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Unterwegs im Zahnmobil

Zwei Tage für die Zahngesundheit

Jeden Dienstag und Donnerstag ist Frau Sönksen von der Caritas mit ihrer rollenden Zahnarztpraxis unterwegs und fährt die verschiedenen Kitas in Hamburg an, die sie betreut. Wir haben ihr einen Tag bei der Arbeit über die Schulter geschaut und selbst noch ein paar Fakten zum Thema Zahnpflege lernen können.

Seit mittlerweile elf Jahren besteht das soziale Projekt in Zusammenarbeit mit dem Zahnpflegeprodukte-Hersteller CP Gaba, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern in den Brennpunkten der Stadt die Zahnpflege näher zu bringen. Angefangen 2008 mit knapp 50 Einrichtungen, sind es mittlerweile über 90 Kitas, die sich über den Besuch des Zahnmobils freuen dürfen.

"Die meisten Kitas rufen uns proaktiv an und fragen, wann wir Zeit für sie haben", erklärt Sylway Sönksen, die seit Anfang an bei dem Projekt dabei ist. Neben vielen Kitas, die sie bereits seit Jahren betreut, kommen so auch immer wieder neue dazu. Je nach Machbarkeit, planen sie, jede betreute Kita zweimal im Jahr anzufahren. Die gelernte Zahnarzthelferin erzählt uns, dass sie deswegen nicht selten Monate im Voraus ausgebucht sind, weil der Bedarf so hoch ist.

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Kinder wissen: Zähneputzen ist sehr wichtig

Kein Wunder, denn leider haben viele der Kleinkinder bereits schlechte Zähne, nicht selten sogar Karies in den Milchzähnen. Der Großteil der Drei- bis Sechsjährigen, die einen Ausflug in die fahrbare Zahnarztpraxis machen dürfen, wissen schon, dass sie am besten dreimal am Tag die Zähne putzen sollten. Und nach dem Mittagessen in der Kita ist das auch meistens garantiert – doch zu Hause liegt die Verantwortung bei den Eltern. Deswegen ist die Arbeit der Caritas auch so wichtig, weil die Kleinen hier auf spielerische Art und Weise die wichtigsten Punkte zur täglichen Zahnpflege lernen und diese mit nach Hause nehmen können.

Damit es nicht zu eng wird in der "Zahnarztpraxis" und jedes Kind die Möglichkeit hat, alles zu erkunden und zu erfragen, dürfen immer vier bis maximal fünf der Kitakinder auf einmal einsteigen. Und wenn die Kleinen dann das Zahnmobil zum ersten Mal betreten, staunen sie nicht schlecht. Der umgebaute Kleintransporter sieht nämlich von innen genauso aus wie ein richtiges Behandlungszimmer beim Zahnarzt. Mit allem, was dazu gehört – vom Spülbecken bis hin zu den Bohrern. Aber besonders der blaue Zahnarztstuhl wird mit großen Augen betrachtet. Die mutigsten Kinder wollen auch gleich darauf Platz nehmen und sich untersuchen lassen. Ganz vorne mit dabei ist die sechsjährige Alegra.

"Hui, wie im Fahrstuhl!"

"Gut festhalten, es geht aufwärts", erklärt Frau Sönksen. Sie tippt mit dem Fuß ein kleines Pedal an der Seite des Behandlungsstuhls an. Dieser setzt sich in Bewegung und fährt ein ganzes Stück nach oben. "Wie im Fahrstuhl!", ruft Alegra begeistert und wartet gespannt ab, was nun passiert. Ihre Freunde haben inzwischen auf der Bank gegenüber Platz genommen und schauen mit großen Augen auf einen Bildschirm, der an der Decke hängt. Damit die Kinder einen eigenen Einblick in ihre Zähne bekommen können, ist das Zahnmobil mit einer Kamera, fast in Zahnbürstenform, ausgestattet. So kann Sylway Sönksen ganz in Ruhe den Zustand der Zähne begutachten, während die Kleinen das Geschehen am Bildschirm nachverfolgen können. Alegra macht freiwillig den Mund ganz weit auf, die Augen auf den Bildschirm gerichtet, wo sie ihre eigenen Zähne sehen kann.

"Die sehen ja super aus. Wie oft am Tag putzt du denn deine Zähne, Alegra?" – "Dreimal!", sagt sie stolz, "Morgens und abends mit Mama und Papa und nach dem Mittagessen." Mit sechs Jahren und kurz vor der Einschulung weiß sie natürlich schon, worauf es ankommt, bei ihr ist der Aufklärungsbedarf als nicht so groß. Das ist aber keine Selbstverständlichkeit. Als die anderen gefragt werden, wann sie denn zuletzt Zähne geputzt haben, antwortet eines der Mädchen zum Beispiel mit "gestern Abend."

Rot und Weiß putzen

Und genau hier setzt die eigentliche Arbeit der Zahnarzthelferin und dem Caritasverband an: bei der Präventionsarbeit zur Zahnpflege. Zwar ist das Zahnmobil ausgestattet wie eine fahrende Praxis, allerdings geht es bei den ganz Kleinen nicht um die Behandlung kaputter Zähne, sondern um die Auf- und Erklärung. Dazu gehören das Kennenlernen des Behandlungsstuhls und Vorstellen der technischen Geräte, aber vor allem der richtige Umgang mit den eigenen Beißerchen. Sylway Sönksen möchte vor allem, dass die Kinder verstehen, wie wichtig das Putzen nach jeder Mahlzeit ist und dass sie auch ihre Eltern aktiv mit in die Zahnpflege einbinden. "Wenn du morgen früh deinen Kakao ausgetrunken hast, bitte doch Mama und Papa darum, dass ihr gemeinsam Zähne putzt. Würdest du das für mich machen?", fragt sie und bekommt ein eifriges Nicken mit einem breiten Grinsen zurück.

Weil Kinder viel besser lernen und verstehen, wenn sie etwas aktiv erleben, wird den Kleinen anhand eines Modells gezeigt, wie das Zähneputzen schonend und effektiv zugleich funktioniert: "Wichtig ist, dass ihr immer von Rot nach Weiß putzt – wer weiß, was dabei das Rote ist?", fragt die Caritas-Mitarbeiterin und alle fünf Hände schießen in die Luft. "Aurelia, magst du mir einmal zeigen, wie das funktioniert?" Das Mädchen springt auf und zeigt an dem Modell, was sie weiß: Das Rote ist das Zahnfleisch und das Weiße natürlich die Zähne. So wird alles schön sauber und das Zahnfleisch nicht unnötig gereizt.

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"Deswegen sind wir hier."

Anschließend ist noch ein bisschen Theorie angesagt: Während den Kindern nach und nach die Zähne angeschaut werden, gibt es ein paar Fragen, beispielsweise zur Ernährung. Als Anschauungsmaterial gibt es einen Korb mit Spielzeug-Nahrungsmitteln. Schon die Kleinsten, die sich in das Zahnmobil trauen, wissen, dass Obst und Gemüse gesund, Kuchen und Kekse dagegen schlecht für die Zähne sind. Umso erstaunlicher ist es, dass kurze Zeit später ein kleiner Junge in das Zahnmobil gestolpert kommt, der bereits mit drei Jahren eine dunkle Blombe im rechten Backenzahn hat. Liebevoll fragt Sylway Sönksen, wie es um seine Zahnpflege bestellt ist, doch der Kleine ist zu schüchtern und versteckt sich lieber wieder schnell hinter seiner Erzieherin.

"Das ist leider keine Seltenheit", erklärt Frau Sönksen kurze Zeit später. "Deswegen sind wir hier. Um den Kindern zu helfen, ihnen die Angst zu nehmen und proaktiv auf den Zahnarztbesuch aufmerksam zu machen." Im Anschluss an die kleine "Schulung" darf sich jedes der Kitakinder noch eine Zahnbürste in der Farbe ihrer Wahl aussuchen und bekommt eine Kinder-Zahnpasta von elmex geschenkt. Diese hat seit Juni eine neue Fluorid-Dosierung, welche dem jeweiligen Alter (Baby-Zahnpasta bis zum zweiten, Kinder-Zahnpasta zum sechsten und danach Junior bis zum zwölften Geburtstag) angepasst ist. So bekommen die Kleinen nicht nur neue Utensilien für ihre Zahnpflege, sondern behalten das Gelernte und den Besuch des Zahnmobil in positiver Erinnerung.

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Unser Autor

Martin Piecha

Content Manager bei Junior Medien

"Man kann immer dazu lernen"

Martin stammt als studierter Sportjournalist und -manager sowie ehemaliger Redakteur für Fitness- und Gesundheitsthemen aus einem eher anderen Fachbereich. Er liebt jedoch die redaktionelle Herausforderung und stellt sich voller Freude und Enthusiasmus dem weiten Feld rund um das Elternwerden und Elternsein.

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