Wollen wir Freunde sein?

Wie schüchterne Kinder Freunde finden

Viele Jungen und Mädchen finden im Kindergarten sofort Spielkameraden, schüchterne Kinder tun sich oft schwer, auf Gleichaltrige zuzugehen. Dann können Eltern ihnen helfen, etwas forscher zu werden und Kontakte zu knüpfen.

Wie schnell ein Kind Freundschaften schließt und wie viele Freunde es hat, hängt von seiner Persönlichkeit ab. Das ist weniger eine Frage des Alters.

Auch schüchterne Kinder loslassen

"Es gibt Dreijährige, die kommen am ersten Tag in den Kindergarten und sagen: Hier bin ich! Dagegen brauchen manche Fünfjährige noch unsere Unterstützung", erzählt Martina Bentenrieder, Leiterin des Herz-Jesu-Kindergarten in Augsburg.
Der Start im Kindergarten bedeutet für die Kleinen einen großen Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Hier lernen sie, neue Kontakte zu knüpfen und mit Spielkameraden umzugehen. Sich mit den anderen Kindern auseinanderzusetzen heißt auch: sich zu vergleichen, nachzugeben und zu teilen. Streit ist dabei völlig normal – und immer mal wieder geht es auch handgreiflich zu. Gewähren lassen, rät die Erzieherin. Denn nur so entwickeln Kinder die Fähigkeit zu verhandeln, zu verzichten und Lösungen zu finden.
Martina Bentenrieder appelliert auch an Mütter und Väter, die manchmal zum Überbehüten neigen: "Eltern müssen ihre Kinder loslassen können, sie selber machen lassen und ihnen nicht zu viel abnehmen. Das geht schon beim Anziehen los", sagt sie. Ebenso wichtig ist es, Mädchen und Jungen schon früh mit anderen Kindern zusammenzubringen, zum Beispiel in der Krabbelgruppe.

Kontakt zu Gleichaltrigen fördern

Natürlich sind auch die Eltern willkommene Spielkameraden. Doch nur mit Gleichaltrigen können sich Kinder auf gleicher Ebene messen. So entwickeln sie einen gewissen Abstand zur Erwachsenenwelt und ein „Gemeinsam sind wir stark"-Gefühl.
Kinder haben unterschiedliche Strategien, nach denen sie ihre Freunde auswählen. Mädchen und Jungen, die offen, gesellig und kreativ sind, scharen schnell andere um sich. Außerdem gilt schon bei Drei- und Vierjährigen: Gleich und gleich gesellt sich gern. Da spielen Alter, Temperament und Interessen eine Rolle.
"Starke Kinder brauchen manchmal genauso starke Kinder, um einen ebenbürtigen Partner zu haben und sich weiterzuentwickeln", sagt Martina Bentenrieder. Bei Dreijährigen können schon die gleichen Schuhe oder die gleiche Tasche Begeisterung füreinander auslösen. Oft wird dann die Ähnlichkeit noch betont: Anna und Lisa wollen beide rosa Glitzer-Haarspangen tragen, Max und Timo brauchen unbedingt das gleiche rote Feuerwehr-Auto.
Bei anderen Kindern gilt eher: Gegensätze ziehen sich an. "Wir beobachten, dass schwächere Kinder sich zum Teil stärkere Freunde aussuchen und umgekehrt. Auch solche Paare verstehen sich sehr gut", so die Erzieherin. Da kann es natürlich passieren, dass die Freunde nicht den Vorstellungen der Familie entsprechen. "Dann müssen Eltern über ihren eigenen Schatten springen", sagt Bentenrieder. Eingreifen sollten sie nur, wenn sie sehen, dass ihr Kind sich durch den Freund negativ entwickelt. Doch in den allermeisten Fällen gilt: Spielkameradem, ob sehr ähnlich oder verschieden, lernen voneinander und ergänzen sich gegenseitig.

Das hilft schüchternen Kindern

  • Liebe und Geborgenheit in der Familie sind die beste Basis. Mit dieser Sicherheit trauen sich Kinder, einen Schritt aus der Familie heraus zu machen und Kontakte zu Spielgefährten zu knüpfen.
  • Krabbel- und Stillgruppen oder der Spielplatz bieten ein gutes Experimentierfeld. Hier lernen Kinder schon sehr früh, mit Gleichaltrigen umzugehen.
  • Eltern sind das Vorbild, an dem sich Kinder orientieren. Pflegen sie ein enges Netzwerk aus Familie, Freunden oder Nachbarn, dann lernen auch Kinder leichter, Freunde zu finden.
  • Ermunternde Worte können einem Kind helfen, auf andere zuzugehen. Will es aber am Anfang lieber nur beobachten, ist das auch in Ordnung. Bitte nicht drängen!
  • Eltern können den Kontakt zu Nachbarkindern oder Gleichaltrigen fördern, indem sie Spielkameraden nachmittags nach Hause einladen oder einen gemeinsamen Ausflug machen.
  • Wie man auf andere zugeht, lässt sich auch zu Hause, in der Familie, üben: zum Beispiel, indem die Familie die Situation daheim nachspielt. Erst macht das Kind einen Spiel-Vorschlag, dann hat der Vater oder die Mutter eine Idee – und jeder muss dabei auch mal eine Niederlage einstecken. Das schult für ähnliche Situationen im Kindergarten.
  • Schüchterne Kinder fühlen sich vielleicht im Verein, beim Kinderturnen oder in der Bastelgruppe wohl: Gemeinsame Interessen machen es dort einfacher, mit anderen in Kontakt zu kommen.
  • Mädchen und Jungen brauchen Platz: Ist genug Raum zum Spielen für zwei da, können sich die Freunde in ihr Reich zurückziehen. Eltern lassen sie dann am besten allein, ohne sich einzumischen.
  • Nicht an jedem Nachmittag muss ein Freund da sein. Manche Kinder brauchen Zeit, sie sind sich selbst genug und suchen das Alleinsein. Zu viele Aktivitäten überfordern sie nur.

Teile diesen Artikel: