Sanfter Abschied

Schnuller abgewöhnen: Schluss mit dem Schnulli!

Dass der heiß geliebte "Nucki" irgendwann weg muss, ist klar. Aber wie gewöhnt man ihn am besten ab? Unsere Autorin hat aufgeschrieben, wie sie es bei ihrem Sohn schaffte. Plus jede Menge weiterer Tipps und Tricks.

"Mit spätestens drei Jahren kommt der Schnuller weg!" So lautete meine Überzeugung, die ich mir im Laufe der letzten Jahre angeeignet habe. Als mein Sohn noch ganz klein war, gehörte ich zu den vermeintlich glücklichen Mamas, deren Kind einen Schnuller nimmt. Was taten mir die anderen Mütter leid, deren Kids den Beruhigungssauger vehement ablehnten. Tja, ein paar Jahre später sah die Situation dann anders aus: Mein Sohn liebte seinen "Nulli" so sehr, dass ich mir den Kopf darüber zerbrach, wie wir dieses Ding nur wieder loswerden könnten.

Heute. Nein, morgen. Nein, übermorgen ...

Als mein Sohn ungefähr zweieinhalb Jahre alt war, habe ich angefangen, ihm von der Schnullerfee zu erzählen. Die Geschichte fand er total spannend, wenn ich ihm dann aber die Frage gestellt habe: "Soll die Schnullifee auch mal bei uns vorbeischauen?", bekam ich nur jedes Mal zu hören "Neeeeein, ich brauche meinen 'Nuller' noch!" Er war also noch nicht so weit – so meine Schlussfolgerung. Die Monate gingen ins Land, und irgendwie gab es immer einen guten Grund, den Schnuller gerade jetzt nicht abzugewöhnen. Erst wollte er von einem auf den anderen Tag keinen Mittagsschlaf mehr machen, und abends war er so platt, dass ich es nicht übers Herz brachte, ihm seinen geliebten "Nuller" wegzunehmen. Dann kam Corona, dann ein Urlaub, dann der Wechsel in den Elementarbereich einer anderen Kita, dann eine Bronchitis ... Als unsere Kinderzahnärztin bei einer Routinekontrolle feststellte, dass Levi aufgrund des Schnullers bereits einen Überbiss hatte, gab es keine Ausreden mehr. Die Schnullerfee, aka mein Mann und ich, mussten jetzt wirklich mal den Hintern hochbekommen und das Projekt "Schnuller abgewöhnen" durchziehen.

Wenn die Mama nachts zur Schnullerfee wird

Gesagt, getan: Ich habe meinen Sohn an diesem Abend wie gewohnt mit Schnuller ins Bett gebracht und dann den lang geschmiedeten Plan in die Tat umgesetzt. Der Abschied vom Schnulli ist meiner Meinung nach nicht nur für Kinder ein Meilenstein. Nach einem sehr holprigen Start ins Familienleben inklusive Stillschwierigkeiten, Bauchweh, Schreiattacken und einem Nachts-alle-zwei-Stunden-wach- Rhythmus, war der "Jaja", wie er lange Zeit bei meinen Sohn hieß, so etwas wie ein Heiliger Gral. Ein magisches Ding, das ihn trösten, beruhigen und zum Schlafen bringen konnte und uns Eltern im turbulenten Alltag auch mal ein wenig Ruhe verschaffte. Stöpsel rein, Kind still. Wenn das Ding nicht so schlecht für die Zähne wäre, hätte es von mir aus lebenslang ein Familienmitglied bleiben können.

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Viel zu großzügige Geschenke

Vielleicht habe ich als Schnullerfee daher auch ein klitzekleines bisschen übertrieben? Ich hatte meinen Mann ein paar Tage zuvor extra noch beauftragt, ein Superdupermega-Geschenk zu besorgen. Diesen XXL-Müllwagen drapierten wir zusammen mit einem Brief der Schnullifee auf unserem Küchentisch. "Aber würde das als Ersatz für die Schnuller wirklich reichen?", zermarterte ich mir an diesem Abend das Gehirn. Als ich rastlos durch unsere Wohnung lief, fiel mir noch das Baggerbesteck ein, das mein Sohn eigentlich zu Weihnachten bekommen sollte. Was soll ich sagen? Wenige Minuten später stand es auch noch auf dem Tisch und beruhigte meinen Puls zumindest für diesen Moment.

Später habe ich mich dann zu ihm ins Bett gekuschelt und den "Nuller", den er beim Schlafen eh immer verliert, eingesackt. Nachts um fünf Uhr wurde er leider wach, da seine Windel ausgelaufen war (was ansonsten wirklich nie passiert!). Ich musste ihn also umziehen – und natürlich forderte er beim Einschlafen seinen Schnulli wieder ein. Was für ein Krimi! Zum Glück konnte ich den Stöpsel am nächsten Morgen unbemerkt verstecken, ehe er in die Küche ging. Er war so aufgeregt, als er den Müllwagen entdeckte, und dachte, Papa habe ihm ein Geschenk gemacht. Die lieben Worte der Schnullerfee haben ihn überhaupt nicht interessiert – er hatte nur noch Augen für sein neues Spielzeug.

Endlich: auf Nimmerwiedersehen

Tagsüber hat er tatsächlich kein einziges Mal nach seinem Schnuller gefragt, wobei ich dazu sagen muss, dass er ihn zuvor eigentlich auch nur noch zum Schlafengehen bekommen hat. In Ausnahmesituationen auch mal am Tag. Der aufregendste Part folgte also beim Zubettbringen. Beim Einschlafen drehte er sich plötzlich zu mir: "Mama, ich habe ja gar keinen 'Nuller'"! Ich verwies auf die Schnullerfee und das supercoole Geschenk, woraufhin er sich kurz ärgerte und dann schmatzend einschlief. Seither hat er nie wieder nach seinem  früher so heiß und innig geliebten Schnulli gefragt, was ich nie für möglich gehalten hätte. Nun gehöre ich also zu den vermeintlich coolen Mamis, die überall rumerzählen können, wie einfach es war, den Schnuller abzugewöhnen.

Achtung, Fehlstellung!

Wenn der Schnuller permanent gegen die Zähne drückt, kann das zu Fehlstellungen im Kiefer und Gebiss führen. Beim sogenannten lutschoffenen Biss stehen die Zähne so weit vor und auseinander, dass vor allem die Schneidezähne nicht mehr aufeinandertreffen, wenn das Gebiss geschlossen wird. Folge: Das Zubeißen und Kauen wird beeinträchtigt, ggf. fängt das Kind sogar an zu lispeln. Milchzähne, die schon einen Überbiss aufweisen, bilden sich meist innerhalb von sechs Monaten wieder zurück, wenn der Schnuller abgewöhnt wurde. Bei bleibenden Zähnen kann es zu einer dauerhaften Verformung des Gebisses kommen.

Tipps und Tricks zum Abgewöhnen des Schnullers

  1. Nachts ohne Schnuller
    Viele Eltern fürchten sich am meisten davor, den Schnuller nachts abzugewöhnen. Verständlich! Wer hat schon Lust auf unruhige Nächte? Experten raten dazu, dass Kind am besten gar nicht erst richtig aufwachen zu lassen und zu beruhigen, bis es wieder in den Schlaf findet. Wenn das Kind nicht mehr schlafen kann, hilft nur wie tagsüber auch: Ablenkung. Manche Kinder können richtig wütend werden, wenn sie ihren Schnulli nicht wiederbekommen. Versucht ruhig zu bleiben und euer Kind durch diese schwierige Phase zu beglei- ten. Und keine Sorge: Die anstrengenden Nächte und Tage gehen auch wieder vorbei. Bislang haben alle Eltern es geschafft, ihrem Kind den Schnulli abzugewöhnen. Und ihr bekommt das auch hin!
  2. Das richtige Tempo finden
    Jedes Kind ist anders, und ihr seid die Experten für euer Kind. Vielen Kids fällt es leichter, wenn der Schnuller nach und nach weggelassen wird – bei einigen reichen schon ein paar Tage aus, bei anderen kann sich dieser Prozess über Wochen und Monate hinziehen. Ihr solltet den Schnuller keinesfalls einfach wegnehmen – bezieht euer Kind ein! Ein "kalter Entzug" kann dazu führen, dass euer Kind als Ersatz anfängt, am Daumen zu lutschen. Und das ist noch schlechter für die Zähne und noch schwieriger abzu- gewöhnen. Ganz wichtig: Wenn es dann wirklich so weit ist, solltet ihr standhaft sein. Ein konsequentes Verhalten erleichtert die Entwöhnung.
  3. Der beste Zeitpunkt
    Wenn das natürliche Saugbedürfnis des Babys mit ca. einem Jahr nachlässt, braucht es eigentlich keinen Nuckel mehr. Viele Babys haben sich aber schlichtweg ans Nuckeln gewöhnt und verbinden es mit einem angenehmen, beruhigenden Gefühl. Einige Experten raten dazu, den Schnuller schon mit sechs bis zwölf Monaten abzugewöhnen, um das "Suchtverhalten" zu unterbinden. In diesem Alter lässt sich der Schnuller häufig noch durch ein Kuscheltier und Schmusetuch austauschen. Andere Experten plädieren dafür, den Schnuller im Alter von zwei bis drei Jahren wegzulassen. In diesem Alter funktionieren logische Argumente, Lob und Ansporn bereits sehr gut, mit denen man Kinder überzeugen kann, den Schnulli weniger oder gar nicht mehr zu nehmen.
  4. Den Schnulli weniger schmackhaft machen
    Manche Kinder wollen ihren "Nucki" partout nicht hergeben. Hier kann es helfen, mit einer Nadel ein kleines Loch in den Sauger zu stechen. Dadurch wird das Nuckeln anstrengender und auf Dauer immer unbeliebter. Irgendwie gemein, aber wenn’s hilft ...

Geschichten aus dem Schnullerland

Eine spielerische Entwöhnung kommt vielen Kindern beim Verzicht auf den "Nucki" entgegen. Neben der Schnullerfee gibt es noch eine ganze Reihe anderer Geschichten, die ihr eurem Nachwuchs erzählen könnt. Vielleicht klappt es ja mit einer dieser Ideen?

Ein Bär von der Schnullerfee
Der Schnuller ist eigentlich ein verzauberter Teddybär. Eines Tages kommt ein Brief vom großen Zauberer. Er schreibt, dass es nun Zeit wird, den "Nucki" wieder in einen Bären zurückzuverwandeln. Am nächsten Morgen ist der Schnuller weg. Vor dem Bettchen des Kindes sitzt ein Teddybär und wartet darauf, in den Arm genommen und geknuddelt zu werden.

Das Schnullerbettchen
Der Schnuller bekommt ein eigenes Bettchen. Immer wenn das Kind nachts keinen Sauger braucht, liegt am nächsten Morgen ein kleines Geschenk vom Schnullerzwerg im Bettchen. Manchmal möchte sich der Zwerg den Nucki auch mal für zwei Nächte ausleihen. Ihr könnt den Zeitraum so nach und nach verlängern – bis euer Kind bereit ist, dem Schnuller endgültig Lebewohl zu sagen.

Den Schnuller vergraben
Ein kleines Abschiedsritual hilft vielen Kindern, ihren Schnulli gehen zu lassen. Bei dieser Idee wird der Schnuller im Garten, Park oder am Strand vergraben – daraus wächst dann ein Schnullerbaum, der frischgeborene Babys mit Schnullis versorgt. Wer möchte, kann auch Familie und Freunde zu diesem wichtigen Tag einladen oder ein paar Luftballons in die Lüfte steigen lassen.

Der Schnullerbaum
Diese Idee stammt aus Dänemark, wo Kinder ihre ausgedienten Schnullis traditionell an den Schnullerbaum hängen und dann meistens noch ein Geschenk oder eine Urkunde halten. Der geliebte Schnuller kann jederzeit besucht werden, wenn er vermisst wird. Auch in Deutschland wird diese Art des Abschieds immer beliebter – in vielen Städten findet man in öffentlichen Parkanlagen bereits Schnullerbäume.

Der Schnullerstrauch
Diese Tradition wird meistens genutzt, wenn mehrere Kinder ihren Schnulli abgeben. Die Kinder machen einen Ausflug in den Park und hängen ihre Schnuller in einen Strauch. Nun dürfen sie sich etwas wünschen und es den unsichtbaren Elfen im Strauch verraten. Am nächsten Tag gehen alle wieder zum Elfenstrauch. Die Schnuller sind weg, dafür hängen Geschenke im Gebüsch.

Unsere Autorin

Jana Kalla ist Chefredakteurin bei Leben & erziehen. Vorher war sie viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

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