Eine Familienberaterin verrät:

"Grün oder Rot?": Der beste Trick, damit dein Kind tut, was du willst

Verzweifelst du auch manchmal, weil dein Kleinkind alles Mögliche tun möchte – nur nicht das, was du gerade willst? Gastautorin Masha Hell-Höflinger, selbst Mutter von zwei Söhnen und erfahrene Beraterin für Beziehungs- und Familienthemen, verrät uns, welcher Trick ihr dabei hilft, dass ihre Kinder kooperieren.

Socken anziehen: Das kann bei kleinen Kindern schon mal im wütenden Showdown enden.
© Foto: iStock/Drazen Zigic
Socken anziehen: Das kann bei kleinen Kindern schon mal im wütenden Showdown enden.

Ob beim Essen, beim Anziehen oder auf dem Spielplatz, manchmal gibt es in Familien ganz schön viel Drama, weil Mama und Papa etwas anderes wollen als ihr Kind. Hier möchte ich dir einen einfachen Trick verraten, mit dem du erreichst, dass dein Kind genau das tut, was du möchtest. Im ersten Moment klingt es simpel, aber es steckt viel dahinter.

Lass dein Kind mitbestimmen!

Wenn du möchtest, dass dein Kind das tut, was du möchtest: Lass dein Kind eine Auswahl treffen.

Warum ist es so wichtig, dass dein Kind entscheiden darf? Ein Kind wird in eine Familie und in eine Welt hineingeboren, in der über es bestimmt wird. So ist es von Natur aus. Als kleinstes Mitglied einer Familie bist du vom ersten Moment an fremdbestimmt – von den Uhrzeiten der Eltern, vom Stress der Eltern, von den Regeln der Eltern und so weiter. Kinder wollen sich aber machtvoll fühlen. Und wir Eltern wollen, dass unser Kind zu einem selbstbewussten, starken, selbstsicheren und selbstliebenden Erwachsenen wird, der hoffentlich eines Tages, wenn er auszieht, keine Angst haben wird, das eigene Leben in die Hand zu nehmen.

Geben wir unserem Kind im Rahmen unserer Werte und Wünsche die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was es tun möchte, erreichen wir alle drei Ziele:

  1. Unser Kind fühlt sich wichtig und machtvoll.

  2. Es lernt, dass es fähig ist, Entscheidungen zu treffen. Das gibt ihm Selbstsicherheit.

  3. Es tut das, was die Eltern möchten, beispielsweise etwas Gesundes essen.

Hier ein paar Beispiele:

Wenn du vom Spielplatz gehen möchtest, kannst du zu deinem Kind sagen: "Ich möchte jetzt nach Hause gehen, wollen wir jetzt schon gehen oder in fünf Minuten?" Ein Kind, das gerade Spaß hat, wird natürlich sagen: "Ich will erst in fünf Minuten gehen." Aber du hast diesem Kind das Gefühl gegeben: Wow, es durfte entscheiden, etwas später zu gehen. Du als Mama wolltest ja jetzt schon gehen.

Wenn du beim Essen sitzt und das Kind noch etwas essen soll, kannst du fragen: "Möchtest du mit der Gabel essen oder mit dem Löffel? Möchtest du den roten oder den grünen Apfel essen? Zwei oder drei Stücke?" Beide Möglichkeiten sind jeweils in deinem Sinne. Ein Apfel wird gegessen. Und das Kind hat das Gefühl: "Wow, ich bin wichtig, ich darf eine Entscheidung treffen."

Auch bei der Kleidung kannst du dein Kind wählen lassen und ihm so ein Gefühl von Ermächtigung geben: Sollen es diese Schuhe sein oder jene? Das blaue oder das rote T-Shirt? Die grüne oder die gelbe Hose? Beim Spielen oder Zähneputzen funktioniert der Trick genauso: Willst du dieses Spiel spielen oder das andere? Willst du gleich Zähne putzen oder in fünf Minuten? Hier kannst du sogar einen Timer stellen, an dem dein Kind sich orientieren kann. Selber machen oder soll Mama helfen? Stehen oder sitzen?

Dein Kind fühlt sich wichtig

Baue die Möglichkeit zu Entscheidungen in deinen Alltag und deine Beziehungsmuster ein und du wirst merken, wie sehr dein Kind es zu schätzen weiß, wenn es selbst entscheiden darf. Das Kind fühlt sich wichtig. Das Kind fühlt sich ermächtigt. Es fühlt sich fähig, diese Entscheidungen zu treffen. Und mit jeder Entscheidung wird es mehr zu dem selbstsicheren und selbstbewussten Menschen, der eines Tages mutig seinen Weg ins Leben gehen wird.

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