Ein kleiner Piks

HPV-Impfung kann vor Krebs schützen

Die HPV-Impfung, auch als Gebärmutterhalskrebs-Impfung bekannt, wird von der Ständigen Impfkommission für Mädchen und Jungen empfohlen, denn sie kann vor verschiedenartigen Krebserkrankungen schützen. Wir haben mit Experten gesprochen und zusammengetragen, was ihr über das Impfschema, die Kosten und Nebenwirkungen wissen solltet.

Soll ich mein Kind impfen lassen? Bietet die Impfung überhaupt Schutz? Oder stellt sie vielmehr eine Gefahr dar? Wenn es um das Thema Impfen geht, sind viele Eltern verunsichert. Dass Kinder gegen Masern, Keuchhusten oder Mumps geimpft werden sollen, sehen viele Mütter und Väter ein. An die relativ neue HPV-Impfung denken Eltern oft (noch) nicht – oder zögern aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen.

Humane Papillomviren (HPV) können zu Genitalwarzen, aber auch zu Gebärmutterhalskrebs führen

Es gibt mehr als 150 Typen von HP-Viren. Sogenannte Low-Risk-Typen wie HPV 6 und HPV 11 verursachen ansteckende Feigwarzen (Genitalwarzen). Diese treten zum Beispiel an Scheide, Schamlippe, Glied, Damm oder Anus auf. Es handelt sich um stecknadel- bis mehrere Zentimeter große Papeln, die sich ausbreiten können. Gefährlicher sind High-Risk-Typen wie HPV 16 und HPV 18. Bei einer Infektion mit diesen Typen können sich über einen längeren Zeitraum unterschiedliche Krebsarten entwickeln. 

Nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs sind auf Humane Papillomviren zurückzuführen. Die HPV-Impfung, die im Volksmund deshalb auch als Gebärmutterhalskrebs-Impfung bekannt ist, schützt vor den HPV-Typen, die für bis zu 90 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind und außerdem Krebs am Anus, an der Vagina, Vulva, am Penis oder im Mund-Rachen-Raum auslösen können. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 6.250 Frauen und 1.600 Männer aufgrund einer HPV-Infektion an Krebs.

STIKO empfiehlt HPV-Impfung auch für Jungen

Noch bis 2018 wurde die HPV-Impfung nur für Mädchen empfohlen. Seitdem gilt die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) auch für Jungen. Geimpft werden sollen Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 14 Jahren. Ein Nachimpfen ist bis einschließlich 17 Jahre möglich. Über die Kosten für eine HPV Impfung müssen sich Eltern dann keine Gedanken machen, denn in diesen Altersgruppen wird die HPV-Impfung von den Krankenkassen bezahlt. "Versäumte Impfungen sollten so früh wie möglich nachgeholt werden", betont Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut. "Auch nach dem ersten Sex können und sollten ungeimpfte Mädchen oder Jungen noch gegen HPV geimpft werden." Selbst wenn es dann schon zu einer dauerhaften HPV-Infektion gekommen sein sollte, könne die Impfung trotzdem noch einen Schutz vor den anderen im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen bieten.

Wie oft müssen Kinder gegen HPV geimpft werden?

Je nach Alter der Kinder wird zwei- oder dreimal geimpft. Im Alter von neun bis 14 Jahren erhalten die Kinder zwei Impfdosen. Zwischen den beiden Impfungen sollen mindestens fünf Monate Abstand liegen. Bei einem kleineren Abstand sind drei Dosen erforderlich. Ab dem Alter von 15 Jahren gibt es drei Impfdosen innerhalb eines Jahres. Laut Robert Koch-Institut wird derzeit keine Auffrischimpfung empfohlen. Der Düsseldorfer Kinderarzt und Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Hermann Josef Kahl, bezeichnet die Resonanz insgesamt positiv. Seine Erfahrung aus der Praxis: Besonders nach der Einführung der Impfung für Jungen werde die HPV-Impfung gut angenommen. "Vor allem Mütter sagen: Es ist Zeit geworden, dass auch Jungs geimpft werden." Jungen können das Virus übertragen, aber sie können eben auch selbst erkranken.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

In Dänemark und in Japan gab es Berichte über schwere, lang anhaltende Nebenwirkungen, Symptome wie Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit bei geimpften Mädchen. Die Folge: In beiden Ländern fielen die Impfraten. Doch: "Die Sicherheit wurde in zahlreichen Studien mit Hunderttausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern untersucht", sagt Christine Winkelmann, Expertin für sexuell übertragbare Infektionen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Dabei seien keine Belege für schwere, die Gesundheit nachhaltig beeinträchtigende Nebenwirkungen im ursächlichen Zusammenhang mit der HPV-Impfung festgestellt worden. Allerdings seien – wie bei anderen Impfungen auch – Nebenwirkungen wie Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle am Oberarm möglich. Auch werde einigen Jugendlichen bei der Impfung schwindelig. Solche Begleiterscheinungen mögen unangenehm sein – im Vergleich zu den möglichen Folgen einer Infektion sind sie jedoch gering. "Menschen, die Impfungen ablehnen, haben Angst, und die kann man den Menschen meist nicht in einem halbstündigen Gespräch nehmen. Diese Eltern besorgen sich entsprechende Argumente, und es ist ihnen egal, ob die Informationen seriös sind", sagt Kinderarzt Kahl. Ihm ist klar: "HPV kann zu Krebs führen und wenn man das mit einer Impfung vermeiden kann, ist das ein Riesenvorteil."

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Bisher niedrige Impfquoten in Deutschland

In Deutschland ist die Impfquote noch relativ niedrig. Laut einer Auswertung des Robert Koch-Instituts waren 2019 nur 44,6 Prozent der 17-jährigen Mädchen vollständig geimpft. Für Jungen liegen noch keine entsprechenden Daten vor. Die zuständigen Behörden betonen einhellig, dass die Impfung sicher sei. Zu diesem Schluss kommt sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut, welches in Deutschland für die Impfstoffsicherheit zuständig ist.

Autorin: Claudia Steiner

Weitere Infos findest du beim BZgA-Internetportal Liebesleben: 

Infos des Robert Koch-Instituts: 

Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts (Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel)

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