Bakterien, Viren und Keime

Wie sauber muss es zu Hause mit Kindern sein?

Kinder haben keine Scheu vor Schmutz – was Eltern oft Sorgen bereitet. Wo lauern Bakterien, Viren und Keime im Alltag? Und welche davon sind wirklich gefährlich? Tipps und Tricks für das richtige Maß an Hygiene bei den Kleinen.

Kindern ist Dreck total egal. Je beweglicher sie werden, desto mehr Schmutz entsteht. Fingerfarben werden auf Hände und Hosen geschmiert, Wasser plus Erde ergibt herrlichen Matsch, und Schokolade klebt so schön auf der Haut. Drinnen über Böden zu krabbeln sowie oder im Sand zu spielen gehört zur kindlicher Entdeckungstour. Schmutzige Spielkinder sind normal – und völlig in Ordnung.

Denn Bakterien sind für uns lebensnotwendig. Sie schützen unsere Haut, stärken das Immunsystem, helfen uns bei der Verdauung und versorgen uns mit Vitaminen, die wir nicht selbst herstellen können. Insgesamt fast 40 Billionen Mikroorganismen leben auf und in uns, das sind mehr, als unser eigener Körper Zellen hat. Dieses so genannte "Mikrobiom“ baut unser Körper in den ersten Lebensjahren auf – auch, indem er sich den Keimen in unserer Umgebung aussetzt.

Zuhause ist, wo unsere Keime wohnen!

Allerdings sind natürlich nicht alle Mikroorganismen in und um uns herum harmlos. Einige Bakterien, Viren oder Pilze können Krankheiten auslösen, wenn sie zum Beispiel über die Luft, per Tröpfchen- oder Schmierinfektion in den Körper gelangen. Gerade bei Kindern ist das Risiko dafür besonders groß, weil sie noch keine Scheu vor Schmutz oder Exkrementen haben und ihre Schutzbarriere aus nützlichen Bakterien noch nicht voll ausgeprägt ist.

Was Eltern über Segen und Fluch unserer unsichtbaren Mitbewohner wissen sollten, erklärt der Professor für Hygiene und Mikrobiologie Dirk Bockmühl in seinem Ratgeber "Keim daheim“. Eine wichtige Erkenntnis daraus: Die meisten Keime in unseren Wohnungen und Häusern tummeln sich im Feuchtgebiet Küche. Rund um die Spüle ist Hygiene besonders wichtig, weil wir dort auch mit rohen tierischen Lebensmitteln umgehen – sie können gefährliche Keime enthalten, die leicht an unsere Hände und in unsere Nahrung gelangen. Die größte Keimschleuder ist übrigens der Spülschwamm: Pro Kubikzentimeter haben Wissenschaftler darin 50 Milliarden Zellen gefunden. Insgesamt mehr als 360 unterschiedliche Keime konnten sie identifizieren – darunter auch ein halbes Dutzend Krankheiten erregende.

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Nicht zu steril, bitte!

Trotzdem sollte unser Zuhause nicht steril wie ein Krankenhaus sein. Im Gegenteil: Wer zu Hause zu viel desinfiziert, erhöht das Risiko für Asthma, Allergien und Neurodermitis. Ein besseres Immunsystem entwickeln Kinder, die in nicht zu sterilen Verhältnissen aufwachsen. Auf die Balance kommt es an, betont auch Dirk Bockmühl: Ein keimfreies Zuhause ist nicht förderlich, ein vernünftiges Maß an Hygiene aber sinnvoll. Dazu gehört zuerst das ganz normale Putzen – Bockmühl empfiehlt dazu schlicht heißes Wasser und milde Allzweckreiniger. In einem Haushalt mit Kindern sollten aber darüber hinaus noch einige weitere Hygieneregeln gelten.

Hier lauert die Gefahr

Mit dem Hund zu toben ist okay, sich abschlecken zu lassen aber nicht: Immer wieder erkranken Menschen schwer oder sterben sogar, nachdem sie sich auf diese Weise mit einem Krankheitserreger ihres Haustieres angesteckt haben. Tiere gehören daher auch nicht an den Esstisch. Neben Kot, Mülleimer, Katzenklo und Toilette sind auch benutzte Papiertaschentücher zum Spielen tabu. Taschentücher und Essensreste sind Keimschleudern, die Eltern regelmäßig aus Kita- und Schultaschen entfernen sollten. Und auch Spielzeug hat es in bzw. auf sich: Holz- und Plastikteile regelmäßig mit antibakteriellen Tüchern abwischen und geliebten Stofftieren ruhig mal einen Waschgang verpassen.

Buchtipp


Alles über Bakterien, Pilze und Viren: "Keim Daheim“ von Dirk Bockmühl, Droemer Verlag, 17 Euro

Vorsicht bei den Kleinsten

Besonders die Kleinsten müssen vor schädlichen Bakterien und Keimen geschützt werden. Bei Babys sollten Sauger, Flaschen und Schnuller nach Gebrauch sterilisiert werden, bei älteren Kindern genügt das Abspülen unter heißem Wasser. Neben der Wickelkommode ist zudem ein Windeleimer unverzichtbar. Ausreichend sind Modelle für haushaltsübliche Mülltüten. Darauf achten, dass der Deckel einwandfrei schließt – und regelmäßig leeren. Bitte nie den heruntergefallenen Schnuller ablecken! Das macht ihn nicht sauber, sondern überträgt Pilze, Viren und Kariesbakterien von Mama auf das Kind.

Bei Hygiene Vorbild sein

Wichtig ist, Kindern das Waschen von Anfang an als positives Ritual vorzuleben. Körperhygiene muss ganz selbstverständlich in den Tagesablauf integriert werden. Nur Sauberkeit Predigen reicht nicht: Wer als gutes Vorbild vorangeht, wird schnell merken, dass Kinder lernen, gefährlichen Schmutz zu meiden. Wenn Mama und Papa sich vor dem Essen gründlich die Hände waschen, wird auch das Kind es tun. Auch gemeinsames Händewaschen kann helfen. So lernen die Kids, dass Sauberkeit Spaß machen kann und zum Wohlgefühl beiträgt.

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Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

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