Kolumne "Mama Kolumna"

Spielen statt schimpfen: Unser Leben ist ein Ponyhof!

Als vor einiger Zeit das Buch "Erziehen ohne Schimpfen" erschien, war das für unsere Autorin Nora eine kleine Offenbarung: eine Gleichgesinnte!! Gekauft hat sie das Buch sofort, gelesen ehrlich gesagt nie. Wie sie auch ohne Ratgeber schimpffrei durch den Alltag kommt, erzählt sie euch hier.

Butter bei die Fische: Ich kann nicht schimpfen. Ich kann es einfach nicht. Genauso wenig wie ich schreien kann (nicht mal beim Bungeejumping habe ich einen Ton herausgebracht), kann ich auch nicht schimpfen. Es ist nicht so, dass ich es nie versucht hätte. Wenn die Meinung der Dreijährigen mal wieder etwas ZU unkonventionell für den gesellschaftlichen Konsens war und uns Eltern die Ideen für Kompromisse ausgingen, brachte mich ein "Sie macht halt was sie will, weil du nie mit ihr schimpfst" dazu, es noch mal zu versuchen. Geht wirklich nicht. Und ehrlich gesagt, ich will es auch nicht.

Wie wir trotzdem durch den Alltag kommen, angezogen, mit geputzten Zähnen und genug Vitaminen, verrate ich euch hier.
Kleiner Spoiler: Das hier ist kein Patentrezept und Erziehungsexperten schlagen sicher die Hände über dem Kopf zusammen.

Spielend in den Tag starten oder: Mama, wir fliegeeen!

6:15 Uhr, aufstehen. Oder in unserem Fall: "Mama, wir fliegen in den Urlaub. Anschnallen." Nicht nur ich muss mich anschnallen, auch zwei bis zwanzig Kuscheltiere finden noch ein Plätzchen unter meinem Sicherheitsgurt, der Bettdecke. Das Sternkissen mutiert zum Lenkrad, das Kind zur Pilotin und schon heben wir ab. Um diese Uhrzeit ist mir wirklich noch nicht nach Spielen. Umso dankbarer bin ich, dass meine Rolle vornehmlich aus Liegen besteht. Das kann ich!

6:30 Uhr: Ankunft im Urlaub, raus aus dem Bett! Ziel des Kindes: Der Strand, ein beigefarbener Teppich, befindet sich in unserem Wohnzimmer. Meine Ziele: Anziehen, Zähne putzen, Haare kämmen. Würde ich nun versuchen, das Kind ins Bad zu verfrachten, hätte danach niemand von uns saubere Zähne, geschweige denn gute Laune.

Mit Zahnbürste und Waschlappen bewaffnet krame ich also ganz tief in meiner Schauspielkiste und werde dramatisch: "KRASS! Was hat er denn da? Ist das etwa ... NEIN! Das glaubst du nicht, warte ich versuche ihn zu fangen!" Wer 'er' ist? Hackibacki, der eine Leidenschaft für verrückte Kleider hat und diese im Mund meiner Tochter auslebt.

8:00 Uhr: Abflug, dieses Mal wirklich. Im Auto helfen plüschige Begleiter und Papas tapfere Leo-Lausemaus-Endlosschleife gegen den Morgenblues. Fahren wir mit dem Bus, ist Langeweile vorprogrammiert, die mit einer Runde "Ich sehe was, was du nicht siehst" (wir beide) oder "Leute zum Lachen bringen" (das Kind, ich bin scheinbar nicht mehr süß genug) überbrückt wird.

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Nach der Kita ist vor der Arbeit

16:00 Uhr, ab ins Büro. Äh, was? Unser "Büro" besteht aus umgestürzten Bäumen und befindet sich im Stadtpark. Haben wir nach der Kita nichts vor, nehme ich das Tempo raus und lasse das Kind dort noch ein wenig "arbeiten". Danach möchten meine 13 Lieblingskilos am liebsten den gesamten Weg zum Bus getragen werden. Da hilft nur eins: Mein Halstuch wird zur Leine, ich mutiere wahlweise zu Pferd, Hund oder Panda und darf durch den Park flitzen. Einmal mehr komme ich mir kurz affig vor, beim Anblick des vor Lachen japsenden Kindes ist mir das aber schnell wieder egal.

Zeit haben wir leider nicht immer. Oft genug stehen noch Einkauf, Haushalt und das Abendessen auf dem Plan. Oder doch eher ein Kindereinkaufswagen-Slalom zur Käsetheke, die wilde Sockenpaarsuche und abends ein Wohnzimmerpicknick?

18:00 Uhr, das Essen steht auf dem Tisch. Es gibt Brokkoli, Endgegner aller Minderjährigen. "Wetten, dass du dich NICHT traust, etwas Grünes zu essen? WETTEN? Also ICH schon." Das grüne Gift berührt – unter theatralischen Höchstleistungen – meine Zunge, dann meinen Gaumen – zack, hat sich das Kind kichernd den Brokkoli in den Mund gestopft und triumphiert.

Ab ins Bett im Liegefahrrad

19:00 Uhr – Hackibacki kennt ihr ja nun schon. Nicht nur das Kind braucht einen Schlafanzug, auch er muss sich umziehen. Dafür suchen wir ihn zwischen all den Zähnen. Natürlich sitzt er grundsätzlich hinter dem letzten Backenzahn. Dieses Mal sogar im Badezimmer!

20:00 Uhr: Schlafenszeit! Meine Dreijährige ist eher der Typ "Schlafen? Nö danke" und braucht abends entsprechend Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Wir arbeiten uns dann etappenweise in die Horizontale: erst eine Runde Auto im Bett (ratet, wer das Auto ist ...), danach Liegefahrrad. Dazu muss sich das Kind flach hinlegen und gut mit der Bettdecke anschnallen. Das Kissen ist der Helm.

Anschließend haben wir häufig das Problem mit den fliegenden Händen. Kennt ihr das auch von euren Kindern? Das Kind ist komplett ruhig, aber die Hände wandern von meinem Gesicht zu meinem Bauch zu meinen Armen und zurück. Hier hilft seit Kurzem Mama Spinne aka meine Hand: Sie sammelt die Babyspinnen (die Kinderhände) ein und streichelt oder singt sie in den Schlaf.

Lachen ist die beste Medizin

Ich weiß, nicht alle Situationen lassen sich spielerisch lösen, aber zumindest eine ganze Menge! Die wichtigsten Zutaten: Kreativität und die Bereitschaft, sich von ganzem Herzen zum Trottel zu machen. Natürlich klappt es auch bei uns nicht immer ohne Gebrüll – das bleibt aber der Dreijährigen vorbehalten, denn die hat noch ein paar Jahre Zeit, um andere Kommunikationswege zu erlernen.

Eine Sache gibt es übrigens, für die habe ich bis heute kein funktionierendes Spiel gefunden: Haare waschen. Wer Ideen hat, möge mir schreiben: n.ritzschke@junior-medien.de 

Kolumne "Mama Kolumna"

Nora aka Mama Kolumna, die verschlafene Mama-Reporterin, kauft ständig Erziehungsratgeber – liest sie aber nicht. In ihrer Kolumne schreibt sie über das Leben mit ihrem dreijährigen Wirbelwind und versucht nebenbei Antworten auf Fragen wie "Mama, warum haben Elefanten einen Schwanz?" zu finden.

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Unsere Autorin

Nora Ritzschke

Als Kind wollte Nora Ritzschke Lektorin werden, doch dann kam das Internet dazwischen. Ob Artikel für die Website, Instagram oder der eigene Blog – online fühlt sie sich zu Hause.

Als Mama einer Dreijährigen kann sie Lieder über stundenlange Einschlafbegleitung, Kita-Eingewöhnung oder die ersten Schimpfwörter singen – als Teil des Content-Teams nun auch hier!

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