Originelle Erziehungstipps von Nicole Wirtz

"Im Kleinkindalter lassen sich 95 Prozent der Probleme mit Gummibärchen lösen"

Das Abenteuer Familienalltag lässt sich auch mit einem Lächeln auf den Lippen meistern – wie die Mutter und Buchautorin Nicole Wirtz beschreibt.

Humor in Küche und Kinderzimmer. Und das trotz 24-Stunden Sprechstunde für die Kleinen, inklusive Nachtdienst. Wer schafft das schon? Eine wie Nicole Wirtz. Sie ist als Kind des Ruhrgebiets von Natur aus schon eine Frohnatur – das hilft sicher, um als stressresistente Mutter den Alltag zwischen Windeleimer und Wutanfällen fröhlich zu meisten.

Kleine Probleme werden megagroß

Zudem hat sich die zweifache Mutter im Alltagsverhalten von einem scherzhaften Spruch in Sachen Erziehung leiten lassen: Im Kleinkindalter lassen sich 95 Prozent der Probleme mit Gummibärchen lösen. Warum ist das so? Weil die Naschies für Kinder viel mehr sind, als Zucker mit bunter Speisefarbe. Das Rascheln der Tüte, der Moment der Vorfreude und schließlich der süße Geschmack im Mund. Soll heißen: Vermeintlich große Probleme sind oft nur klitzeklein. Wenn sie aber regelmäßig und als nerviger Stressfaktor wirken, kriegen sie eine Mega-Bedeutung. Die relativiert sich aber enorm, wenn mit kleinen kreativen Tricks, wie einem Gummibärchen zur Belohnung, Lösungen herbeigezaubert werden.

Auch ein Föhn wirkt verblüffenderweise als „Geheimwaffe”, wenn das Baby völlig von der Rolle ist, obwohl alles sonst ok ist: saubere Windel, satt, gesund. Der warme Luftstrom kann dann die Kleinen gut beruhigen, besonders „unten ohne”, wenn die Wäme den windelfreien Popo umstreicht. Natürlich bedarf es des Sicherheitsabstands von 30 Zentimetern und ein Handtuch sollte untergelegt werden – denn die Wärme regt die Blase an. Für viele mag der Tipp unkonventionell wirken. Aber Nicole Wirtz garantiert mit ihrer jahrelangen Erfahrung: „Das schnöde Haushaltsgerät ist ein echter Heilsbringer.“

Das Nutella-Gesetz

Generell müssen kreative Ideen – so die Mutter zweier, inzwischen pubertierender Söhne – stets mit Konsequenz und klarer Grenzziehung einhergehen. „Neben allem Spaß im familiären Umgang müssen Kinder so früh wie möglich lernen, sich an Verhaltensregeln für ein geordnetes Miteinander zu halten”, schreibt Nicole Wirtz in ihrem amüsanten Buch*. So kann süßer Nuss-Aufstrich als Mittel zum Zweck gut eingesetzt werden: Nutella wirkt als Schmankerl, um die Einhaltung von Regeln zu trainieren. Dann wird eben ein bestimmer Tag zum Nutella-Tag erklärt. Auch die Festlegung „Nur einmal am Tag eine kleine Nascherei” wird meist diskussionslos akzeptiert, weiß die Autorin. Denn: „Niemand ist so einverstanden mit festen Regelungen wie ein Kind – solange sich alle daran halten müssen und es keine Ausnahmen gibt”.

Eieruhr statt Eiertanz

Der konfliktbeladene Dauerbrenner „Aufräumen im Kinderzimmer” eignet sich auch ideal, um ein anderes Utensil des Haushalts als Trickmittel einzusetzen: die Eieruhr. Sie läuft dann zu großer Form auf, wenn die Chaos-Beseitigung   in einem festgelegten Zeitrahmen erledigt werden muss („Wer in fünf Minuten die Bauklötze aufgeräumt hat, kriegt eine Gutenachtgeschichte extra vorgelesen”). Aus der Pflicht wird ein Spiel, das Spiel gegen die Uhr.

Das Teufelchen auf der Schulter

Bei extremen Wutausbrüchen, die das Kleinkind sogar selbst erschrecken, können die Eltern eine goldene Brücke bauen, um das Geschehene leichter zu besprechen – die Verantwortung wird auf einen Strohmann übertragen, der frech auf der Schulter des Mini-Wutbrockens sitzt. Dieser imaginäre Übeltäter, das Teufelchen, wird dann vor die Tür gesetzt, damit die Wut auch ausgesperrt bleibt. „Nicht mehr das Kind selbst steht im Fokus der Kritik”, erläutert Nicole Wirtz den Trick. Ein legitimer Erziehungskniff, der wie ein Gummibärchen wirkt: als süße Belohnung.

10 goldene Regeln

  1. Lass dir in Entscheidungen nicht reinreden. Ihr seid der einzig wahre Experte für euer Kind. 
  2. Vertraut eurem gesunden Menschenverstand: Lasst euch nicht verunsichern.
  3. Hört auf euren Bauch: Wägt das Für und Wider in Ruhe ab und folgt dann eurer Intuition.
  4. Macht einen gemeinsamen Mittagsschlaf mit eurem Kind: Das ist eine lebenserhaltende Maßnahme. Ausgeschlafene Eltern sind geduldiger im Umgang mit der aufgeweckten Brut.
  5. Setzt euch nicht unnötig unter Druck: Versucht zu akzeptieren, dass der Jüngste in der Familie  den Tagesablauf völlig auf den Kopf stellt.
  6.  Bleibt begeisterungsfähig: Der Alltag ist voller Sensationen. Die Kunst, kleinen Dingen Aufmerksamkeit zu schenken und ihnen auf den Grund zu gehen, ist eine besondere kindliche Gabe, die sich zu kultivieren lohnt.
  7. Freut euch über kleine Gefälligkeiten: Wer euch ein Glas Wasser zum Stillen anbietet oder zum Babybesuch Kuchen mitbringen möchte, denkt mit und freut sich, wenn ihr das Angebot annehmt.
  8. Seid konsequent: Stellt eindeutige Regeln auf, die ihr klar kommuniziert und achtet konsequent auf die Einhaltung. Dann wird eure Mühe schon bald belohnt!
  9. Relativiert das Problem: Fragt euch in einer ruhigen Minute, wie groß das Problem tatsächlich ist und ob es sich nicht in absehbarer Zeit von selbst erledigt oder „verwächst”.
  10. Nehmt euch regelmäßig Auszeiten: Die laden die Akkus wieder auf und lassen euch danach wieder mit frischem Elan die 24-Stunden-Schicht antreten.

Buch-Tipp:

Der Erziehungsratgeber von Nicole Wirtz ist im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen (10 Euro). Titel: "Die Gummibärchen-Methode"

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