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– Vertrauensstudie 2022

Angst vor der Zukunft? So begleiten wir die Sorgen unserer Kinder

Die Ergebnisse einer neuen Sozialstudie zeigen: Viele Kinder und Jugendliche zweifeln an sich, anderen sowie öffentlichen Einrichtungen und Medien – und werden in ihrer Wahrnehmung von Ängsten begleitet. Wie können wir Eltern unsere Liebsten unterstützen und ihnen die Sorgen nehmen? Das klären wir in diesem Artikel.

Für viele Kinder und Jugendliche ist der Blick in die Zukunft keinesfalls unbesorgt, wie eine aktuelle Studie zeigt.
© Foto: iStock/Biserka Stojanovic
Für viele Kinder und Jugendliche ist der Blick in die Zukunft keinesfalls unbesorgt, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Corona. Ukraine-Krieg. Klimakrise ...

Junge Menschen wachsen heute in Zeiten existenzieller Herausforderungen auf. Wir Eltern sind mit diesen gesellschaftlichen Problemen häufig schon überfordert. Wie soll es da bloß unseren Kindern gehen! Ja, wie geht es denn unseren Kindern im Jahre 2022 eigentlich? Das wollte auch eine Studie der Bepanthen-Kinderförderung herausfinden und fragte deshalb bei den jungen Menschen direkt nach. Wie sehr vertrauen sie in sich, andere und in ihre Zukunft? Ernüchternde Ergebnisse: Tatsächlich schauen unsere Kinder der Zukunft nicht so optimistisch entgegen, wie wir es uns wünschen würden. Geprägt von Unsicherheit und dem Zweifel an gefestigten Instanzen hadern Kinder und Jugendliche heutzutage mit sich – aber vor allem mit ihrem Umfeld. Wie können Eltern ihren Kindern in solchen Momenten und Zeiten helfen?

Zum Hintergrund der Studie:

Seit mehr als zehn Jahren betreibt die Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen Kinderförderung Sozialforschung für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Alle zwei Jahre werden Umfragen zu verschiedenen Themenschwerpunkten veröffentlicht. In diesem Jahr war das Thema "Vertrauen" Gegenstand der Studie. Dafür befragte der Sozialpädagoge Prof. Dr. Holger Ziegler von der Universität Bielefeld zwischen Januar und Juni 2022 knapp 1.582 Teilnehmer, darunter sowohl Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren als auch Jugendliche im Alter von zwölf bis 16 Jahren. Zusätzlich wurden anschließend persönliche Interviews geführt. Innerhalb des betrachteten städtischen Bevölkerungsabschnitts ist die Studie repräsentativ. 

Besonders alarmierende Auszüge der Studie:

  • Nur ein Drittel der befragten Kinder vertraut uneingeschränkt darauf, dass es den Menschen in der Zukunft besser geht wird. 
  • Nur ein Drittel der Kids glaubt, dass es zukünftig weniger Kriege geben wird.
  • 65 Prozent machen sich Sorgen um Armut. 
  • Sogar 70 Prozent haben Angst vor gefährlichen Krankheiten.
  • Beinahe 75 Prozent der Jugendlichen befürchten die Auswirkungen des Klimawandels.
  • Fast 40 Prozent der befragten Jugendlichen glauben nicht, dass die meisten Menschen gute Absichten haben.
  • Mehr als 70 Prozent der Jugendlichen vertrauen Journalisten nicht. Mehr als ein Drittel vermutet sogar, dass die Medien wichtige Informationen absichtlich zurückhalten und darüber hinaus nur ihre eigene Meinung verbreiten. Nur jeder zweite Jugendliche vertraut der Bundesregierung oder den Vereinten Nationen (UN).
     

Autsch, eine düstere Bestandsaufnahme! Krankheiten, Armut, Krieg, Klimakrise. Das sind also die Bedrohungen von außen, bei denen nicht nur wir manchmal am liebsten den Kopf in den Sand stecken würden, weil eine Lösung schier unerreichbar scheint. Auch die junge Generation fürchtet sich vor diesen riesengroßen Problemen. Und das bei gleichzeitigem Misstrauen in die Gesellschaft und ihre Instanzen. Die Mischung klingt nicht gut.

Ein Wermutstropfen: Kehrt man den Blick nach innen, dann sieht es etwas besser aus. Der Aussage "Wenn ich erwachsen bin, wird mein Leben super" stimmt immerhin gut die Hälfte der befragten Kinder zu. Es gibt kaum Kinder, die das gar nicht so sehen. "Ich glaube, dass ich viele Dinge richtig gut kann" - auch diesen Satz würden mehr als zwei Drittel unterschreiben. Bei dem Ausspruch "Was auch passiert, ich komme schon klar" würden allerdings nur noch die Hälfte mitgehen.

Nicht unbedingt überraschend: Der Trend zur Unsicherheit geht in Richtung Pubertät nach oben. Viele Jugendliche fühlen sich nutzlos und haben sogar Angst, etwas falsch zu machen. Noch schlimmer: Etwa jeder zweite Jugendliche meint, wer sich auf andere verlässt, wird ausgenutzt und hat bereits Vertrauensverlust dahingehend erlebt. 

© Grafik: Bayer Vital GmbH (Bepanthen Kinderförderung).

War das nicht schon immer so?

Klingt nach einer düsteren Weltanschauung? War das schon immer so? Auch Kinder haben schließlich Zweifel. Und vor allem Jugendliche stellen mit Beginn der Pubertät oft ihr komplettes Weltbild infrage. "Bemerkenswert ist, dass ganze zwei Drittel der Jugendlichen angeben, nicht in andere Menschen zu vertrauen. Das eklatante Misstrauen der Jugendlichen überträgt sich in Teilen auf die Medien, verbunden mit der Annahme, dass diese absichtlich Informationen verschweigen oder nur ihre eigene Meinung verbreiten. Dieses Ergebnis halten wir für alarmierend", erklärt Prof. Dr. Holger Ziegler von der Fakultät für Erziehungswissenschaft an der Universität Bielefeld. Auch Bernd Siggelkow, Gründer und Leiter des Kinder-und Jugendwerks "Die Arche" berichtet aus seinem Alltag und warnt: "Die Erfahrung einer weltweiten Corona-Pandemie und der wirtschaftliche Druck, der auf Familien durch die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten lastet, bringen alle Beteiligten an die Belastungsgrenze. Wir sehen immer wieder, wie Kinder und Jugendliche sich zurückziehen, wenig vertrauen und mit starken Ängsten kämpfen."

Aber was können Eltern nun tun?

Nein, Eltern sind in dieser aktuellen Situation nicht hilflos! An allererster Stelle steht: Die Ängste von Kindern und Jugendlichen müssen ernstgenommen werden. Auch kleine Kinder können schon besorgte Fragen stellen, weil zum Beispiel in der Kita-Gruppe ein Flüchtlingskind aus der Ukraine aufgenommen wurde. Oder weil die Corona-Pandemie erneute Einschränkungen einfordert. Oder die Energiepreise so stark gestiegen sind, dass es in diesem Jahr keine neuen Winterstiefel gibt, sondern gebrauchte vom Flohmarkt. Jetzt braucht es ganz viel Kommunikation: aktives Zuhören, Wahrnehmen und Anerkennen der Gefühle und der (vielleicht auch konträren) Meinung – und eine altersgerechte Ansprache der Problematik. Denn letztendlich zeugt genau dieses In-den-Dialog-Gehen von Vertrauen in die eigenen Kinder, welches sie so dringend brauchen. Das können wir ihnen damit vorleben. Vor allem in einer Welt, die immer mehr von Unsicherheit geprägt ist, braucht es den sicheren elterlichen Hafen, in den sich Kinder zurückziehen können, um ihre Sorgen auch einfach mal abzuladen. 

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