Natural-Born-Quatschmacher

Wie Kinder Humor entwicklen

Quatsch mit Soße mögen Kinder in etwa so gern wie Eis mit Gummibärchen. Denn Lachen ist gesund! Kinder spüren das und finden das Leben viel lustiger als die Großen. Unsere Autorin erklärt, warum die Kleinen mehr lachen – und mit ihren Eltern humortechnisch oft nicht auf einer Wellenlänge liegen.

Kinder haben noch unfassbar viel zu lachen. Sie gackern viele Hundert Mal am Tag. Über alles und jeden. Wir Großen können im Schnitt am Tag noch so 20-mal lachen, wenn es gut läuft. Die lustigste Quelle dafür sind bei Groß und Klein zwischenmenschliche Interaktionen. Kein Wunder, dass Kinder da mehr Spaß haben. Kita und Schule bieten mehr Möglichkeiten als Einzelbüro oder Homeoffice. Lachen ist sozialer Kitt, wir können damit Freundschaften und Beziehungen stärken, Situationen entschärfen und wunderbare Erinnerungen schaffen.

Am meisten gackern die Dreijährigen

Lächeln können Babys ab etwa zwölf Wochen. Die Voraussetzung für Humor entwickelt sich bei Kindern dann ab dem ersten bis zweiten Lebensjahr. Die Humorkompetenz an sich basiert auf dem Erkennen von Widersprüchen und der Fähigkeit, eine andere Perspektive einzunehmen. Am meisten haben wir in unserem Leben übrigens als Dreijährige zu lachen. Sehr oft über all das, was nicht wirklich zusammenpasst: das Pferd, das bellt, die Tasse, die auf dem Kopf steht, kleine Missgeschicke im Alltag und lustige Tiervideos. Später kommen noch Grimassen dazu, Streiche spielen, Freude an unerwarteten Dingen und andere zu erschrecken. Buh! Schulkinder lieben Rätselfragen und Sprachwitz à la "Alle Kinder fahren mit dem Panzer, nur nicht Gunter, der liegt drunter". 

Humor macht Kinder sozial kompatibel

Im Grunde können wir mehr Humor von unseren Kindern lernen als umgekehrt, denn Kinder sehen im Alltag viel mehr witzige Dinge, sie abstrahieren, übertreiben, sind albern und einfach Natural-Born-Quatschmacher. Das sollten wir fördern, denn Humor unterstützt ihren Ideenreichtum, ihre Kreativität und ihre soziale Kompetenz. Und noch besser: Wo gelacht wird, lernt man nicht nur leichter, sondern auch schneller. Apropos: Die Bonuspunkte eines ordentlichen Lachflashs gelten natürlich für jedes Alter: Lachen baut Stress ab, mindert Schmerzen und bringt die Seele ins Gleichgewicht. Schon Bugs Bunny wusste: "Ja, Freunde, Lachen ist gesund."

Ironie kommt bei den Kleinen (noch) nicht an

Kindlichen Humor muss man nicht immer verstehen, es gibt dabei auch für uns so allerlei halblustige Phasen, etwa Kacka- und Pups-Witze. Hier gilt es, heitere Gelassenheit zu bewahren, denn das Tabu-Scherzen ist völlig normal. Kinder verarbeiten neue Erfahrungen über Humor. Als Kleinkind das Trockenwerden, in der Schulzeit die Lernerfahrung über Klein-Fritzchen-Witze, der ja gern unwissend bis dumm dargestellt wird. Einschreiten sollte man nur, wo andere verletzt werden, da hört der Spaß auf. Grenzen des Humors sind auch für Kinder erlernbar. Selbst ausgelacht zu werden ist für sie ja auch keine witzige Erfahrung.

Ironie oder gar Sarkasmus können Kinder etwa ab dem achten Lebensjahr verstehen. Ist in einer Familie Ironie aber die zweite Amtssprache, geht das auch früher. Manchmal sind sogar Fünfjährige schon zu beachtlicher Ironie fähig. Wir sollten jedoch lieber eine klare Sprache bevorzugen. Zerstört mein Sohn ein Spielzeug, und ich sage zu ihm: "Super, das hast du ja toll hinbekommen", wird er die Ironie nicht erkennen. Widersprüchliche Appelle können Kleinkinder nachhaltig verwirren. Denn Ironie ist für sie wie Lügen, das Gesagte stimmt ja offenkundig nicht. Wir bringen ihnen aber bei: Lügen ist nicht gut. Das "lustige Lügen" ist für Kinder unter fünf Jahren also noch zu komplex. Bei Schulkindern gibt es große Unterschiede, was das Verständnis und die Anwendung von Ironie angeht. Hier hängt es davon ab, wie sehr sie damit im Elternhaus konfrontiert wurden.

Witze ändern sich mit den Jahren

Humor entwickelt sich über die Jahre. Kinder finden die Komik von Erwachsenen meist nicht witzig. Wer sich mal erinnert: Meine Eltern haben sich über Monty Python schlappgelacht, und ich habe als Kind wirklich nicht kapiert, warum. Humor befindet sich stets im Wandel; was Komiker vor 30 Jahren auf der Bühne erzählten, ruft heute nicht mal mehr ein müdes Lächeln hervor. Was klar ist, denn die gesellschaftlichen Verhältnisse sind ja auch andere. Zum Abschluss hier noch mein Lieblingswitz, über den ich wiederum schon seit Jahrzehnten lache:

Kommt ein Mann zum Arzt. Sagt der Mann: "Herr Doktor, Herr Doktor, jeder ignoriert mich." Sagt der Arzt: "Der Nächste, bitte ..."

Autorin: Carmen Schütt

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