Einfach machen lassen

13 Dinge, die ihr eurem Kind ruhig mal durchgehen lassen könnt

Spielsachen in der ganzen Wohnung verteilt liegen lassen, über eine schmale Mauer balancieren, Nein sagen ... Bestimmte Dinge sollten unsere Kinder ruhig dürfen, um sich gut zu entwickeln.

Wir alle wissen: Kinder in der Autonomiephase können ganz schön anstrengend sein. Sie wollen im Schlafanzug in die Kita gehen, zwei verschiedene Socken anziehen und auf keinen Fall dieses bestimmte Brot essen. Da kann es schon mal hoch her gehen, wenn wir versuchen, das Chaos zu vermeiden und die Kontrolle zu behalten. Aber wusstet ihr, dass es für Kinder wichtig und gesund ist, sie einfach mal machen zu lassen? Ihnen nicht alles vorzugeben, sondern auch einfach mal abzuwarten, was passiert? Natürlich müssen wir eingreifen, bevor etwas gefährlich wird oder sie sich oder anderen wehtun, aber sich ausprobieren zu können ist für Kinder in ihrer Entwicklung ganz entscheidend. Wir haben ein paar Punkte aufgelistet, bei denen ihr ruhig mal ein Auge zudrücken könnt:

Das können wir die Kleinen ruhig machen lassen:

  • Hört auf, eurem Kind wie ein Schatten hinterherzulaufen und ständig "Vorsicht!", "Pass auf!" oder "Achtung!" zu rufen – alles verhindern könnt ihr eh nicht. Natürlich haben wir einen starken Drang, unsere Kinder zu beschützen, aber man kann es auch übertreiben – vor allem wenn tatsächlich gerade kein oder nur ein sehr geringes Risiko besteht. Wenn Kinder sich etwas trauen und auch mal ein (kleines) Risiko eingehen, kann das sogar dabei helfen, Selbstvertrauen und Widerstandsfähigkeit zu entwickeln. Sie lernen darüber ihre Welt kennen und auch, wie sie sich in ihr verhalten und mit bestimmten Situationen umgehen. Da sollten sie nicht alles vorgegeben bekommen. Also lasst sie herumtollen, schaukeln, springen, rutschen – und tröstet sie, wenn mal etwas schiefgeht.
  • Kinder dürfen weinen! Bitte verbietet eurem Kind nicht zu weinen und lacht auch nicht darüber. Für Kinder sind viele Empfindungen sehr intensiv, was ja eigentlich toll ist. Sie sollten erfahren, dass alle Gefühle normal sind und sie bei euch sein können, wie sie sind. Sie dürfen auch wütend sein oder andere Gefühle zeigen, die allgemeinhin als "negativ" bezeichnet werden. Sie solten ihre Gefühle nicht unterdrücken oder verstecken müssen. Eure Kinder fühlen sich bei euch aufgehoben und sicher, wenn ihr für sie da seid und vielleicht gemeinsam versucht, einen Weg zu finden, mit einer schwierigen Situation umzugehen.
  • Kinder dürfen auch mal Angst haben. Ihr könnt ihnen zeigen, dass ihr für euer Kind da seid. Aber redet ihnen nicht ihre Angst aus, sondern findet gemeinsam Wege, damit umzugehen.
  • Gebt euren Kindern Raum für Unabhängigkeit. In einer sicheren Umgebung müsst ihr nicht immer nur eine Armeslänge von eurem kleinen Schatz entfernt sein. Lasst Kleinkinder selbst – im geschützen Rahmen – ihre Autonomie ausleben. Wenn ihr sie auch mal alleine (zum Beispiel innerhalb der kindersicheren Wohnung) ziehen lasst, werden sie ganz von alleine schon bald zu euch zurückkommen. Und sich zwischendurch darin üben, geduldig und selbstbewusst zu werden.
  • Größere Kinder dürfen auch Geheimnisse haben. Klar solltet ihr über ihr Leben Bescheid wissen, gleichzeitig aber ihre Privatsphäre schätzen und wahren. Missbraucht nicht ihr Vertrauen, indem ihr beispielsweise das Tagebuch eures Kindes lest.
  • Kinder lieben es zu matschen. Und zwar nicht nur mit den Händen, sondern durchaus auch mal mit den Füßen. Also lasst sie doch die Gummistiefel ausziehen und barfuß durch den Matsch laufen. Das klingt so schön zwischen den Zehen. Und wenn sie mit ihrem Schneeanzug bäuchlings in eine Pfütze springen wollen? Lasst sie! Packt Wechselsachen und ein Handtuch ein, und zu Hause kommt dann alles in die Waschmaschine. Kinder brauchen es, sich mal so richtig schmutzig machen zu dürfen. Schließlich erfahren sie ihre Welt mit allen Sinnen. Und dazu gehören auch mal Sand zwischen den Zähnen oder eine verdreckte Hose.
  • Kinder dürfen Fragen stellen! Auch wenn es nach einem langen Tag manchmal anstrengend ist: Nehmt euch die Zeit und gebt euch Mühe, die Fragen eurer Kinder zu beantworten. Das hilft ihnen bei ihrer Entwicklung UND stärkt die Bindung zwischen euch.
  • Kinder dürfen Nein sagen! Kennt ihr das Buch vom kleinen "Neinhorn"? Wenn nicht, solltet ihr es euch unbedingt einmal anschauen! Wenn Kinder "Nein" sagen, heißt das nicht, dass eure Erziehung nicht funktioniert oder sie einfach nur gegenangehen wollen. Im Gegenteil: Euer Nachwuchs entwickelt eine eigene Meinung. Und schließlich wollen wir doch, dass unsere Kinder eigenständig denkende Wesen sind. Auch das Neinsagen von Kindern gehört zur Autonomiephase dazu. Sie grenzen sich damit ab und probieren sich aus. Lasst sie spüren, dass sie ihre Meinung äußern und auch mitreden dürfen. Wenn es sich also um Dinge handelt, bei denen es nicht um Gesundheit oder Gefahren geht, lasst euch doch ruhig mal darauf ein. Vielleicht findet ihr einen Kompromiss. Vielleicht will euer Kind zwar den Apfel nicht, dafür aber die Banane essen. Vielleicht will es gerade jetzt nicht die Nägel geschnitten bekommen, aber ihr einigt euch darauf, es morgen früh auf jeden Fall zu machen. Klar, beim Anschnallen im Auto, beim Zähneputzen oder auch dabei, dass sie an eurer Hand über die Straße gehen, gibt es keine Diskussion. Doch Kinder hören so oft am Tag "Nein" von uns Großen, dass es ihnen guttut, wenn sie auch mal damit durchkommen.

Noch mehr, was ihr euren Kids durchgehen lassen solltet:

  • Dinge selbst ausprobieren. Klar geht es schneller, wenn ihr euer Kleinkind anzieht, ihm die Schuhe zumacht und so weiter. Zumindest in dem Moment. Aber viel lernen werden sie dabei nicht. Wenn es eure Zeit (ich weiß, die ist mit kleinen Kindern meistens rar) zulässt, lasst sie auch mal etwas selber machen. Und wenn sie dann frustriert sind, weil etwas nicht klappt, könnt ihr immer noch helfen. Das Gehirn von Kindern entwickelt sich rasend schnell, daher brauchen sie ständig neue Erfahrungen, Wiederholungen und die Möglichkeit zu lernen. Also: Auch wenn es etwas länger dauert und sie vielleicht ihre Schuhe mal verkehrt herum anziehen, lasst sie es selbst versuchen!
  • Kindern die Wahl lassen. Kinder wollen selbst entscheiden. Auch das ist wichtig auf ihrem Weg, selbstständig zu werden. Gerade wenn es nicht wirklich darauf ankommt, lasst sie entscheiden. Zum Beispiel, welchen Teller sie für ihr Frühstück wollen. Oder welche Jacke sie anziehen wollen. Ein kleiner Elterntrick: Einfach zwei Dinge zur Auswahl geben, damit habt ihr eigentlich schon die Vorauswahl getroffen. Und die Frage ist dann nicht, ob "Jacke, ja oder nein?", sondern ob diese oder die andere Jacke. Gebt ihr eurem Kind zwei Wahlmöglichkeiten, fühlt es sich für das Kind so an, als könne es selbst entscheiden. Und ihr spart euch mitunter eine lange Diskussion.
  • Kinder dürfen laut sein! Lasst Kinder singen, tanzen und springen. Es ist wichtig für ihre Entwicklung, diese Freiheit auskosten zu können. (Schlimm genug, dass wir uns als Erwachsene so oft zurücknehmen (müssen).)
  • Kinder dürfen auch mal unordentlich sein. Kinder dürfen auch mal Chaos in ihrem Zimmer veranstalten oder Spielsachen für ein paar Tage stehen lassen. Vielleicht könnt ihr gemeinsam eine Verabredung treffen, dass zumindest im Rest der Wohnung das Spielzeug abends weggeräumt wird.
  • Und last but not least: Jeder macht Fehler und darf das auch! Aus Fehlern lernt man im besten Fall. Allerdings nicht unbedingt, wenn man gleich dafür ausgeschimpft wird. Meistens merken die Kinder selbst, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Und wenn sie dann noch einen "oben drauf" bekommen, bremst es sie eher und hält sie möglicherweise beim nächsten Mal davon ab, etwas selbst machen zu wollen.

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