Polizei-Hund in Zeichentrickserie zu perfekt? Bitte was?

"Paw Patrol" in der Kritik: Meint ihr das ernst?!

Die aktuelle Welle an Protesten gegen Polizeigewalt in den USA nimmt aufgrund zahlreicher Vorfälle immer mehr an Fahrt auf – und die Bewegung ist in großen Teilen richtig und wichtig! Doch nun verschieben sich die Diskussionen in eine realitätsferne Welt und zwar mit Kritik, die selbst nicht ferner der Realität sein könnte, findet unser Autor.

Nach dem gewaltsamen Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten in Minneapolis wurde die Diskussion um Polizeigewalt in Zusammenhang mit rassistischen Motiven neu entfacht. Weltweit gab es daraufhin in den vergangenen Wochen Proteste, Demos und weitere Aktionen gegen Rassimus und Fremdenfeindlichkeit. Ebenso steht die Polizei aufgrund verhältnisloser Gewalt und vermehrt brutalem Vorgehen erneut in der Kritik. Und diese, das sei an dieser Stelle unterstrichen, ist absolut berechtigt und muss unumgänglich Grundlage weiterer kritischer Begutachtungen und entsprechender Konsequenzen sein. Punkt.

US-Senator twittert – und ich stimme zu

Ich möchte zunächst ausdrücklich klarstellen, dass ich mir weder anmaßen, noch auf die Fahnen schreiben würde, derselben Meinung eines Poltikers, geschweige denn eines US-Politikers, zu sein. Das sei hiermit festgehalten. Was der texanische Senator Ted Cruz jedoch zum nun folgenden Thema – als Artikel veröffentlicht durch die New York Times –  twitterte, deckt sich ziemlich genau mit meiner prompten Reaktion, als ich davon zum ersten Mal las. So schrieb Cruz schlicht folgenden Satz: “Die Absurdität kennt keine Grenzen.” Und damit hat der Mann in diesem Zusammenhang nunmal einfach Recht!

"Paw Patrol" hinterfragt sich nicht ... na und?

Nun haben einige Kritiker vor dem Hintergrund der derzeitigen Geschehnisse nämlich ein neues Ziel gefunden. Ein Ziel, das aus meiner Sicht unter keinen Umständen mit der aktuellen Diskussion um Gewalt und Brutalität in Verbindung gebracht werden darf! Die Kritik verschiebt sich in die Kinderzimmer dieser Welt. Genauer gesagt: in das Fernsehprogramm.

Natürlich, die Diskussionen um fragwürdige Figuren in Kinderfilmen und -serien sind keine neuen. Bereits seit geraumer Zeit werden beispielsweise Werke des weltberühmten Trickfilmzeichners und Produzenten Walt Disney kritisch hinterfragt. Oft wird in diesem Zusammenhang die möglicherweise national-sozialistische Gesinnung Disneys und damit verbunden unterschwellige Symbolik in seinen Filmen thematisiert. Und ja: Es ist wichtig, zu reflektieren, was Kinder – besonders heutzutage – durch das breite Angebot an Medien aller Art konsumieren und welchen Einfluss manche Werke und Inhalte auf die Kleinen haben könnte. Doch was nun folgt, kann und darf einfach nicht Teil der aktuellen Debatte sein!

"Chase ist der Beste!"

In den Fokus der Kritik gerückt ist dabei nämlich vor allem die beliebte Kinder-Cartoonserie "Paw Patrol". Auch die fünfjährige Nichte meiner Verlobten liebt sie. Ich selbst durfte daher einige Folgen mit ihr genießen und Zeuge bedingungsloser Begeisterung werden. Kurz zusammengefasst geht es in "Paw Patrol" um eine sechsköpfige Truppe animierter Hunde, die gemeinsam mit dem zehnjährigen Jungen Ryder Abenteuer erlebt und dabei Problemen aller Art begegnet und diese schließlich als Team löst. Nicht mehr, nicht weniger. Witzige Charaktere treffen hier auf unterhaltsam erzählte Geschichten. Jeder Hund besitzt andere tolle Eigenschaften aus unterschiedlichen Berufen, die in den verschiedensten Situationen nützlich sind. Besonders klug und mutig ist dabei der Polizeihund names "Chase". Und ich kann im Namen und mit den Worten einer Fünfjährigen bestätigen: "Chase ist der Beste!".

Kritiker fordern ein anderes Bild der Polizei

Und genau hier setzt die – für mich unbegreifliche – Kritik an. Das Berufsbild des Polizisten sei aufgrund der Eigenschaften, welche die Figur "Chase" darstellt und wiedergibt, in ein zu gutes Licht gerückt. Hier mangele es an Selbstkritik und gerade die aktuelle Debatte zeige, dass die Polizei eben nicht nur für eben diese positiven Charakterzüge wie Mut, Cleverness und Hilfsbereitschaft stünde. So geben Twitter-User beispielsweise in entsprechenden Postings Statements wie “Entmachtet die Paw Patrol!” oder “Alle Hunde kommen in den Himmel, nur die der Paw Patrol nicht”. Und ich frage euch: Meint ihr das ernst?

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Der Polizeihund ist ein Held – und das ist doch toll!

Ich sage – und bin überzeugt, mit dieser Meinung bei Eltern nicht auf taube Ohren zu stoßen: Wenn Kinder sich die Serie "Paw Patrol" angucken, mit ihren tierischen Helden bei deren spannenden Abenteuern mitfiebern und gemeinsam mit ihnen auch schier unüberwindbare Aufgaben lösen, machen sie sich keinen Kopf darüber, ob die dort erzeugten Bilder vielleicht nicht der Realität entsprechen könnten. Wenn "Chase" wieder einmal seinen Mut beweist und seinen Teamkollegen ein guter und treuer Freund ist, wenn er zeigt, was er als Polizist drauf hat und dabei noch ziemlich coole Sprüche reißt, dann freuen sich die Kleinen und möchten sein wie er. Und das ist doch toll!

Wenn es diese Eigenschaften sind, die euer Kind mit der Polizei verbindet, dann ist das etwas Gutes. Auch ich wollte als kleiner Junge Polizist werden, denn Polizisten sind Freunde und Helfer. Und als Kind glaubte ich daran. Ich schaute zu ihnen auf und fühlte mich sicher, wenn ich ein Polzist in der Nähe war. Und auch heute glauben Kinder daran. Und so sollte es auch sein.

"Paw Patrol" muss bleiben!

Schiebt also ein derart komplexes Thema nicht in die ideale und heile Welt einer Kinderserie, die euren Kleinen Freude bereitet und zugleich Werte vermittelt, die wir uns alle wünschen. Denn wenn folgendes Intro anläuft, denken eure Kleinen nicht darüber nach, ob das alles so der Realtiät entspricht, sondern freuen sich auf ein weiteres spannendes Abenteuer mit "Chase" und seinen Freunden und beginnen, mitzusingen ...

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Unser Autor

Martin Piecha

Content Manager bei Junior Medien

Martin stammt als studierter Sportjournalist und -manager sowie ehemaliger Redakteur für Fitness- und Gesundheitsthemen aus einem eher anderen Fachbereich. Er liebt jedoch die redaktionelle Herausforderung und stellt sich voller Freude und Enthusiasmus dem weiten Feld rund um das Elternwerden und Elternsein.

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