Wie gut sind die Kinderärzte im Netz?

Digitale Sprechstunde: Hallo Dr. Online!

Seit der Corona-Krise gehen immer mehr Ärzte neue Wege, um Patienten auch außerhalb der Praxis zu erreichen. Ob über Videosprechstunden, Messenger-Dienste, Podcasts oder Social-Media-Kanäle – die Digitalisierung schreitet in riesigen Schritten voran. Unsere Autorin hat ihre eigenen Erfahrungen gemacht und stellt vier Beispiele vor.

Wie die Umrisse der Ostseeküste zeichnete sich der Ausschlag auf dem Gesicht unserer Tochter ab und kam gefährlich nah an ihr Auge heran. "Müssen wir uns deshalb Sorgen machen?", fragte ich meinen Mann an diesem Samstagmorgen im März. Er war genauso ratlos wie ich, weshalb wir das Kind fotografierten und die Bilder unseren Familien und Freunden schickten. Nach einer halben Stunde waren sich alle einig: Das sollte sich mal ein Arzt angucken. Doch dafür extra mit dem Kind ins Krankenhaus fahren? Mitten im Corona-Lockdown? Bitte nicht! Stattdessen befolgten wir den Tipp meiner Schwägerin: "Ich habe von einer Telemedizin-Plattform gehört. Probiert das doch mal aus." Dafür gibt es tatsächlich viele Möglichkeiten:

Digitale Sprechstunde

Immer mehr Plattformen bieten den Arztbesuch per Mausklick an – eine davon ist Kry. 2019 ging das in Schweden gegründete Unternehmen in Deutschland an den Start, seit Mitte 2020 übernehmen alle Krankenkassen die Behandlungen. "Die Auswirkungen der Pandemie waren auch für unser Wachstum entscheidend", bestätigt die medizinische Direktorin Dr. Monika Gratzke. Das Unternehmen sieht sein Angebot als Ergänzung zu den üblichen Vor-Ort-Behandlungen, bietet ärztliche Hilfe an Wochentagen bis 22 Uhr und auch an Wochenenden und Feiertagen an. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Kinderärzte liegt aktuell im zweistelligen Bereich. "Jeder Arzt muss eine deutsche Approbation besitzen", sagt die medizinische Direktorin. Hat die Videosprechstunde auch Grenzen? "Es gibt klare Warnsignale und Symptome, auf die unsere Ärzte natürlich geschult sind. Sie weisen in so einem Fall Patienten und Eltern sofort darauf hin, dass eine Praxis aufgesucht werden muss und eine Weiterbehandlung über Video nicht mehr möglich ist."

Messenger-Dienste

Dr. Jost Knippenberg, niedergelassener Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Lengerich, setzt, wie immer mehr Kollegen, seit einem Jahr neben der normalen Sprechstunde auf den zusätzlichen Service, per Messenger-Dienst zu beraten. "Wir nutzen dafür Threema und die App 'Mein Kinder- und Jugendarzt' vom Berufsverband. Die Eltern nehmen das Angebot sehr gut an." Bereits beim ersten Besuch zur U3 der Kinder werden Mütter und Väter über den zusätzlichen Service informiert. Damit können sie Rezepte anfordern, Formulare hochladen, aber auch um medizinischen Rat bitten. "Wir bekommen Fotos von Hautausschlägen oder Fragen zu Beschwerden wie Bauchschmerzen. Demnächst soll die App um eine Videofunktion erweitert werden, sodass Eltern auch zeigen können, wenn das Kind etwa plötzlich komisch läuft." Die Fragen werden dabei stetig im laufenden Betrieb beantwortet. "Jeder, der gerade Zeit hat, kümmert sich um den einen oder anderen Chat." Dr. Knippenberg sieht bei all den positiven Seiten jedoch auch ein Problem: "Wir bekommen rund 20 bis 50 Anfragen pro Tag, die jetzt schon einen erheblichen Mehraufwand bedeuten, der aber kaum vergütet wird. Wenn die Nachfrage steigt, müssen wir uns fragen, ob wir das so noch leisten können."

Leben & erziehen Abo + Geschenk

Dein Begleiter von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zum Alltag mit Kindern. Jetzt mit 25% Rabatt testen!

Instagram & Co.

Ein anderes Konzept, Patienten und Eltern virtuell zu erreichen, verfolgt Dr. Vitor P. Gatinho, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Frankfurt am Main: Er klärt auf der Social-Media-Plattform Instagram über vielfältige Themen rund ums Kind auf. "Im August 2020, als alle Freizeitaktivitäten weiterhin wegfielen, habe ich auf der Suche nach einem neuen Hobby begonnen, kurze und lustige Videos zur Kindermedizin zu erstellen", erzählt der Arzt und Familienvater. Sein Angebot ging geradezu durch die Decke: Mittlerweile haben mehr als 200.000 Menschen seinen Kanal @kids.doc.de abonniert, fast 140 Beiträge sind entstanden. "Meine Themenauswahl ist kunterbunt, es geht nicht ausschließlich um Medizin, sondern auch um Erziehungs- oder Alltagstipps. Auf die Themen komme ich durch meine Arbeit in der Praxis, andere sind Dauerbrenner, wieder andere entstehen durch Aktualität", so Dr. Gatinho. Ein paar Dinge sind dem Arzt in Bezug auf seine Internetaktivität jedoch wichtig: 1. Keine Beratung über Instagram! "Ich behandele nie übers Netz, und Anfragen dazu werden unbeantwortet gelöscht." 2. "Was ich erzähle, ist keine Meinung, sondern basiert auf den Leitlinien und Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde."

Podcast

"Hand, Fuß, Mund" heißt der Podcast der beiden Düsseldorfer Kinderärzte Dr. Nibras Naami und Dr. Florian Babor. Seit Jahren arbeiten die beiden am Uniklinikum auf der Kinderonkologie und wissen aus Erfahrung, dass sowohl in Krankenhäusern als auch im niedergelassenen Bereich oftmals die Zeit fehlt, ausführlich mit Eltern über bestimmte Themen zu sprechen. "Weil Podcast so ein gutes Medium ist, besonders um Wissen zu vermitteln, haben wir im Februar 2020 begonnen, einmal pro Woche eine Episode zu produzieren", erzählt der vierfache Vater Dr. Babor. Aufgenommen wird meist im Wohnzimmer von Dr. Naami, die Themenauswahl wird auch in ihrem Fall durch Aktualität oder Nachfragen von Patienten bestimmt. "Wir versuchen, alle Themen ganz objektiv und gefüllt mit verlässlicher Information zu verbreiten. Es kann dabei um Kinderkrankheiten, um Sonnenbrand oder Reiseapotheke, um vegane oder vegetarische Ernährung, aber auch um so sensible Dinge wie Gewalt an Kindern gehen." Mehr als 300.000 Downloads konnten die Experten bereits verzeichnen.

Auch bei uns lief es gut mit der Online-Beratung. Nur wenige Stunden später beruhigte uns ein sehr netter Kinderarzt aus Bayern per Videosprechstunde. Die Krankenkasse übernahm die Kosten, und die Creme, die wir für die Haut unserer Tochter verwenden sollten, hatten wir noch zu Hause. Das Wochenende war gerettet.

Fakten zur digitalen Sprechstunde

Laut Gesundheitsminister Jens Spahn sind die Behandlungen per Videosprechstunde von nur rund 3000 im Jahr 2018 auf mehrere Millionen in 2020 gestiegen. Das im Dezember 2019 verabschiedete Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) regelt u.a., dass telemedizinische Leistungen verstärkt gefördert werden sollen. So dürfen Ärzte auf ihrer Website über die Möglichkeit zur Videosprechstunde informieren. Außerdem wurden verbindliche Richtlinien für Datenschutz und Datensicherheit festgelegt.

Autorin: Andrea Leim

></div>
    </div>
  </div>

  </div>





  <footer class=

Teile diesen Artikel: