Kolumne @erziehungmitherz

Sind "Auszeiten" eine sinnvolle Erziehungsmethode?

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Heute schreibt Kyra darüber, ob Auszeiten als Erziehungsmittel sinnvoll sind.

Gastautorin Kyra kennt gute Gründe gegen die Erziehungsmaßnahme "Stille Treppe".
© Foto: Getty Images/BrianAJackson
Gastautorin Kyra kennt gute Gründe gegen die Erziehungsmaßnahme "Stille Treppe".

Wenn sich ein Kind im Streit/einem Wutanfall selber zurückzieht, spricht nichts dagegen. Für manche ist es DIE Strategie, um sich zu regulieren und die eigenen Emotionen zu verarbeiten. Es entscheidet aber selber, wie lange es von den Eltern getrennt sein will – nicht wir!

Augenscheinlich haben diese Auszeiten, alias "Geh in dein Zimmer und beruhige dich" oder der "stille Stuhl/die stille Treppe" keine körperlichen Folgen. Doch was ist mit den seelischen?

Verbannen wir das Kind, in einer Situation der größten Not, in sein Zimmer, wird hier die elementare Angst vor dem Verlassenwerden oder der Trennung der primären Bezugspersonen geschürt. Junge Kinder sind absolut abhängig von ihren Eltern – gerade in Situationen, in denen sie starke Gefühle empfinden. Sie fühlen sich im Stich gelassen, wenn wir sie zu einer Auszeit zwingen.

Dieses Verlassen werden, ohne die Möglichkeit zu folgen löst in kleinen Kindern massive Ängste aus. Viele trauen sich nicht, der Mama/dem Papa hinterher zu laufen, aus Angst vor weiteren Sanktionen.
"Mit Auszeiten manipulieren Eltern ihre Kinder, indem sie diese Ängste quasi unbewusst ausnutzen!"

Häufig steigern sich Kinder dann erst recht in ihre Wut hinein – bis hin zu einem panischen Zustand. Das wiederum überfordert häufig noch die Eigenregulation des Gehirns. Es kann sein, dass es zunächst wild um sich schlägt, Dinge wirft und kaputt macht. Es versucht Stress abzubauen. Stress, für den es uns bräuchte.

Manche Kinder schalten aber auch einfach ab. Sie geben auf. Sie werden von jetzt auf gleich ruhig, weil das Gehirn abschaltet. Zum Schutz. Meist sind sie ruhig im Zimmer und die Eltern denken, dass die Erziehungsmethode funktioniert hat.

"Kinder, die mit Auszeiten diszipliniert werden, entwickeln in der Regel ein geringeres Selbstwertgefühl – was nicht erstaunlich ist, wenn die elterliche Macht dergestalt verstärkt eingesetzt wird!"

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