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Kindern mit Handicap das Leben leichter machen

Spaß statt Mitleid

Gelähmt, ein schwaches Herz oder gehbehindert – Kinder mit Handicap sind auf viel Hilfe angewiesen. Zum Glück gibt es Menschen mit ganz besonderen Ideen, die anpacken, statt diese Kinder nur zu bemitleiden. Wir stellen ein Unternehmen, einen Verein und eine Privatperson vor, die behinderten Kindern und ihren Eltern das Leben ein wenig leichter machen.

Nicole Sarripapazidis nennt ihre eigene Idee "verrückt". Mehr sogar: Es sei "die verrückteste Idee, die ich je hatte". Die Mutter zweier Kinder näht individuell gestaltete Puppen mit Handicap, Behinderung oder anderen Einschränkungen. Die "Nicoletta´s Handicap Dolls" tragen zum Beispiel Schienen, eine Magensonde oder haben einen Herzfehler – sichtbar gemacht durch ein großes, auf die Brust genähtes Herz mit Narbe. Dabei sehen die Puppen ihren jungen Besitzern und Besitzerinnen auch in jeder anderen Hinsicht so ähnlich wie möglich: Sie haben dieselbe Augen- und Haarfarbe, die Lieblingsfrisur und den gleichen Kleidungsstil. Als "Little Me" bezeichnet Nicole Sarripapazidis die Puppen auch; ein Doppelgänger im Miniformat. Der Gedanke dahinter: "Die Kinder spüren, dass sie nicht mehr allein auf der Welt sind mit ihrem Handicap", erklärt die 39-jährige. 

Die Kuschel-Puppen sind Seelentröster

Auf dem regulären Spielzeugmarkt wird man bislang kaum fündig: "Es gibt eine Barbie, die im Rollstuhl sitzt, eine Playmobil-Figur, die ein Gipsbein trägt, doch das war es dann auch schon." Mit ihren einzigartigen Puppen aber kann Nicole Sarripapazidis wirklich jede Besonderheit abbilden. Und das ist gerade für Kinder sehr wertvoll. Denn Kuscheltiere spielen im Leben der Kinder ohnehin eine ganz besondere Rolle: Sie sind die ersten selbst gewählten Freunde, gleichzeitig Tröster und ständige Begleiter. Ein Stofffreund, der genauso aussieht wie sein Besitzer oder seine Besitzerin, vermittelt zusätzliche Sicherheit und Geborgenheit: "Endlich ist jemand da, der genauso ist wie sie selbst. So lernen die Kids von Anfang an sich leichter mit ihrer Behinderung anzufreunden, sie zu akzeptieren und sich mit ihrem Selbst zu identifizieren", weiß Nicole Sarripapazidis.

Der wundervolle Nebeneffekt: Ein "Little Me" steigert ganz automatisch Selbstbewusstsein und seelische Widerstandsfähigkeit seines Besitzers oder seiner Besitzerin. Warum also bezeichnet die Erfinderin dieser großartigen Puppen ihre eigene Idee als "verrückt"? Ganz einfach: "Ich konnte noch nie in meinem Leben nähen. Ich bin Linkshänderin und habe es nie kapiert." Trotzdem hat sie es geschafft, sich erfolgreich mit der Nähmaschine anzufreunden. Ein Glück!

Alle Infos unter nicolettas-handicap-dolls.de 

 

 

"Tauscht einsam gegen gemeinsam"

"REHA-Kids" heißt der Katalog der Firma Hase Bikes. Beim Durchblättern muss man ganz genau hinschauen, um zu erkennen, dass es hier um Produkte für Kinder mit Handicap geht: Der Schriftzug "Born to be child" prangt auf dem Cover des Kataloges. Auf einer Doppelseite gruppiert sich eine coole Teenie-Clique auf ihren Bikes. Ein wenig schwingt die coole "Stranger Things"-Anmut mit. In der Mitte der Gruppe: ein Junge in einem Liege-Trike. "Wer mit anderen auf Augenhöhe sein möchte, kann sich tieferlegen lassen", steht daneben, und an einer anderen Stelle die Aufforderung: "Tauscht drinnen gegen draußen, einsam gegen gemeinsam!"

Die Idee hinter den Liege-Fahrrädern der Firma: Die Trikes haben einen besonders tiefen Schwerpunkt. Das macht sie kippsicher und besonders wendig – und ermöglicht es laut Hersteller, "dass man sogar mit schweren Handicaps ganz vorne mitmischen kann und dabei auch noch verdammt cool aussieht". 

Liege-Trikes lassen sich besonders intuitiv fahren, weil das Kind die eigenen Beine dabei immer im Blick hat. Damit die Füße nicht abrutschen, sind die Pedale mit Haken und Riemen versehen. Hase Bikes bietet verschiedene Modelle für Kinder mit einer Körpergröße von etwa einem Meter an. Durch die komfortable Bedienbarkeit und die hohen Sicherheitsfeatures sowie eine Vielzahl an technischen Sonderlösungen ist das Fahren selbst bei schweren körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen möglich. Kinder, die kaum alleine laufen können, erfahren danke dieser Bikes "den Wind im Haar, den Kick im Kopf, das Kitzeln im Bauch bei der Beschleunigung." Spaß und Selbstbewusstsein durch Radfahren – eine großartige Idee, finden wir!

Alle Infos unter hasebikes.com

 

 

Mobilität für Minis

Gehbehinderte Kinder erhalten in der Regel erst ab einem Alter von zwei Jahren einen Rollstuhl durch die Krankenkassen. Zu spät für die kindliche Entwicklung, finden die Mitglieder des Vereins Lina's Rolli's e.V.: Gesunde Kinder beginnen mit etwa zehn Monaten zu krabbeln, bald folgen erste Gehversuche. Sie entdecken, erforschen und erkunden ihre Umgebung auf eigene Faust. Diese wichtigen Entwicklungsstufen sind gehbehinderten Kindern so nicht möglich. Die Kinder liegen meist an ein und derselben Stelle, oder sie sitzen in einem Stuhl oder in einem "Reha-Buggy". Sie können sich nicht eigenständig bewegen und dabei ihr Zuhause erkunden, keine Schränke öffnen oder Schubladen ausräumen. Dadurch können sie auch ihre Muskeln nicht angemessen trainieren. Zu alledem ist ihr Sehbereich meist auf die Zimmerdecke oder einen anderen festen Bereich beschränkt. Um diese Lücke zu schließen, baut der Verein Lina's Rolli´s e.V. "Mini-Rollis" für gehbehinderte Kleinkinder im Alter von 10 bis 36 Monate einfach selbst. Die "Rollis" sind kostenfrei und werden nach einem eigenen Wartelisten-Verfahren vergeben. Wächst ein Kind aus dem Sitz heraus, wird der Rolli weitergegeben. 

Der selbstgebaute „Lina-Rolli“ macht Kinder mobil: Sie trainieren darin Rücken- und Armmuskeln, entwickeln Entdeckergeist und verbessern ihr räumliches Sehen. Außerdem ermöglicht der fahrbare Untersatz mehr Kontakt mit gleichaltrigen Kindern, wodurch die sozialen Kompetenzen ausgebaut werden. Und: Das Kind erlernt schon früh die unterschiedlichen Manöver mit einem Rollstuhl, wodurch der Umstieg auf einen „großen“ Rollstuhl durch die Krankenkasse dann einfacher fällt.

Jeder Rolli wird in Handarbeit zusammengebaut. Die Materialkosten in Höhe von 110 Euro werden durch Spenden finanziert. Die betroffenen Familien zahlen nur die Versand- und Verpackungskosten. Eine unterstützenswerte Idee, bei der jede Spende gut aufgehoben ist.

Alle Infos unter linasrollis.de

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei wireltern.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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