Zu Hause bleiben oder ab zum Arzt?

Was tun, wenn sich euer Kind einen Fremdkörper in die Scheide gesteckt hat?

Kinder sind neugierig auf ihre Umwelt und den eigenen Körper. Da kann es schon mal vorkommen, dass sie sich spaßeshalber Fremdkörper einführen. Kommen diese nicht von alleine wieder raus, ist Hilfe nötig.

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Unsere Experten

Till Rausch (links) arbeitet als Kinderchirurg im Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift. Dr. Benedict-Douglas Sannwaldt (rechts) hat seine Leidenschaft für die Kinderchirurgie am Ende des Studiums im Praktischen Jahr entdeckt. 2014 trat er in Hamburg seine erste Stelle als Arzt an. 2021 hat er dort seine Facharztausbildung im Bereich Kinderchirurgie abgeschlossen.

Gemeinsam haben sie das Buch "Verknackst, verschluckt, verbrannt: Wie ihr euren Kids zu Hause helft & und wann ihr in die Klinik solltet" veröffentlicht (Junior Medien, 2022, 18,95 Euro)

Den eigenen Körper entdecken

Gerade eure Kleinsten sind neugierig auf alles und entdecken auch ihren Körper. Das ist völlig normal. Erklärt ihnen mit den richtigen Wörtern, wie unser Körper aufgebaut ist und wozu die Geschlechtsorgane da sind. Meiner Meinung nach können Kinder durchaus damit umgehen, und das Thema muss nicht mit allzu viel Scham aufgeladen werden. Es kommt immer mal wieder vor, dass die Kleinen sich etwas in die Scheide stecken. Ein Klassiker sind Murmeln.

Was könnt ihr bei Gegenständen in der Vagina zu Hause tun?

Manchmal ist es gar nicht so leicht, nachzuvollziehen, ob eure Tochter sich wirklich etwas in die Scheide gesteckt hat. Man sieht ja von außen nichts mehr. Ein angenehm warmes Bad kann für Entspannung sorgen und den Fremdkörper von allein wieder freigeben. Ansonsten könnt ihr gar nicht viel tun.

Wann müsst ihr in die Notaufnahme?

Wenn ihr annehmt, dass ein Gegenstand in der Vagina eurer Tochter steckt und von allein nicht mehr herauskommt, dann solltet ihr auf jeden Fall eine Kinderklinik oder einen Frauenarzt aufsuchen. Eile ist aber nicht geboten, es sei denn, euer Kind hat starke Schmerzen, blutet oder hat bereits Ausfluss oder gar Fieber.

Hinweise auf einen schon länger liegenden Fremdkörper können Ausfluss, Schmerzen und wiederkehrende Infekte, zum Beispiel Harnwegsinfekte, sein.

Was passiert in der Notaufnahme?

Wir können im ersten Schritt per Ultraschall durch die Bauchdecke nachschauen, ob ein Fremdkörper zu erkennen ist. Falls nicht, muss im Gespräch mit den Eltern entschieden werden, ob das Kind in Narkose gelegt wird, um genau nachzuschauen, oder erst einmal abgewartet werden soll. Das kommt ganz auf den Allgemeinzustand eures Kindes an, den wir Ärzte und Ärztinnen im Krankenhaus aber gut im Blick haben.

Zum Weiterlesen: Kinderunfälle – was ihr zu Hause tun könnt und wann ihr in die Klinik solltet

Das Kleinkind steckt sich eine Murmel in die Nase. Die Tochter kriegt beim Spielen im Wald einen Ast ins Auge. Der Sohn knallt auf dem Trampolin mit seinem Kumpel zusammen … Kinder tun sich ständig weh, manchmal ziemlich übel. Der erste Impuls vieler Eltern: Ab in die Klinik! Dabei sind die meisten Verletzungen gar keine echten Notfälle. Die Folge: überlastete Notaufnahmen und auf allen Seiten zum Zerreißen angespannte Nerven.

Genau das wollen die Kinder-Docs Benedict-Douglas Sannwaldt und Till Rausch mit ihrem neuen Buch ändern. Es soll Eltern eine Orientierungshilfe für die häufigsten Arten von Verletzungen und Unfällen bieten, um den Ernst der Lage besser einzuschätzen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Ein Buch zum vorsorglichen Drin-Schmökern, aber auch Schnell-mal-Nachschlagen. Mal hoch emotional, mal extrem dramatisch, zwischendurch sogar urkomisch. In jedem Fall aber immer mit viel Herz und Verständnis für alle Eltern, die sich Sorgen um ihren Nachwuchs machen.

"Verknackst, verschluckt, verbrannt: Wie ihr euren Kids zu Hause helft – und wann ihr in die Klinik solltet" von Till Rausch und Dr. Benedict-Douglas Sannwaldt (191 Seiten, Junior Medien, 18,95 Euro).

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