Kolumne @erziehungmitherz

Kleinkinder sind niemals unartig

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Heute schreibt Kyra darüber, warum Wut und Aggressionen bei Kindern völlig normal und okay sind ...

Kinder sind niemals unartig oder Tyrannen. Gerade Kleinkinder haben niemals die Intention uns zu provozieren oder zu ärgern. Trotz aller Zuwendung und Liebe, die die meisten Eltern ihren Kindern geben, läuft nicht immer alles rund auf dem Weg zum Erwachsenwerden: Da beißt ein Dreijähriger im Sandkasten zu, weil ihm von seinem Spielkameraden die Schippe weggenommen wird oder der große Bruder schubst mit aller Kraft die kleine Schwester weg, weil er sich über sie ärgert.

Gerade negative Gefühle wie Wut und Aggressionen, sei es gegen andere Kinder oder Erwachsene, werden in der Gesellschaft häufig als nicht legitime Emotionen empfunden, die wir an unseren Kindern nicht sehen wollen. Aber gehören sie nicht irgendwie dazu? Zum Leben? Empfinden wir diese nicht auch immer wieder mal? Und wieso wollen wir sie bei unseren Kindern partout vermeiden? Wie sollen sie denn dann lernen, mit diesen umzugehen?

Jesper Juul sagt: Aggressionen und Wut müssen zugelassen werden, ohne dass das kindliche Verhalten dann von vornherein als "böse" und unartig abgestempelt wird. Jedes aggressive, destruktive Verhalten von Kindern sei nämlich ein Ausrufezeichen, ein meist unverstandener Hilferuf, der eigentlich nichts anderes sagen wolle als "Hallo, existiert dort draußen jemand, der wünscht meine Welt kennenzulernen und versuchen will, das Leben aus meiner Perspektive zu erfahren? Ich fühle mich in der letzten Zeit nicht gut und kann alleine nicht herausfinden, was sich machen lässt."

Wenn Kinder wütend werden, weil etwas zum Beispiel nicht nach ihrem Plan läuft und sie sich missverstanden fühlen, dann löst dies Stress im Gehirn aus und der emotionale Teil des Gehirns übernimmt die Oberhand. Die Stressregulation des Kindes ist überfordert. Wir Erwachsenen haben Strategien, um uns zu beruhigen – Kinder haben diese nicht. Sie benötigen unsere Hilfe.

Kleinkinder haben weder die Möglichkeit eines Perspektivenwechsels noch empfinden sie Empathie. Wir müssen hinschauen und versuchen zu verstehen, wieso, weshalb und warum. Nur so können wir ihnen in dieser Welt helfen, zurechtzukommen.

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Unsere Gastautorin

Kyra - @erziehungmitherz

Kyra ist Erzieherin und Mama eines Sohnes, der aktuell 19 Monate alt ist. Es liegt ihr sehr am Herzen, dass ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet: hin zu bedürfnisorientierten Ansätzen und mehr Verständnis für die Entwicklung eines Kindes.

Mehr von Kyra lest ihr auf Instagram: instagram.com/erziehungmitherz/

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