Wenn ich groß bin ...

Wie sieht die Zukunft unserer Kinder aus?

Wie sieht das Leben unserer Kinder im Jahr 2050 aus? Unsere Autorin hat (unter anderem) mit einem Generationenforscher gesprochen und sich angeschaut, welche Erwartungen Kinder heute selber an ihre Zukunft haben.

Als Eltern macht man sich weniger Gedanken um die eigene, als um die Zukunft unserer Kinder.
© Foto: iStock/courtneyk
Als Eltern macht man sich weniger Gedanken um die eigene, als um die Zukunft unserer Kinder.

Wie werden unsere Kinder später mal arbeiten? Womit kommunizieren? Welche Krisen müssen sie überstehen, welche Herausforderungen im Alltag meistern? Und was wird ihnen eines Tages leichter fallen als uns heute? Das alles wollte unsere Autorin wissen und hat dazu mit Experten aus verschiedenen Bereichen gesprochen, Studien gewälzt und einen Blick in die Zukunft unserer Kinder gewagt. 

Eine Auswahl der Stimmen lest ihr hier.

Drei schnelle Fakten

1. Das Statistische Bundesamt weiß: Jungen, die nach 2012 geboren sind, haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von über 78 Jahren. Bei Mädchen sind es sogar mehr als 83 Jahre. 

2. Das Weltwirtschaftsforum prognostizierte bereits im Jahr 2015: Die Mehrheit aller heutigen Grundschulkinder wird später in Berufen arbeiten, die wir aktuell noch gar nicht kennen. 

3. Dabei werden die Männer grundsätzlich in der Überzahl sein: Seit weit über 50 Jahren werden in Deutschland mehr Jungen als Mädchen geboren. Der Grund dafür ist unbekannt. 

Persönlichkeitsentwicklung

Generationenforscher Rüdiger Maas warnt: Wir Eltern machen unseren eigenen Kindern die Zukunft schwer – auch wenn wir es gut meinen. Rüdiger Maas erforscht und analysiert seit 2012 generationsbedingtes Verhalten. Der Psychologe und Fachbuchautor gründete hierzu das Institut für Generationenforschung. Mehr Infos: generation-thinking.de

"Unseren Kindern wird es schwerfallen, Niederlagen auszuhalten"

Leben & erziehen: Herr Maas, Ihr aktueller "Spiegel"-Bestseller trägt den Titel "Generation lebensunfähig" – ein sehr hartes Urteil. Was macht unsere Kinder "lebensunfähig"?
Rüdiger Maas: Ja, ein wirklich hartes Urteil. Aber es gibt viele Dinge, die wir ernster nehmen sollten. Unseren Kindern wird es im Erwachsenenleben zum Beispiel besonders schwerfallen, geduldig zu agieren und auch mal Niederschläge oder Frust auszuhalten.

Wie kommt das?
Vielen Kindern wird heute sehr viel abgenommen und sehr wenig zugetraut. Sobald es schwierig oder unangenehm wird, springen die Eltern in die Bresche. Und sobald sich das Kind langweilt, setzen die Eltern alles daran, es zu entertainen, auch wenn dafür das Tablet herhalten muss. Ein Kindermärchen kann in der Kita kaum noch vorgelesen werden, ohne die Kinder mit Aktionen miteinzubeziehen.

Welche Auswirkungen hat das konkret auf ihr Erwachsenenleben?
Später werden viele Kinder bei Rückschlägen die Umgebung verantwortlich machen: "Das konnte ich nicht, denn es hat mir niemand gezeigt." Immer weniger kommen auf die Idee, sich selbst etwas anzueignen. Zahlreiche Unternehmen berichten Ähnliches: Junge Nachwuchskräfte schieben ihr Unwissen auf ihren ehemaligen Professor oder auf den Ausbilder.

Was – oder wer – sind die Ursachen für diese Entwicklung?
Wir Eltern. Wir nehmen unseren Kindern schlicht zu viel ab und machen uns zu viele Sorgen. Und das Schlimmste daran: Wir vernachlässigen sie dadurch sogar!

Wie kann denn aus Überbehütung Vernachlässigung werden?
Eltern scheuen immer mehr die direkte Konfrontation mit ihren Kindern oder muten ihnen einfach nichts Negatives zu. Des Weiteren binden viele bereits Kleinkinder sehr stark in die Mitsprache bei Entscheidungen mit ein. Das ist enorm anstrengend für viele Kinder, und es überfordert sie. Das Kind erfährt auf diese Weise keinen kindgerechten Umgang, auch wenn wir es noch so gut meinen. So wird aus Überbehütung schlicht Vernachlässigung.

In welchen Fähigkeiten werden unsere Kinder denn besser sein als ihre Vorgänger-Generationen?
Unsere Kinder nehmen die digitale Welt völlig intuitiv wahr. Für sie wird es normal sein, sich zuerst im Digitalen zu orientieren. Zudem wachsen heutige Kinder wesentlich liberaler und auch toleranter auf, vielleicht können wir sogar davon ausgehen, dass es die liberalste Generation wird, die wir je hatten.

Eigene Erwartungen

Was denken die Kinder eigentlich selbst über ihre Zukunft? Die "Vertrauensstudie 2022*" hat bei rund 830 Sechs- bis Elfjährigen nachgefragt.

Jedes zweite Kind vertraut darauf, dass sein Leben super wird

Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Klimawandel: Unsere Kinder wachsen in einer Zeit mit existenziellen Bedrohungen auf. Macht ihnen das Angst vor der Zukunft? Für die Vertrauensstudie der Bepanthen- Kinderförderung fand der Sozialpädagoge Prof. Dr. Holger Ziegler heraus, dass auch Kinder bereits Zweifel an der Welt kennen:

  • Nur 32,4 Prozent der Kinder vertrauen uneingeschränkt darauf, dass es den Menschen in Zukunft besser geht.
  • Nur 33,3 Prozent glauben, dass es weniger Kriege geben wird.
  • 26,4 Prozent der Kinder glauben ganz fest daran, dass die Welt eine bessere sein wird, wenn sie erwachsen sind, weitere 57,8 Prozent sind einigermaßen zuversichtlich. Nur 15,8 Prozent glauben nicht daran.
  • 65,1 Prozent der Kinder machen sich Sorgen über Armut.
  • 70,2 Prozent haben Angst vor gefährlichen Krankheiten.

Der Aussage "Wenn ich erwachsen bin, wird mein Leben super" stimmten 53,0 Prozent der befragten Kinder voll zu. Nur 2,3 Prozent sehen das gar nicht so.

* Die "Vertrauensstudie 2022" wurde im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung von der Universität Bielefeld durchgeführt.

Autorin: Silke Schröckert
... hat noch mit vielen weiteren interessanten Personen gesprochen. Nachlesen könnt ihr die Interviews unter anderem zu den Themen "Beruf und Arbeit", "Technik und Kommunikation", sowie "Klima und Natur" in der aktuellen Ausgabe von "Leben & erziehen"!

Weitere Ergebnisse aus der Vertrauensstudie der Bepanthen- Kinderförderung findet ihr außerdem hier:

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