Studien erfolgreich

Wann kommt die Corona-Impfung für Kinder ab 5 Jahren?

Die US-Seuchenbehörde CDC hat als letzte Instanz grünes Licht für die Corona-Impfung von kleinerer Kinder erteilt. Damit ist in den USA die letzte noch fehlende Hürde für die Immunisierung von Fünf- bis Elfjährige genommen. Zuvor hatte bereits die US-Arzneimittelaufsicht FDA hatte dem Vakzin von Biontech/Pfizer eine Notfallzulassung erteilt. Kommt jetzt auch die Impfung Kinder ab fünf in Deutschland?

Der Status-Quo zum Impfen von Kindern gegen Corona

Update vom 3. November 2021: Ab sofot können fünf- bis elfjährige Kindern in den USA mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer gegen Corona geimpft werden. Alle zuständigen Behörden gaben grünes Licht. Eine klinische Studie hat nach Angaben der Hersteller zuvor gezeigt, dass der Impfstoff für Kinder dieser Altersgruppe "gut verträglich" sei und eine "starke Immunantwort" hervorrufe. Verglichen mit Erwachsenen und Jugendlichen wurde den Kindern eine deutlich geringere Dosis des verabreicht. Die zweite notwendige Injektion erhielten sie nach 21 Tagen. An der Studie nahmen 2.268 Kinder teil.

Die US-Regierung von Präsident Joe Biden will noch in dieser Woche mit der Impfkampagne für Fünf- bis Elfjährige beginnen. Das betrifft 28 Millionen Kinder. Die USA sind damit eines der ersten Länder, die auch junge Kinder gegen das Coronavirus impfen. Bisher machen das nur wenige Staaten, darunter China, Chile, Kuba und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Seit Anfang Juni 2021 können sich in der EU – und somit auch in Deutschland – Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gegen Covid-19 impfen lassen. 

Klinische Studie bei jüngeren Kindern erfolgreich

Nach Biontech/Pfizer hat auch das US-Pharmaunternehmen Moderna positive Zwischenergebnisse einer klinischen Studie mit seiner Coronaimpfstoff bei Kindern bekannt gegeben. Getestet wurde 4750 Kinder zwischen sechs und elf Jahren, bei denen das Vakzin eine starke Immunantwort hervorgerufen habe. 

Außerdem hätten die Kinder den Impfstoff gut vertragen. Die Nebenwirkungen waren laut Moderna vergleichbar mit denen in der Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dokumentiert wurden vor allem Kopfschmerzen, Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle und Müdigkeit. 

Moderna will die Daten demnächst der US-, der Europäischen und den anderen Arztneimittelbehörden vorlegen. 

Kinderärzte empfehlen Impfung ab 12 Jahren uneingeschränkt

Weil aktuell die Infektionszahlen wieder steigen, fordert die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin nun alle zwölf- bis 17-Jährigen auf, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Bereits Mitte August 2021 gab die Stiko eine generelle Empfehlung für diese Altersklasse ab.

Der Vorsitzende der Gesellschaft, Jörg Dötsch, sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland dazu: "Nachdem Daten von über zehn Millionen Kindern und Jugendlichen erhoben wurden, empfehle ich die Impfung den über Zwölfjährigen heute allgemein und uneingeschränkt. Ich werbe dafür so dringlich wie bei Erwachsenen." Dötsch betonte, dass die Risiko-Nutzen-Abwägung eindeutig zugunsten der Impfung ausfalle.

Rekord-Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen

Deutsche Lehrerverband spricht sich ebenfalls klar für eine Impfung bei Jüngeren aus. "Auch wenn die allgemeinen Infektionszahlen derzeit noch stagnieren, nehmen gerade an Schulen die Infektionsausbrüche aktuell in einem Ausmaß zu, wie wir es bislang im Pandemieverlauf nicht kannten, vor allem nicht zu einem so frühen Zeitpunkt vor dem Winter", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der "Passauer Neuen Presse".

Anfang der letzten Oktoberwoche war die Sieben-Tage-Inzidenz unter anderem in Bayern bei Kindern und Jugendlichen so hoch wie noch nie. In der Gruppe der sechs- bis elfjährigen stieg der Wert innerhalb einer Woche um 157 auf 415, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mitteilte. Bei den Zwölf- bis 15-Jährigen liegt die Inzidenz inzwischen bei 391, bei den 16- bis 19-Jährigen sind es 324 Fälle pro Woche und 100 000 Einwohner.

 

Corona-Infektion verläuft bei Jüngeren meist mild

Eine Corona-Infektion bei Kindern verläuft in den meisten Fällen mild, häufig sogar symptomlos. In seltenen Fällen erkranken aber auch Kinder schwer an Covid-19. Spät-Folgen (Long-Covid) kommen in wenigen Fällen ebenfalls vor. In Einzelfällen sind zudem lebensbedrohliche Entzündungen wie das Kawasaki- oder PIMS-Syndrom aufgetreten. All das, in Kombination mit den durch die Impfstoffentwickler durchgeführten Studien auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen, hat Auswirkung auf die Impfempfehlung der Stiko.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, steht Corona-Impfungen für Kinder ab fünf Jahren noch zurückhaltend gegenüber. "Je geringer die Krankheitslast in einer Gruppe, umso sicherer muss die Impfung sein", sagt Mertens der Rheinischen Post. Für eine abwägende Entscheidung zu einer Empfehlung müssten erwartbare positive Effekte - klinisch oder psychosozial - für die Kinder und mögliche Restrisiken bei im Wachstum befindlichen Kindern "möglichst einigermaßen quantitativ fassbar" sein. "Die Krankheitslast bei Kindern in den USA ist offenbar höher als in Deutschland", sagte Mertens.

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Kinderärzte warten auf Stiko-Empfehlung

Die STIKO-Empfehlung ist wichtig, weil sie Grundlage für die Kostenübernahme von Impfungen durch die Krankenkassen und die Haftung bei Impfzwischenfällen ist. Die Stiko ist außerdem verpflichtet, ihre Entscheidung auf Basis wissenschaftlicher Daten zu fällen – ohne Rücksicht auf die Wünsche von Politik und Gesellschaft. Laut Jakob Maske vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte ist dieser Aspekt besonders wichtig. "Erst dann können wir sagen, ob eine Impfung sinnvoll ist", so der Kinderarzt aus Berlin.

Biontech/Pfizer arbeitet bereits an Studien mit noch jüngeren Teilnehmern. Eine Gruppe ist im Alter von zwei bis fünf Jahren, die andere von sechs Monaten bis zwei Jahren. Das Unternehmen erwartet erste Ergebnisse noch 2021.

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