen dieser Begriffe in Kinderbüchern ist die Tatsache, dass nicht nur die Verlage, sondern auch die Zielgruppe – also wir Eltern – noch immer ein Problem mit ihnen haben. (Was höchstwahrscheinlich wiederum daran liegt, dass auch unsere Eltern sie uns nie richtig beigebracht haben. Und deren Eltern ihnen. Und so weiter ... ) Viele von uns vermeiden es, Worte wie "Penis" oder "Vulva" in der Öffentlichkeit auszusprechen. Und wenn wir ehrlich sind: Die meisten von uns können bis heute nicht den Unterschied zwischen Vulva, Vagina und Scheide erklären (da fasse ich mir übrigens an die eigene Nase, ich hab’s für diesen Text auch nochmal gegoogelt: Die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane werden als Vulva bezeichnet, die Vagina (oder auf Deutsch: Scheide) bezeichnet das innenliegende Geschlechtsorgan – also das, was man nicht sehen kann). Wenn wir also diese Worte schon nicht korrekt (oder gar nicht!) verwenden, wie sollen es da unsere Kinder richtig lernen? Und vor allem: Was sagen sie stattdessen?

Ich habe mich umgehört. In der Kita-Garderobe, auf dem Schulhof, beim Kindersport. Und vor allem: im Internet. Ich selbst kannte ja schon ausgefallene Bezeichnungen für "das da unten". Doch meine kleine Umfrage hat alles, was ich an Absurditäten bereits zu Ohren bekommen hatte, in den Schatten gestellt. Bereit? Hier kommen die gängigsten, die kuriosesten und die witzigsten Bezeichnungen, die wir unseren Kindern für ihre eigenen Körperteile beibringen

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Die Babysprache

"Mumu", "Lulu", "Pilli" und "Mimi" – das Aneinanderreihen von Silben gehört zur Kommunikation mit Säuglingen zwar dazu. Doch genauso wie wir zum Essen irgendwann auch nicht mehr "Happa" sagen, sollten wir diese Begriffe auch nicht für die Geschlechtsteile beibehalten, oder?

Die Verniedlichungen

"Pipimann" oder "Pullermann" haben wir alle wohl schonmal gehört. Auch "Schniepel" und "Schniedelwutz" sind einem geläufig. Neu für mich waren "Schnullimann", "Pullimann" und "Strullerlisel". Letzteres kommt wohl aus dem Isländischen – man lernt ja nie aus!

Die Gegenstände

Woran denkt ihr, wenn von "Brötchen", "Schmuckkästchen" oder einer "Vitrine" die Rede ist? Einfach nur an Gebäck, eine Holzschatulle oder ein Möbelstück? Ab heute nicht mehr, denn nun sind diese Begriffe für alle, die diese Zeilen gerade lesen, für immer mit einer Doppelbedeutung belegt – es tut mir leid.

Die Vornamen

Ob "Philipp" oder "Kleiner Klaus": Dem Penis eines Kindes einen Vornamen zu geben, finde ich besonders schwierig. Was geschieht, wenn das Kind einmal einen Lehrer namens Klaus bekommt? Oder einen Freund namens Philipp kennenlernt? Dasselbe gilt natürlich für "Uschi" oder jeden anderen weiblichen Vornamen für die Vulva.

Die Tiernamen

"Schnecke" für die Vulva, "Lachs" (!!!) für den Penis?!? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn es schon Tiernamen sein müssen, können wir uns dann nicht wenigstens auf was Niedliches einigen?

Buchtipp

Wer seinen Kindern die Worte "Vulva", "Vagina" und "Scheide" ganz genau erklären möchte, dem kann ich das Buch "Lina, die Entdeckerin", z. B. via Amazon* gebundene Ausgabe 22 Euro, ans Herz legen!

Die absolute Verwirrung

Diese Info hat mich wirklich fertig gemacht: Anscheinend gibt es Eltern, die zum Penis "Pipi" sagen. Und aus dem "Pipi" kommt dann das Pipi raus? Ganz im Ernst: Das verwirrt mich sogar noch als 38-Jährige, wie soll da ein Kita-Kind durchsteigen?

Die Verfremdung

Spannend fand ich auch den Begriff "kleiner Nachbar" für den Penis. Klingt fast so, als würde er gar nicht richtig zum Körper gehören – schließlich ist er nur zu Besuch. Aber wohin geht er, wenn er nach Hause will?

Die persönlichen Spitznamen

"Schnidelwitzki", "Schnieptröte", "Biebermann", "Schummililli" und mein absoluter Favorit: "Vorderpopo"! Ich könnte noch lange so weitermachen – denn auf meine Frage nach den kuriosesten Namen für "das da unten" haben sich dankenswerter Weise viele Twitter-User mit ganz individuellen Bezeichnungen gemeldet, die sie entweder irgendwo gehört oder selbst als Kind verwendet haben. (Wer noch weitere spannende Begriffe beizutragen hat, kann sich herzlich gern an dieser Sammlung beteiligen!)  

Wie wichtig ist die korrekte Bezeichnung?

Ich gebe zu: Bei meiner Online-Recherche kamen mir mehrfach die Lachtränen – und eigentlich sind diese Begriffe viel zu lustig, um sie unseren Kindern nicht beizubringen. In den meisten Fällen ist es auch harmlos, sie zu verwenden. Doch tatsächlich hat die korrekte Bezeichnung sämtlicher Körperteile einen wichtigen, ernsten Hintergrund: Im schlimmsten, hoffentlich niemals eintretenden Fall sind wir als Eltern sofort alarmiert, wenn unser Kind uns erzählt, dass jemand seinen Penis oder die Vulva berührt hat. Bei einem allzu abwegigen Pseudonym kann ein wichtiges Warnsignal schon einmal unter den Tisch fallen. Oder würdet ihr sofort reagieren, wenn ein Kind euch erzählt, dass Jemand heute sein "Brötchen" angefasst oder "den Philipp" gestreichelt hat?

Kinder sind durchaus in der Lage und interessiert daran, zahlreiche Vokabeln zu lernen, um die Dinge absolut akkurat zu benennen. Das beweisen sie uns regelmäßig mit ihrem Wissen über Baustellen-Fahrzeuge, Dinosaurier-Arten oder Pokémon-Karten. Also lasst uns ihnen dieselbe Chance geben, wenn es um ihre eigenen Körperteile geht! Im besten Fall wachsen sie so zu Menschen heran, denen Worte wie Vulva, Penis und Vagina genauso einfach über die Lippen kommen wie Ball, Teller oder Mini-Bagger mit Raupenketten – und unserer Generation damit einen großen, wichtigen Schritt voraus sind.

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