Übernachtungspartys

Ist es fahrlässig, wenn Kinder woanders übernachten dürfen?

In einem Tiktok-Video erzählte eine Mutter, ihre Kids dürften nicht bei Freunden übernachten. Die Diskussion darunter ging heiß her – doch die Erklärung dazu brachte viele zum Nachdenken, auch mich.

Bei der besten Freundin zu übernachten, gehört für viele zur Kindheit einfach dazu.
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Bei der besten Freundin zu übernachten, gehört für viele zur Kindheit einfach dazu.

Die Theorie klingt herrlich: Das Kind schläft bei einem Freund oder einer Freundin, hat dabei einen Heidenspaß und die Eltern einen Abend für sich. Sie können durch- und ausschlafen und auch noch in Ruhe frühstücken. Wellness pur, oder?!

Meine Tochter durfte mit ihren vier Jahren schon häufiger bei den Großeltern übernachten, kürzlich war erstmals ihre Cousine über Nacht bei uns. Würde meine Tochter nicht so durchwachsen schlafen, wäre es auch andersherum kein Thema. Übernachtungspartys sind schließlich eine aufregende Sache und gehören doch zum Großwerden irgendwie dazu, oder?

Mutter löst mit ihrem Video hitzige Diskussionen aus

Tara Huck ist Mutter und hält so gar nichts von Übernachtungspartys. Ihre Ansage ist klar und deutlich: "Ich erlaube keine Übernachtungen." Das verriet sie in einem Video auf ihrem Tiktok-Kanal, das sie später auch auf Instagram veröffentlichte. Obwohl das Video nur wenige Sekunden lang ist, wird seit Monaten im Netz darüber diskutiert. Eigentlich geht es darin allgemein um Dinge, die sie anders als andere Eltern sieht. Dazu gehören neben dem Übernachtungsverbot auch, dass sie die Bildschirmzeit nicht einschränkt, wenn alle Schul- und Hausarbeiten erledigt sind und ihre Kinder, wenn sie das gekochte Essen verschmähen, eben gar nichts essen.

Casus knaxus ist aber das Thema Übernachten. Tara selbst sagt in einem Interview, das Buzzfeed später mit ihr führte, dass weder ihre Kinder auswärts noch andere Kinder bei ihr schlafen dürften. "Es geht um Waffen, sexuelle Übergriffe, Drogen, Mobbing", erzählt sie, "Kinder sind am verletzlichsten, wenn sie schlafen. Ich möchte ihre Sicherheit nicht riskieren, nur weil sie bei jemand anderem schlafen. Ich versuche nur einen kleinen Faktor auszuschalten, der ihnen schaden könnte."

Viel Zustimmung für Übernachtungsverbot

Viele User stellen Taras Meinung in Frage. Sie sind sich einig: Übernachtungen sind wichtig für Kinder, unterstützen ihre Selbstständigkeit und sorgen zudem dafür, dass sich die Freundschaften festigen. Doch (für mich) überraschend viele Personen teilen Taras Ansicht:

  • "Hier gibt es auch kein Übernachtungen! Ich wünschte, wir könnten jedem vertrauen, aber nicht jeder ist vertrauenswürdig."
  • "Ich kann dir das mit den Übernachtungen auch nicht verübeln, es können schlimme Dinge passieren ... ist mir als Kind auch passiert. Man weiß einfach nie."
  • "Mein Vater hat uns nie erlaubt, ins Kirchencamp zu fahren. Er sagte: 'Perverse verstecken sich in Kirchen.'"
  • "Als ich 10 Jahre alt war, wollte meine Freundin, dass wir beide im Bett ihres Vaters schlafen. Er wollte, dass ich ihm einen Gutenachtkuss gebe. Da bin nach Hause gerannt."
  • "Ich habe 5 Töchter großgezogen – ohne Übernachtungen! Nach ihrer Hochzeit durften sie zum ersten Mal auswärts schlafen!"

Müssen Eltern die Kontrolle abgeben?

Zugegeben, ich bin hin- und hergerissen, was ich davon halte. Ich verstehe den Standpunkt und habe diesen Punkt bisher tatsächlich nicht bedacht. Vielleicht aber auch, weil ich meine Tochter mit ihren vier Jahren generell noch zu jung finde, um bei Familien zu schlafen, die ich nicht gut kenne. Sie hat einige Freunde, bei denen ich sie wohl auch jetzt schon schlafen lassen würde. Das sind aber auch meine Freunde, denen ich genauso vertraue wie meiner Familie. Mit Übernachtungen bei Freunden, deren Familie ich selbst nicht gut kenne, wird sie aber noch warten müssen. Grundsätzlich verbieten würde ich sie aber nicht.

Eine 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben, die Täter stammen ja bekanntermaßen oft aus dem unmittelbaren Umfeld und ich möchte einfach nicht alles und jeden unter Generalverdacht stellen. Eine gesunde Portion Vorsicht ist sicher nicht verkehrt, aber es gibt so viele Gefahren im Leben, vor denen wir unsere Kinder nicht allesamt schützen können.

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