Kolumne einer "ganz normalen Mama"

"Ich bin konsequent inkonsequent – und das ist auch gut so..."

Freitag ist Kolumnen-Tag bei "Leben&erziehen"! Zum Start ins Wochenende lassen wir euch ein bisschen am Leben unserer Redakteurinnen und Redakteure teilhaben. Heute mit Nathalie Klüver, die ihre eigene Konsequenz hinterfragt.

Das Ding mit der Konsequenz ist ja so eine Sache.

Mein Hobby ist es jedenfalls nicht, dieses leidige Ding namens Konsequenz. Ich muss gestehen, das ist so ziemlich der anstrengendste Part an der Erziehung.

Letztens wieder: Nach einem Tag mit viel zu vielen "Sendung mit der Maus"-Folgen und viel zu vielen Schokokeksen nahm ich mir fest vor, es am nächsten Tag besser zu machen. Ich selbst hatte viel zu viel gearbeitet, mich zu wenig um die Kinder gekümmert und sie mit der Maus und einer gehörigen Portion Zucker "ruhig gestellt". "Ich muss einfach konsquenter sein", den Gedanken schob ich im Gehirn hin und her, während ich mich nachts mal wieder schlaflos durchs Bett wälzte.

"Du musst auch mal konsequent sein, wenn die Kinder jammern, sonst lernen sie es nie", heißt es. Wer immer beim geringsten Meckern einknickt, dem tanzen sie auf der Nase rum. Jaja. Habe ich alles schon mal gehört. Und ich schwöre – ich nehme es mir immer vor! Denn ich will ja auch nicht, dass meine Kinder so viel fernsehen, so viele Süßigkeiten essen oder jeden Abend erst nach mir ins Bett gehen.

Wer will schon, dass die Kinder einem auf der Nase herumtanzen?

Abgesehen davon, dass meine Nase da bei drei Kindern ganz schön ramponiert aussehen würde – so ein paar Regeln sollen meine Kinder schon lernen, um ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und heil durchs Leben zu kommen.

Ich habe auch keine Lust, ständig ein Extra-Essen zu kochen, weil irgendjemand beschlossen hat, von jetzt auf gleich keinen Kartoffelbrei mehr zu mögen. Ich habe keine Lust auf Trotzanfälle, weil es nur drei Kekse und nicht sieben gibt. Ich habe keine Lust darauf, mir jeden Abend 1000 Argumente anzuhören, wieso man auf keinen Fall vor 21 Uhr ins Bett gehen kann. Ich habe keine Lust darauf, immer wieder einzuknicken und erst recht keine Lust darauf, auf mich selbst sauer zu sein, weil ich mal wieder schwach geworden bin.

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Eine Stunde ungestörtes Homeoffice – gegen Schokokekse und Glotze

Tja. Das Ding mit der Konsequenz. An besagtem Tag brach ich natürlich wieder alle meine guten Vorsätze. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass die Kinder erst am Nachmittag vor der Glotze saßen und glucksend zuguckten, wie Maus und Elefant eine verrückte Maschine in Gang setzten. Mit Keksen in der Hand. Die Kinder. Nicht die Maus und der Elefant. Es waren Vollkornkekse, wenn ich das zu meiner Verteidigung hervorbringen darf. Okay. Es waren Vollkorn-Schokokekse.

Aber es hilft kein Leugnen: Ich habe mich nicht an meine guten Vorsätze gehalten. Ich war inkonsequent. Mal wieder. Am Vormittag habe ich die Klippen alle noch gut umschifft, jedes "Mama, mir ist langweilig" auf andere Art lösen können und mit Äpfeln, Gurken und Joghurt die Laune hochhalten können. Allerdings blieb die Arbeit auf der Strecke. Am Nachmittag erkaufte ich mir dann einen Kaffee in Ruhe und eine Stunde ungestörtes Homeoffice, indem ich nachgab, als alle drei Kinder gleichzeitig in den Quengelmodus schalteten und sich in der Lautstärke gegenseitig überbaten.

Es hat keiner gesagt, dass es leicht ist.

Aber dass es manchmal so schwer ist, darauf wird man auch nicht vorbereitet. Ich gebe es zu: Den Satz "Ausnahmen bestätigen die Regel" habe ich verinnerlicht. Und wende ihn konsequent (!) fast täglich an. Aber ganz ehrlich: Ich finde, ab und zu dürfen Kinder auch Erfolgserlebnisse haben und wenn sie so hinreißende Argumente finden, wieso sie noch eine halbe Stunde länger aufbleiben möchten, dann darf es dafür auch das längere Aufbleiben als Belohnung geben. Und bevor ich selbst mit den Nerven am Ende bin und zur Meckermama mutiere, ist es für uns alle besser, wenn die Kinder eine halbe Stunde lang Mausclips schauen. Mama hat sich dann beim Kaffee beruhigt, die Kinder sich auch, und die Stimmung ist gerettet. Konsequenz nur der Konsequenz wegen hätte uns mit ziemlicher Sicherheit den Nachmittag versaut.

Es ist, wie immer im Leben, ein ständiges Abwägen. Wahrscheinlich knicke ich zu oft ein, aber hey, dafür sind wir gut gelaunt. Meistens jedenfalls. Solange ich bei den wirklich wichtigen Regeln konsequent bleibe (bei Rot überquert hier keiner die Straße!), kann ich mit meiner Inkonsequenz gut leben. Wenigstens in einer Sache bin ich konsequent: Ich bin konsequent inkonsequent.

KLÜVERS CHAOS-KOLUMNE

Nathalie Klüver ist Journalistin, Mama-Reporterin und bloggt als "Ganz normale Mama" von den Tücken des Alltags mit drei Kindern (zwei, sechs und neun Jahre alt). In ihrer Kolumne schreibt sie u.a., warum sie pastellfarbene Kinderzimmer bei Insta und Co. nicht mehr sehen kann. Und wieso es unperfekt viel besser ist.

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