Vorbild sein

So stärken Eltern das Selbstbewusstsein ihres Kindes

Eltern dürfen, können und müssen einiges tun, um ihre Kinder fürs Leben zu stärken und ihnen ein gutes Selbstbewusstsein mitzugeben. Aber wie genau geht das? Wir haben Tipps von einer Expertin eingesammelt.

Grundlage für die Entwicklung von Selbstbewusstsein

Die beruhigende Nachricht zuerst: Babys kommen bereits mit Urvertrauen auf die Welt. Und das ist auch gut so, denn anfangs sind die Kleinen schließlich auf ihre Eltern angewiesen: Es bleibt ihnen einfach nichts anderes übrig, als voll und ganz darauf zu vertrauen, dass Mama und Papa sie versorgen und sich gut um sie kümmern. Doch selbst vernachlässigte Kinder können über spätere positive Erfahrungen und mit therapeutischer Unterstützung noch ein gutes Vertrauen aufbauen.

Grundlage für die Entwicklung von Selbstbewusstsein ist laut der Kölner Psychologin Elisabeth Raffauf, dass Eltern ihren Kindern zeigen, dass sie wertvolle Menschen sind und so geliebt werden, wie sie sind. Die Kinder erfahren dann, dass sie es wert sind, geliebt zu werden. "Dass ihre Eltern sie spüren lassen, dass sie sie nicht anders haben wollen, als sie sind, ist die Basis für ein gutes Selbstwertgefühl", so die Psychologin. Wenn Kinder hingegen permanent vermittelt bekommen, dass sie doch bitte sportlicher, fleißiger, mutiger oder schlauer sein sollten, leidet ihr Selbstwertgefühl.

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Unsere Expertin

Elisabeth Raffauf
ist Diplompsychologin mit dem Schwerpunkt Familien- und Erziehungsberatung in ihrer Praxis in Köln – und Buchautorin sowie Mitglied des Expertengremiums der Bepanthen-Kinderförderung.

Für eine glückliche Kindheit müssen bestimmte Bedürfnisse erfüllt werden

Zusätzlich spiele der Umgang zwischen den Eltern eine wichtige Rolle, meint die Expertin. Gehen die Eltern respektvoll miteinander um, lernen die Kinder, dass Männer und Frauen es wert sind, respektvoll und wertschätzend behandelt zu werden. Wenn Mädchen sehen, dass ihre Mutter gut behandelt wird, beziehen sie das auch auf sich und wissen, dass sie es ebenfalls wert sind. Genauso ist es mit Jungen und ihren Vätern.

Kinder wollen von Anfang an Bedürfnisse wie Schutz, Liebe, Hunger, Durst, Nähe, Schmerzlinderung, Geborgenheit, Zuwendung, Entdecker- und Forscherdrang befriedigt bekommen. Für eine glückliche Kindheit müssen diese Bedürfnisse erfüllt werden und ihren Platz haben. Dabei ist es unbedingt notwendig, dass Eltern sich in ihren Nachwuchs hineinversetzen und mitfühlen können, ohne dabei von ihren eigenen Bedürfnissen – zum Beispiel nach Aufmerksamkeit und Zuwendung – auszugehen. "Ohne Mitgefühl haben wir im Extremfall auch kein Mitgefühl für uns selbst. Wir sind hart mit uns und anderen", so Raffauf. "Empathie sorgt dafür, dass wir in Verbindung mit anderen stehen, wir können ihnen nah sein, intensive Beziehungen erleben. Wir können anderen helfen und Hilfe annehmen. Menschen ohne Mitgefühl sind oft einsam."

Die Bepanthen-Kinderförderung hat in einer Studie herausgefunden, dass das Ausmaß, in dem Kinder Hilfsbereitschaft oder umgekehrt auch Gleichgültigkeit bzw. Ablehnung gegenüber Randgruppen zeigen, stark vom Vorbild der Eltern abhängt. Geben die Eltern an, ihren Kindern beizubringen, Schwächeren zu helfen, sagt die Mehrheit (73 Prozent) der Kinder: "Wenn andere Kinder geärgert werden, versuche ich zu helfen."

Eine unsolidarische Einstellung gegenüber Schwächeren wiederum wird offenbar ebenfalls von Generation zu Generation weitergegeben. Die Mehrheit der Kinder (6 bis 11 Jahre), deren Eltern wenig Solidarität aufweisen, zeigt sich ebenfalls nicht solidarisch – etwa gegenüber Mitschülern, die ausgegrenzt werden. Stimmen die Eltern der Aussage "Wer schlecht behandelt wird, hat es in der Regel nicht besser verdient" zu, so finden auch die befragten Kids: "Wenn andere ein Kind nicht mögen, ist das Kind meistens selber schuld."

Sich selbst nicht rücksichtslos behandeln zu lassen, stärkt auch das Kind

Doch auch innerhalb der Familie spielt gegenseitige Rücksichtnahme eine große Rolle. Eltern gehen dabei als gutes Vorbild voran, indem sie sich selbst rücksichtsvoll verhalten, gleichzeitig aber "Stopp" sagen, wenn sie sich rücksichtslos behandelt fühlen. Damit leben sie vor, "dass man Rücksichtslosigkeit nicht über sich ergehen lassen muss", sagt die Psychologin. Andererseits müssen Kinder lernen, für sich einzustehen. Aber auch in diesem Fall gilt gegenseitiger Respekt als Maßstab. Eltern können ihren Kindern vermitteln, dass sie sie ernst nehmen und dass die Meinung ihrer Kinder wichtig ist. Raffauf: "Das ist das Signal, das wir Kindern senden können und das Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit vermittelt."

Kindern Vertrauen entgegenbringen

Für Kinder ist es ebenfalls wichtig, dass die Eltern ihnen vertrauen, auf sie zählen. Dass sie daran glauben, dass die Kinder ihren Weg gehen werden und es gut machen. Dass sie sie also auch loslassen. Und gleichzeitig – je nach Alter – Schutz und Unterstützung bieten und für sie da sind. Auch dabei ist die Haltung der Eltern entscheidend. Am besten vermitteln sie und stehen auch dahinter, "dass Verbote nicht dazu da sind, die elterliche Macht zu demonstrieren, sondern um die Kinder zu schützen, weil sie selbst manche möglichen Gefahren aufgrund ihres Alters noch nicht einschätzen können", betont die Expertin.

Im Hinblick auf die eigenen Stärken ist Motivation der Schlüssel. Echtes Interesse an etwas kann nur aus den Kindern selbst entstehen, das können Eltern nicht vorgeben. Wenn Kinder selbstständiger werden, merken sie auch, dass sie selbst etwas bewirken und beeinflussen können. Eine solche Erfahrung motiviert, sie fühlen sich stark und selbstbewusst. Das gilt auch, wenn sie – in altersgemäßem Rahmen – selbst Entscheidungen treffen dürfen. Zum Beispiel welche Socken sie heute anziehen oder welches Obst eingekauft wird. Viele kleine Kinder lieben es, bei einfachen Aufgaben im Haushalt zu helfen. So spüren sie, dass sie wichtig sind.

Haben Kinder Schwierigkeiten, weil sie entweder schüchtern oder draufgängerisch sind, helfen Eltern am besten, indem sie authentisch interessierte Fragen stellen und ihre Kinder begleiten, ihnen aber kein Verhalten vorgeben. Unterstützende Fragen sind zum Beispiel "Wie ist das für dich?", "Was hindert dich?" und "Wovor hast du Angst?"

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7 Tipps, wie Eltern das Selbstbewusstsein ihrer Kinder stärken

  • Kinder und andere Familienmitglieder mit Respekt behandeln
  • Mitgefühl vorleben, auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen
  • Rücksicht vorleben und sich nicht rücksichtslos behandeln lassen
  • Kindern zuhören und ihre Meinung ernst nehmen
  • Sie annehmen, wie sie sind, und ihnen vermitteln, dass sie gut sind, wie sie sind
  • Den Kindern vertrauen und ihnen etwas zutrauen
  • Altersgerechten Entscheidungsspielraum einräumen

Die Erziehungstipps unserer Expertin

Die drei roten Vs:
Vorwürfe, Vorträge und Verhöre haben den Effekt, dass die Klappe bei unserem Gegenüber fällt. Vor allem Kinder machen dann leicht dicht, weil sie sich nicht gesehen und verstanden fühlen. Sie spüren, dass sie sich schützen müssen und keine Chance haben, gehört zu werden.

Die drei grünen Vs:
Durch Verstehen, Vertrauen und Vorbildsein könnt ihr eine Beziehung herstellen und euren Kindern und ihren persönlichen Anliegen Respekt entgegenbringen. So funktioniert das Miteinander – und die Kids lernen wichtige Grundlagen, die sie ihr Leben lang weiterbringen werden.

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Contentmanagement.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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