Tipps eines Hundepapas

Mit Kindern Hunden begegnen: Vorsicht? Ja! Panik? Nein!

Das Thema Hund ist für manche Eltern ein großes. Wie schaffe ich es, mein Kind an die Tiere zu gewöhnen, ohne dabei auf beiden Seiten zu große Angst zu schüren? Ich möchte euch erzählen, wie ich als (stolzer) Hundepapa die Beziehung zwischen Mensch und seinem besten tierischen Freund sehe und welches Verhalten Groß und Klein für ein gesundes und schönes Zusammenleben mit den Vierbeinern an den Tag legen sollten.

"Hilfe, ein Hund!"

"Nehmen Sie den Hund weg – die Kinder bekommen ja Angst!“ So oder so ähnlich schrie es mir im Park eine herangerauschte Helikopter-Mama kürzlich entgegen, nachdem meine dreijährige Schäferhund-Husky-Dame "Nala" einen gigantisch großen Bogen um ihren etwa (ebenfalls) dreijährigen Sohn gedreht hatte und gerade langsam trottend und laut hechelnd zu mir zurückkam.

Spielte es dabei eine Rolle, dass der Kleine beim Anblick des glücklich tollenden Hundes diesem freudestrahlend und lachend gewinkt hatte, ohne einen Gedanken zu verschwenden, möglicherweise im nächsten Moment mit Haut und Haaren gefressen zu werden? Nein. Machte es einen Unterschied, dass Nala sich nicht einmal im Entferntesten für das Schaffen auf dem Spielplatz interessierte und einfach nur ihre Bahnen auf der Wiese gezogen hatte, da genau das ihr so großen Spaß macht? Natürlich nicht. Die Panik überwiegte. Die Panik jener Eltern, die ganz offensichtlich nicht wissen, wie sie mit ihren Kindern dem Thema Hund begegnen sollen und so mit ihrem eigenen Verhalten eine Angst schüren, die eben dieses Thema schlimmer macht, als es sein müsste …

Ich verstehe euch, aber ...

Ich möchte ehrlich sein. Ich kann Menschen, die Angst vor Hunden haben, grundsätzlich verstehen. Ebenso verstehe ich nur zu gut, dass Eltern, die keinen Bezug zu diesen Tieren haben, sich umso mehr um ihre Kinder sorgen, wenn sie im Alltag auf einen Vierbeiner treffen. Und klar ist auch, warum: Berichtet wird immer wieder über aggressive Hunde, die Kinder beißen. Sogenannte "Kampfhunde", die in der Nachbarschaft für Angst und Schrecken sorgen, wenn ihre zwielichtigen Besitzer mit ihnen abends, die Leine eng geschnürt, das Stachelhalsband Gefährlichkeit signalisierend, um die Häuser ziehen. Natürlich macht das Angst. 

Und es stimmt! Ist ein Hund nicht erzogen, hat er oft keine kommunikativen Berührungspunkte mit uns Menschen. Das größte Problem in der Beziehung zwischen Hund und Mensch ist nämlich eben diese komplett gegensätzliche Kommunikation. Bei Hunden findet diese zu einem sehr großen Teil nonverbal statt. Bevor ein Hund knurrt oder gar beißt, hat er meist zuvor bereits über seine Körpersprache und Mimik deutlich signalisiert: Gleich platzt mir der Kragen! Viele Menschen wissen diese Anzeichen nicht zu deuten und verpassen den Moment der Deeskalation.

Das sagt der "Hunde-Profi":

Deutschlands bekanntester Hunde-Trainer, Martin Rütter, formulierte es in einem seiner Bühnen-Programme einmal so: "Wir hier gehören zur Gattung "Hundemensch". Das Problem aus unserer Sicht: Da draußen gibt es eine ganz kleine Randgruppe von Menschen, die haben keinen Hund.“

So sieht ein Hund uns Menschen

Das Schöne: Ein gut sozialisierter Hund beobachtet "seine" Menschen im Alltag und weiß ihre Verhaltensweisen einzuordnen. Das ist faszinierend und problematisch zugleich. Man weiß aus der Ferne nicht zu sagen, ob der entgegenkommende Hund nun ein gut oder eher schlecht sozialisierter ist. Auf die Begegnung mit Kindern bezogen bedeutet dies Folgendes: Schaut man einem Hund tief in die Augen, so ist es ihm gegenüber eine direkt ausgesprochene Drohung. Ein Hund, der diese Form der Kommunikation aus seinem Alltag mit Menschen kennt, der ordnet einen Blick in die Augen entsprechend zu und reagiert darauf oft gelassen. Trifft nun ein Kind jedoch auf einen schlecht erzogenen Hund, der eventuell gar negative Erfahrungen mit Menschen gemacht hat, so kann es aufgrund dieser Misskommunikation tatsächlich zu Problemen kommen. Gerade kleinere Kinder, die Hunden zwangsläufig aufgrund ihrer geringen Körpergröße auf Augenhöhe begegnen, können also eine aggressive Reaktion bei diesen unbewusst provozieren.

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Vorsicht – ja! Panik – auf keinen Fall!

Doch ich kann an dieser Stelle beruhigen. Sehr viele – und ich behaupte sogar die meisten – Hunde wissen um die andersartige Kommunikation der Menschen und ignorieren für sie missverständliche Signale einfach. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund ein Kind ohne große Vorwarnung und aus absolut unersichtlichem Grund attackiert, ist also sehr gering.

Dennoch ist es natürlich wichtig für Eltern, ihre Kinder auf die Begegnung mit Hunden vorzubereiten. Ihnen zu erklären, dass sie nicht auf jeden Hund zurennen und diesen umarmen dürfen, dass sie den Tieren nicht ins Gesicht fassen oder ihnen am Schwanz ziehen sollten. Doch ebenso wichtig ist es auch, nicht die Geschichte vom "großen, bösen Wolf" zu erzählen, vor dem sie sich tagtäglich in Acht nehmen müssen. Wenn Eltern selbst Angst vor Hunden haben, sollten sie dennoch versuchen, diese nicht zwangsläufig auch ihren Kindern mitzugeben.

Meine Meinung

Zurück also zu unserer Situation im Park. So fragte die erboste Mama mich: "Wie sollen die Kinder ohne Angst vor Hunden aufwachsen, wenn sie ihnen im Alltag so begegnen?" Ich  war total perplex und stellte ihr prompt die Gegenfrage: "Wie sollen sie es, wenn sie ihnen nicht begegnen und ihre Eltern ihnen ein völlig falsches Bild vermitteln?" Und das ist meine Meinung. Möchten Eltern also, dass ihre Kinder Hunden ohne Angst, aber mit Respekt begegnen, so ist der erste Schritt stets die Information. Sich mit dem Thema Hund auseinanderzusetzen, sich zu belesen, mit Hundebesitzern zu sprechen und so gemeinsam als Familie ein gesundes Verhältnis zu den Tieren aufzubauen, ist aus meiner Sicht der genau richtige Weg. Am Ende sind Hunde nämlich tolle Tiere, treu und werden nicht umsonst als die "besten Freunde des Menschen" betitelt. Und so sollten wir sie auch behandeln.

Unser Autor

Martin Piecha 

"Seit knapp drei Jahren, also fast ihr gesamtes Leben, ist Nala schon bei uns. Wir sind mittlerweile ein voll eingespieltes Team. Und als solches gehen wir durch leichte und auch schwierige Zeiten. Denn eines sollte jedem angehenden Hundebesitzer klar sein: Zu einer BEziehung gehört vor allem ERziehung – und die ist harte Arbeit. Forderst du etwas vom Hund ein, so musst du ihm auf der anderen Seite mit der Erfüllung seiner Bedürfnisse entgegenkommen. Es ist ein Geben und Nehmen. Ein Mix aus knallharter Konsequenz und Verständnis – Letzteres übrigens von beiden Seiten. Und auch, wenn sich das eingependelt hat, geht nicht immer alles glatt. Information ist hier das A und O. Und so entsteht die aus meiner Sicht unvergleichliche Beziehung zwischen Mensch und Tier, die ich in meinem Leben auf keinen Fall mehr missen möchte."

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