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Nur ein kleiner Pikser

HPV-Impfung kann vor Krebs schützen

Früher wurde die HPV-Impfung nur für Mädchen empfohlen. Seit 2018 gilt die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) auch für Jungen. Zwar heilen viele HPV-Infektionen von allein aus. Doch bei einigen Formen kann über Jahre hinweg Krebs entstehen.

Soll ich mein Kind impfen lassen? Bietet die Impfung überhaupt Schutz? Oder stellt sie vielmehr eine Gefahr dar? Wenn es um das Thema Impfen geht, sind viele Eltern verunsichert. Dass Kinder gegen Masern, Keuchhusten oder Mumps geimpft werden sollen, sehen viele Mütter und Väter ein. An die relativ neue HPV-Impfung denken Eltern oft (noch) nicht – oder zögern aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen.

HPV-Infektion kann zu Gebärmutterhalskrebs führen

Dabei sind nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs auf Humane Papillomviren (HPV) zurückzuführen, von denen es unterschiedliche Typen gibt. Die HPV-Impfung schützt vor den HPV-Typen, die für bis zu 90 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind und außerdem Krebs am Anus, an der Vagina, Vulva, am Penis oder im Mund-Rachen-Raum auslösen können. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 6.250 Frauen und 1.600 Männer aufgrund einer HPV-Infektion an Krebs.

Impfempfehlung der STIKO gilt auch für Jungen

Noch vor Kurzem wurde die HPV-Impfung nur für Mädchen empfohlen. Seit 2018 gilt die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) auch für Jungen. Warum die HPV-Impfung auch für Jungen so wichtig ist, erklärt die Knappschaft sehr anschaulich. Geimpft werden sollen Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 14 Jahren. Ein Nachimpfen ist bis einschließlich 17 Jahre möglich. In diesen Altersgruppen wird die HPV-Impfung von den Krankenkassen bezahlt. "Versäumte Impfungen sollten so früh wie möglich nachgeholt werden", betont Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut. "Auch nach dem ersten Sex können und sollten ungeimpfte Mädchen oder Jungen noch gegen HPV geimpft werden." Selbst wenn es dann schon zu einer dauerhaften HPV-Infektion gekommen sein sollte, könne die Impfung trotzdem noch einen Schutz vor den anderen im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen bieten.

Humane Papillomviren gibt es in vielen Formen

Denn es gibt mehr als 150 Typen von HP-Viren. Sogenannte Low-Risk-Typen wie HPV 6 und HPV 11 verursachen ansteckende Feigwarzen (Genitalwarzen). Diese treten zum Beispiel an Scheide, Schamlippe, Glied, Damm oder Anus auf. Es handelt sich um stecknadel- bis mehrere Zentimeter große Papeln, die sich ausbreiten können. Gefährlicher sind High-Risk-Typen wie HPV 16 und HPV 18. Bei einer Infektion mit diesen Typen können sich über einen längeren Zeitraum unterschiedliche Krebsarten entwickeln. 

Derzeit wird keine Auffrischimpfung empfohlen

Je nach Alter der Kinder wird zwei- oder dreimal geimpft. Im Alter von neun bis 14 Jahren erhalten die Kinder zwei Impfdosen. Zwischen den beiden Impfungen sollen mindestens fünf Monate Abstand liegen. Ab dem Alter von 15 Jahren gibt es drei Impfdosen innerhalb eines Jahres. Laut Robert Koch-Institut wird derzeit keine Auffrischimpfung empfohlen. Der Düsseldorfer Kinderarzt und Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Hermann Josef Kahl, bezeichnet die Resonanz insgesamt positiv. Seine Erfahrung aus der Praxis: Besonders nach der Einführung der Impfung für Jungen werde die HPV-Impfung gut angenommen. "Vor allem Mütter sagen: Es ist Zeit geworden, dass auch Jungs geimpft werden." Jungen können das Virus übertragen, aber sie können eben auch selbst erkranken.

Einige Eltern entscheiden sich gegen die Impfung

Aber: Einige Eltern entscheiden sich auch, ihre Kinder nicht gegen HPV impfen zu lassen. "Menschen, die Impfungen ablehnen, haben Angst, und die kann man den Menschen meist nicht in einem halbstündigen Gespräch nehmen. Diese Eltern besorgen sich entsprechende Argumente, und es ist ihnen egal, ob die Informationen seriös sind", sagt Kahl. Unter anderem in Dänemark und in Japan gab es Berichte über schwere, lang anhaltende Nebenwirkungen, Symptome wie Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit bei geimpften Mädchen. Die Folge: In beiden Ländern fielen die Impfraten.

Niedrige Impfquoten in Deutschland

Auch in Deutschland ist die Impfquote noch relativ niedrig. Laut einer Auswertung des Robert Koch-Instituts waren 2015 nur 44,6 Prozent der 17-jährigen Mädchen vollständig geimpft. Für Jungen liegen noch keine entsprechenden Daten vor. Dabei betonen die zuständigen Behörden einhellig, dass die Impfung sicher sei. Zu diesem Schluss kommt sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut, welches in Deutschland für die Impfstoffsicherheit zuständig ist.

Behörden: HPV-Impfung ist sicher

"Die Sicherheit wurde in zahlreichen Studien mit Hunderttausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern untersucht", sagt auch Christine Winkelmann, Expertin für sexuell übertragbare Infektionen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Dabei seien keine Belege für schwere, die Gesundheit nachhaltig beeinträchtigende Nebenwirkungen im ursächlichen Zusammenhang mit der HPV-Impfung festgestellt worden. Allerdings seien – wie bei anderen Impfungen auch – Nebenwirkungen wie Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle am Oberarm möglich. Auch werde einigen Jugendlichen bei der Impfung schwindelig.

Solche Begleiterscheinungen mögen unangenehm sein – im Vergleich zu den möglichen Folgen einer Infektion sind sie jedoch gering. Für Kinderarzt Kahl ist klar: "HPV kann zu Krebs führen und wenn man das mit einer Impfung vermeiden kann, ist das ein Riesenvorteil."
 

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