Kolumne "Mama Kolumna"

Mein Ponyhof Teil 2: Was ich statt schimpfen mache

Freitag ist Kolumnen-Tag bei "Leben & erziehen"! Zum Start ins Wochenende lassen wir euch ein bisschen am Leben unserer Redakteurinnen und Redakteure teilhaben. Heute mit Nora, die endlich verrät, wie sie es hinkriegt, auch an Chaostagen nicht zu schimpfen.

Als ich in meiner letzten Kolumne darüber schrieb, dass ich nicht mit meiner Dreijährigen schimpfe, gab es darauf sehr durchwachsene Reaktionen – wie immer. Von "Mein Kind lasse ich auch impfen" (okay, ich vermute, hier hat jemand die Überschrift nicht richtig gelesen) über ein "Oh, wie toll, so kreativ wäre ich auch gerne!" bis "Ohne schimpfen hört mein Kind einfach nicht." war alles dabei. Zugegeben, innerlich rolle ich bei Antworten wie der letzten genervt mit den Augen. Nachvollziehen kann ich sie aber schon, denn die meisten von uns haben es ja selbst nie anders gelernt. Fast immer ploppt dann irgendwann aber doch die Frage auf: Und was machst du dann statt schimpfen, wenn sich das Kind partout nicht anziehen lassen will und auch nach der fünften Wiederholung noch nicht hört? Ich verrate es euch.

Nicht jedes Kontra ist schimpfen

Es gibt eine Situation im Alltag, die mir ganz oft genannt wird: Das Kind rennt wild lachend bei Rot in Richtung Straße, ihr seid nicht schnell genug hinterher, Autoreifen quietschen. Jeder normale Mensch brüllt dann "BLEIB STEEEEHEEEEN!!!" Ganz ehrlich: Das ist für mich kein Schimpfen. Das ist einfach nur ein Mittel, um schnellstmöglich eine Reaktion hervorzurufen, die das Schlimmste verhindert.

Schimpfen hingegen ist einfach nur unfair und bedeutet für mich, den eigenen Missmut an einer anderen Person auszulassen. Bei Kindern ist das meist der Fall, wenn sie eine Grenze überschreiten oder nicht nach dem Willen eines Erwachsenen handeln. Das tun sie in den meisten Fällen nicht mit böser Absicht.

Pädagogen schlagen panisch Purzelbäume, die Müttermafia trifft sich zum Krisenstab: Ein Leben ohne schimpfen? 🤬🤬🤬 "...

Gepostet von Leben & erziehen am Freitag, 2. Oktober 2020

Von Null auf Stress in 100 Sekunden

Ihr kennt sie sicher, diese chaotischen Starts in den Tag, wenn das Kind mal wieder zwei Stunden vor dem Wecker aufstehen wollte, trotzdem keine Sekunde alleine spielen mag, der Kaffee bestenfalls lauwarm im Rachen landet und dann plötzlich nur noch zehn Minuten Zeit sind, wenn ihr noch pünktlich loskommen wollt. Wenn das Kind dann auch beim fünften Mal nicht auf die Bitte, sich anzuziehen (oder zumindest dabei helfen zu lassen), reagiert, ja – da platzt auch mir innerlich die Hutschnur. Noch mehr nervt es mich aber, zu schimpfen. Denn meistens bringt das nichts weiter als schlechte Laune für alle Beteiligten und im worst case auch noch eine kindliche Trotzreaktion.

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Meine ultimativen Strategien für eine Erziehung ohne Schimpfen

Butter bei die Fische: Was mache ich jetzt mit meiner Hutschnur und wie kommt das Kind trotz Widerwillen in seine Klamotten? Eine Patentlösung kann ich euch leider nicht anbieten, aber so mache ich das:

1. Ursachenforschung

Merke ich, dass meine Tochter mal wieder andere Prioritäten setzt als ich oder partout nicht auf mich hört, frage ich mich warum. Warum ignoriert sie meine Ansagen? Warum macht sie nicht das, worum ich sie bitte? In den allermeisten Fällen findet sich recht schnell der Grund, wenn auch für uns Erwachsene nicht immer nachvollziehbar.

Zurück zum Anzieh-Beispiel: Offenbar findet meine Tochter anziehen nicht so wichtig wie spielen. Oder sie ist so vertieft, dass sie ganz einfach überhaupt nicht registriert, dass ich mit IHR rede bzw. was ich von ihr will. Das gilt im Prinzip für sämtliche Situationen im Alltag: Das Kind tanzt auf dem Tisch und will trotz wiederholtem Bitten nicht runterkommen? Vielleicht hat es gerade so einen Heidenspaß, dass es gar nicht wahrnimmt, dass ICH keinen Spaß daran habe. Oder genau das Gegenteil: Es WEISS, dass ich daran keinen Spaß habe und will damit bezwecken, dass ich ihm meine Aufmerksamkeit schenke.

Das Kind haut, beißt, ärgert euch oder das Geschwisterchen? Warum? Garantiert nicht aus Bosheit, im Zweifel wünscht es sich ein paar Minuten eurer Zeit. Das Kind haut mit dem Laufrad ab, obwohl ihr drei Mal gesagt habt, dass es am Zaun zu warten hat? "Ist doch total witzig, wenn Mama hinterherrennt und mich einfängt!"

2. Kreativ sein

Klar kann ich meinem Kind sagen, dass wir den Bus verpassen – aber das dürfte ihm recht egal sein. Dass sie das Frühstück in der Kita verpasst, versteht eine Dreijährige schon eher, aber nicht unbedingt, dass sie spätestens um zehn Uhr Hunger haben wird und dann noch bis 11:30 Uhr ausharren muss. Kurzum, es müssen Alternativen her, denn auf basisdemokratische Grundsatzdiskussionen und ausschweifende Erklärungen habe ich meistens keine Lust. Also, ich schrieb es ja schon, setze ich auf’s Spielen.

Gerade morgens, wenn ich müde, akut "unter-kaffee-t" und in Eile bin, muss ich mich durchaus zusammenreißen, mein Kind gegen seinen Willen anzuziehen und nicht motzend meinen Frust auf seinen Schultern abzuladen. Mir dann auch noch auf die Schnelle eine spielerische Lösung zu überlegen, kann echt nerven. Aber so ein Playmobil-Ritter, der durch den Tunnel aka. Ärmel reiten soll ohne sich zu verheddern, der wirkt einfach Wunder.

3. Konsequent sein

Unter meinem letzten Text schrieb eine Mama, Konsequenzen müssten sein. Sehe ich auch so, aber Konsequenzen bedeuten nicht zwangsweise schimpfen. Der Ton macht, wie so oft, die Musik, denn Konsequenzen kann ich auch ruhig und freundlich vermitteln. Will meine Tochter das Spiel partout nicht unterbrechen, warne ich beispielsweise vor, dass ich das Spielzeug dann wegräumen werde, damit sie sich in Ruhe anziehen kann.

"Ja toll, dann rastet das Kind ja voll aus", denkt ihr euch? Kann sein – und das darf es doch auch, in dem Alter wissen Kinder einfach noch keinen anderen Weg, Gefühle auszudrücken. Tieeef durchatmen, begleiten und nach dem Sturm in Ruhe anziehen.

Kinder müssen das lernen

Einige schrieben unter dem letzten Beitrag, dass Kinder lernen müssten, mit Kritik und Kontra umzugehen, schließlich gehöre es zum Leben dazu. Mir fehlt der psychologische Hintergrund, um das fachlich einordnen zu können, aber mein erster Gedanke war: "Äh... ja... müssen sie?!"

Menschen können richtig gemein sein. Aber da muss ICH mich doch nicht einreihen und meinem Kind schon mit zarten drei Jahren negative Gefühle und Erfahrungen aufdrängen? Das einzige, was es dabei lernt, ist doch, dass es okay ist, seinen Frust auf andere zu projizieren, anstatt sich mal ins Gegenüber hineinzuversetzen. Ich versuche lieber, mein Kind zu einem selbstbewussten, empathischen und rücksichtsvollen Menschen zu erziehen – das sind nämlich brauchbare Skills, um mit Kritik gut umzugehen.

Kolumne "Mama Kolumne"

Nora aka Mama Kolumna, die verschlafene Mama-Reporterin, kauft ständig Erziehungsratgeber – liest sie aber nicht. In ihrer Kolumne schreibt sie über das Leben mit ihrem dreijährigen Wirbelwind und versucht nebenbei Antworten auf Fragen wie "Mama, warum haben Elefanten einen Schwanz?" zu finden.

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